Handys gebraucht kaufen: Worauf kommt es an?

10.09.2018 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Mo 10.09.2018 02:10Uhr 01:06 min

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Wer sein Smartphone wechseln will, hat die Qual der Wahl: Neue Geräte sind schick, haben ein paar aktuelle Gimmicks und oft auch eine etwas bessere Kamera. Dafür kosten sie aber eben auch richtig viel. Besonders wenn es sich um eines der Premium-Modelle von Apple, Samsung und Co. handelt. Gebrauchte Handys sind da im Vergleich deutlich günstiger - und auch nicht viel schlechter, wenn man beim Kauf auf einige Dinge achtet. Wir fassen mit Simone Warnke vom Onlineportal inside handy die wichtigsten Punkte zusammen, auf die Käufer von gebrauchten Handys achten können.

Kauf von Privat oft günstiger

Wer von Privat über Kleinanzeigen-Portale oder Foren im Internet kauft, kommt im Schnitt bis zu 30 Prozent günstiger als beim Händler. Private Handyverkäufer wollen oft nach dem Kauf eines neuen Smartphones ihr „altes“ Gerät einfach nur loswerden und achten dabei nicht so sehr auf den Preis. Allerdings zeigen sich viele Macken wie schwache Akkus oder Wackler an der Auflade-Buchse oft erst im Alltag. Käufer haben dann kaum eine Handhabe, weil private Verkäufer die Gewährleistung ausschließen dürfen. Sie müssen nur für Fehler einstehen, die sie beim Kauf arglistig verschwiegen haben. Das nachzuweisen ist im Ernstfall aber meist nicht so leicht möglich.

Weniger Risiko beim Kauf vom Händler

Händler müssen anders als Privatverkäufer bei Fehlern des verkauften Smartphones einstehen. Für Gebrauchtgeräte gilt eine Gewährleistungsfrist von mindestens einem Jahr. „Meist hat man ein Rückgaberecht von 30 Tagen, oft gibt’s auch eine Geld-Zurück-Garantie und man kann auch davon ausgehen, dass die Handys bei Händlern wieder begutachtet und aufbereitet werden“, sagt unsere Expertin. Zusätzlich geben einige große Verkaufsplattformen wie Rebuy oder AsGoodAsNew bis zu 36 Monaten Garantie aufs Gerät. Hier sollten Käufer aber genau im Kleingedruckten nachlesen. Manchmal wird der Akku von der Garantie ausgeschlossen. Zudem behalten sich manche Onlineverkäufer vor, Zubehör der Smartphones wie beispielsweise Ladekabel oder auch den Akku auszutauschen. Das müssen nicht immer Originalteile der Hersteller sein. Manchmal werben Händler oder Privatleute in den Anzeigen für Gebrauchtgeräte mit dem Kürzel „mit OVP“. Das steht aber nur für „Originalverpackung“ und ist kein echtes Qualitätssiegel.

Direkt vom Hersteller

Auch Handyhersteller bieten manchmal über ihre Shops gebrauchte oder „generalüberholte“ Geräte an. Das macht beispielsweise Apple etwas versteckt in seinem Onlinestore. „Die Hersteller reparieren und zertifizieren ihre Geräte. Zudem bekommt man meist noch eine Garantie dazu – wie bei einem neuen Smartphone“, sagt Simone Warnke. Für diese Sicherheit müssten Käufer allerdings häufig einen höheren Preis bezahlen als bei einem Händler oder einer Verkaufsplattform für gebrauchte Smartphones.

Richtlinie

Käufer von gebrauchten Smartphones können als Referenz den Neupreis des Geräts nehmen. Das klappt zumindest dann, wenn das Gerät nur wenige Jahre alt ist und noch in den Shops verkauft wird. „Wir haben so eine Richtlinie von 65 bis 70 Prozent des Neupreises. Der wäre ein realistischer Preis für ein gebrauchtes Gerät“, sagt Simone Warnke. Ein höherer Preis ist meist zu teuer. Bei einem niedrigeren Preis müssen Käufer von Schäden am Smartphone ausgehen.

