Quicktipp: Smartphones für Kinder Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Wann sollten Kinder ein Smartphone nutzen? Auf dem Bild spielt ein Junge mit dem Smartphone und hat ein Geschenk auf dem Schoß.
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MDR JUMP Fr 06.10.2017 02:10Uhr 01:55 min

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Das Smartphone gehört zu unserem mobilen Alltag. Für viele von uns ist klar: Ohne geht es nicht! Doch was ist mit unserem Nachwuchs? Schon in der Grundschule fragen viele Kinder nach einem eigenen Smartphone. Die Medienexpertin Kristin Langer von der Initiative "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht" erklärt, wann ein Handy und ein Smartphone wirklich für Kinder geeignet sind.

Brauchen Grundschulkinder ein Handy?

Ein Kind telefoniert mit einem Handy.
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"Lebensnotwendig ist ein Mobiltelefon für Grundschüler nicht", sagt die Expertin. Ab einem Alter von neun Jahren hält Kristin Langer ein Handy aber durchaus für sinnvoll. Dann können Kinder überhaupt verstehen, dass so ein Gerät Geld koste. Außerdem können die Schüler erste Erfahrungen mit dem Sparen sammeln. "Denn wenn das Guthaben aufgebraucht ist, können sie nicht mehr telefonieren", sagt Langer. Sie müssen sich das Geld also einteilen. Grundsätzlich sind Schüler mit einem Handy besser für die Eltern erreichbar. Training, Musikschule, der Besuch bei Freunden: Da ist es durchaus von Vorteil, wenn die Eltern kontaktiert werden können. Hinzu kommt, dass Kinder so einen Bezug zur Technik bekommen und den Umgang damit lernen. "Das heißt aber keineswegs, dass Schüler ohne Mobiltelefon den Anschluss verlieren und das nicht noch später nachholen können", erklärt Kristin Langer.

Und ein Smartphone?

Ein Smartphone ist eben mehr als ein einfaches Handy. "Dafür brauchen Kinder auch mehr Erfahrung und Kompetenz im Umgang mit Medien. Fahrradfahren lernen sie auch nicht auf einem 28er-Rad, sondern sie fangen oft mit einem Laufrad an", vergleicht die Medienpädagogin. Aus ihrer Sicht sollten Kinder erst mit elf bis zwölf Jahren ein eigenes Smartphone mit Internetzugang haben. "Wenn es ein Smartphone sein soll, dann sollten Eltern die Internetfunktion passwortgeschützt einstellen, dass der Nachwuchs da nicht selber zugreifen kann."

Warum erst ab zwölf?

Kinder in diesem Alter können komplexe Zusammenhänge und Vorgänge wie eben das Internet besser verstehen als Grundschüler. "Das Smartphone liefert ihnen ja mit Nachrichten und Kommentaren in Chats usw. auch Inhalte, die die Kinder vielleicht gar nicht bewusst abrufen wollten. Elf- bis Zwölfjährige können zum Beispiel mit Mobbing in einem Chat ganz anders umgehen und haben bessere innere Abwehrmechanismen als ein Siebenjähriger", sagt die Expertin. "Da habe ich als Kind schon das Verständnis und kann Zusammenhänge auch überschauen und weiß, was ich damit bewirken kann, wenn ich eine Nachricht verschicke. Und dann übernehme ich als Kind auch Eigenverantwortung."

Das Nutzen von Informationen, den Umgang damit und auch eine bewusste Ablehnung von Inhalten müssen von Kindern erstmal gelernt werden. Ein Smartphone mit all seinen Möglichkeiten überfordert schlicht und ergreifend die sozialen und geistigen Fähigkeiten eines Grundschülers. Außerdem sind viele Funktionen für die Kinder nur schwer durchschaubar. Unsere Expertin sagt:

Über Messenger-Dienste und das Teilen von Inhalten kann die Telefonnummer leicht an fremde Personen gelangen, die vielleicht Inhalte verschicken, die für das Kind nicht geeignet sind.

Wer seinen Kindern den Zugang zu Messenger-Diensten ermöglichen will, sollte darauf achten, dass diese die nötige Sicherheit für Kinder mitbringen. "Apps wie "threema" oder "SIMSme" nehmen den Datenschutz ernst und bringen die nötige Verschlüsselung mit. Da kann ich als Eltern auch sicher sein, dass mein Kind weiß, mit wem es da schreibt", sagt Kristin Langer.

Teure Geräte machen Druck

Ein simples Handy ist mit Prepaid-Vertrag für ein paar Euro zu haben. Geht es verloren oder kaputt, ist das zwar nicht schön. Es ist aber auch nicht so schlimm. Wenn Kinder aber mit einem Smartphone in die Schule kommen, dann tragen sie oft teure Geräte mit sich herum. Für Medienpädagogin Kristin Langer ist das ein großer Druck: "Für Kinder bedeutet so ein teures Gerät ja: Ich darf es nicht kaputt machen, ich darf es nicht verlieren, ich darf es mir nicht klauen lassen. Eine völlig unnütze Last für die Kinder."