Kaum noch Geräte mit SIM-Lock

Vor einigen Jahren war die Bezeichnung „SIM-Lock-Frei“ oder „Ohne SIM-Lock“ in Anzeigen für Gebrauchthandys extrem wichtig. Nur dann konnte das Gerät wirklich in allen Netzen genutzt werden. Bei den meisten aktuellen Smartphones ist das aber kein Thema mehr. „Nur ein paar Netzbetreiber machen das noch bei teuren iPhones“, sagt unsere Expertin. Die sollten Käufer besser meiden, wenn sie nicht ganz sicher im selben Netz telefonieren.

In Ruhe und sorgfältig prüfen

Wenn möglich, sollten Käufer gebrauchte Smartphones vor einem Kauf von privat oder im Geschäft in Ruhe überprüfen. Beim Kauf vom Online-Händler sollte man das Gerät innerhalb der 14-Tage-Rückgabe-Frist ausführlich untersuchen. Als Erstes kann man das Display auf Pixelfehler und Kratzer checken. Home-Button und Power-Button sollte man ebenfalls überprüfen. Die zählen genau wie die Kabelbuchse auch zu den üblichen Schwachstellen. Die Buchse bricht oft innen im Gerät. Dann lässt sich das Handy nicht mehr laden. Als Käufer kann man nachschauen, ob das Ladekabel fest sitzt und nicht aus dem Gerät herausrutscht.

Auch der Anschluss für den Kopfhörer ist eine bei Gebrauchtgeräten typische Schwachstelle. Die Folge sind Aussetzer und Störgeräusche beim Musikhören. Nachsehen sollten Käufer auch bei dem Mini-Aufkleber, der sich bei Wasserschäden rot verfärbt. Der klebt bei Geräten mit einem abnehmbaren Akku-Deckel oft auf dem Akku selbst. Alternativ kleben ihn die Hersteller auch in den Schacht für SIM- oder SD-Karte.

Schwachstelle Akku

Lithium-Ionen-Akku
Bildrechte: Colourbox.de

Die in Smartphones verbauten Akkus sind inzwischen so gut, dass auch die Stromspeicher in ein bis zwei Jahre alten Gebrauchtgeräten einen Tag durchhalten sollten. Ob die Leistung des Akkus zu stark abgenommen hat, können Smartphone-Käufer nur in der Praxis testen. Dazu können sie das Handy im Alltag nutzen und am Abend prüfen, wie viel Leistung der Akku noch hat. Laut inside handy sind über 30 Prozent Akkuladung nach einem Tag Nutzen noch in Ordnung. Bei 20 Prozent und weniger ist der Akku meist schon ein Fall für den Tausch.  Originale Tausch-Akkus gibt es aber schon für zehn bis 15 Euro. Allerdings verkleben immer mehr Hersteller den Energiespeicher fest im Gerät. Den können dann, wenn überhaupt, nur Profis mit viel Aufwand und gegen höhere Kosten tauschen.

Betriebssystem sollte aktuell sein

Bei gebrauchten Smartphones sollten Käufer immer auch checken, welche Version des Betriebssystems auf dem Gerät installiert ist. Das geht in den Einstellungen. „Das ist wichtig, weil dann auch die Sicherheit vom Handy garantiert ist. Je älter ist, desto anfälliger ist das auch für Sicherheitslücken und Schadsoftware“, sagt Simone Warnke. Im Zweifel sollte eine neue Version des Betriebssystems aufgespielt werden. Bei vergleichsweise alten Geräten bekommen Käufer allerdings manchmal keine aktuellen Updates mehr.

Einmal auf Null

Bevor man das gekauft Smartphone nutzt, sollte man es in den Einstellungen sicherheitshalber noch einmal in den Werkszustand zurückversetzen. Dann sind sämtliche private Inhalte des Vorbesitzers ebenso verschwunden wie möglicherweise installierte Spähprogramme. Nach dem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen hat der Vorbesitzer auch keinen Zugriff mehr auf das Handy, etwa für Suchdienste wie „Mein iPhone suchen“ oder „Find my Mobile“.

Fazit

Mit gebrauchten Geräten können Smartphone-Käufer im Vergleich zu Neugeräten einiges sparen. 30 Prozent Abschlag vom Neupreis sind dabei laut Experten eine realistische Ersparnis. Wer bei Händlern oder beim Hersteller kauft und zudem alle möglichen Schwachstellen genau prüft, muss in der Regel nicht mit bösen Überraschungen rechnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. September 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2018, 02:10 Uhr