Die Kinder langsam ranführen

Eine Mutter sitzt mit einem Tablet auf dem Sofa neben ihrer kleinen Tochter, die auf ein Smartphone schaut.
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Bevor Kinder ein eigenes Smartphone bekommen, sollten Eltern gemeinsam mit ihnen üben. Beispielsweise die Funktionen erklären: Was ist gut und sinnvoll, was dürfen Kinder nicht? Zudem sollten beiden Seiten darüber sprechen, wie lange das Smartphone täglich genutzt werden darf. Im Grundschulalter ist eine Stunde Fernseher, PC und Smartphone am Tag genug. In der Realität bringen es Sechs- bis Siebenjährige auf das Doppelte, Acht- bis Neunjährige auf fast das Dreifache. Werden Kinder aber zu früh zu lange mit diesen Medien sich selbst überlassen, kann sich das auf die sprachliche und geistige Entwicklung auswirken. "Solche sprachlichen Defizite sind dann aber nicht nur auf die Nutzung des Smartphones zurückzuführen. Oft werden diese Kinder auch allgemein weniger aktiv angesprochen, bekommen also weniger Training in der Kommunikation und im Wortschatz", so Kristin Langer. Erst wenn Eltern merken, dass ihr Kind das Smartphone auch mal bewusst ausschaltet, um Ruhe zu haben, wenn es begreift und praktiziert, wann das Gerät sinnvoll genutzt werden kann und wann nicht, hat es auch die Reife für ein eigenes.

Smartphone-Software

Altersgerechte Filter und Jugendschutz-Apps sorgen auf dem Smartphone dafür, dass Kinder tatsächlich nur Seiten aufrufen und Apps nutzen können, die für ihr Alter geeignet sind. Mithilfe dieser Apps können Eltern zum Beispiel den Zugang zum Web per PIN sperren oder auch die zeitliche Nutzung regulieren.

Eltern sollten Kindern auf keinen Fall allein in App-Shops surfen lassen. Die Angebote könnten die Kinder schlichtweg überfordern und irritieren. "Wenn Sie Ihren Kindern das Smartphone zum Spielen überlassen, dann am besten mit Apps, die im Offline-Modus funktionieren. Achten Sie außerdem darauf, dass die App während des Spielens keine weiteren Kosten verursacht, etwa durch den Zukauf von Funktionen", rät Kristin Langer.

Den sinnvollen Umgang vorleben

Ein kleines Mädchen mit Smartphone.
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Gerade im Kindergarten- und Grundschulalter beobachten Kinder die Erwachsenenwelt genau und ahmen Verhalten nach. "Die Kinder registrieren, ob Sie die Gute-Nacht-Geschichte unterbrechen, weil Sie eine SMS bekommen, oder ob Sie das Gerät in solchen Momenten einfach ignorieren", mahnt die Expertin. Sind Eltern ständig auf dem Sprung, um ja keinen Anruf zu verpassen, oder wollen sie in jeder Whats-App-Gruppe sein, dann registriert das Kind auch das und wird sich zukünftig sehr wahrscheinlich ähnlich verhalten.

Dem Druck von außen nicht nachgeben

Wenn in der ersten Klasse die meisten Kinder von ihren Eltern schon ein Smartphone haben, dann müssen das andere Familien nicht nachmachen. Für solche scheinbaren Zwangssituationen rät Kristin Langer: "Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie sich anders verhalten und dass Menschen unterschiedliche Wertvorstellungen haben. Nicht jeder braucht auch ein großes, teures Auto. Stellen Sie lieber Sachen heraus, die bei Ihnen besser sind. Das können ein Wanderurlaub sein, der tolle Wochenendausflug, das Basteln mit Papa in der Werkstatt. Machen Sie ihrem Kind klar, dass von einem Smartphone nicht die soziale Stellung und das Leben abhängen. Suchen Sie Kontakt zu Leuten, die ähnlich denken."

Fazit

Das Smartphone ist ein komplexes Gerät mit Angeboten und Fallen, die ein Grundschulkind überfordern können. Ab etwa zwölf Jahren sind Kinder reif für so ein Gerät. Um sich vor inhaltlichen und finanziellen Risiken zu schützen, können Eltern die entsprechenden Voreinstellungen vom Smartphone nutzen. Sie sollten ihr Kind vor allem am Anfang mit diesen Geräten aber nie langfristig allein und ohne Kontrolle lassen. Am besten nehmen sich beiden Seiten Zeit für die gemeinsame Entdeckung und vermitteln ihren Kindern, dass ein Smartphone ähnlich wie ein Computer in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 11. Dezember 2017 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 02:10 Uhr