Smarte Thermostate: Kann man damit wirklich günstiger heizen?

11.10.2019 | 02:10 Uhr

Ein Heizkörper mit einem intelligenten Thermostat
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MDR JUMP Fr 11.10.2019 02:10Uhr min

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Heizung mit Internetanschluss

Vereinfacht gesagt werden die Thermostate oder auch Drehregler der Heizkörper abgeschraubt. Sie werden gegen ein intelligenteres Modell ausgetauscht, das den Regler selbstständig in die passende Position dreht. Dafür ist in den Geräten ein kleines Stellgetriebe verbaut. Die intelligenten Thermostate werden zudem mit dem Internet verbunden und lassen sich dann über App mit dem Smartphone steuern. Manche Geräte erkennen auch, ob der Handybesitzer zu Hause ist und passen die Temperatur an. Alternativ können Zeitpläne erstellt werden, etwa um die Heizung nachts aus- und morgens vor dem Aufstehen anzuschalten. Bei ganz ausgefeilten – und meist auch teureren Systemen – können sogar Wetterdaten mit in die Heizungsteuerung einbezogen werden.

Einfach und komfortabel

Den Tausch der Thermostate schaffen auch Laien, am Heizkörper selbst muss in der Regel nichts umgebaut werden. Da fließt kein Wasser, da muss man nichts absperren. Das ist wirklich nur so ein Stift, der da rein und raus gedrückt wird.

Nico Jurran vom Computermagazin c’t
Eine Frau sitzt auf dem Fußboden vor einem Heizkörper. In der einen Hand hält sie Geldscheine, mit der anderen umfasst sie den Thermostat.
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Der Tausch müsse dem Vermieter auch nicht gemeldet werden. Die alten Thermostate sollten Mieter aber aufheben und beim Auszug wieder anbauen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann aber vorher den Vermieter informieren. Nach dem Tausch müssen die Thermostate noch über den WLAN-Router im Haus oder der Wohnung mit dem Internet verbunden werden. Das klappte im c’t-Test größtenteils recht komfortabel (Heft 3/2019). "Das ist meist so, dass man eine App aufs Smartphone lädt und die findet dann die zugehörigen Thermostate und bindet die dann ins WLAN ein", sagt Nico Jurran.

Probleme mit Fenstererkennung

Schon für rund 12 Euro gibt es einfache Systeme ohne Internetanschluss, die einen einzelnen Heizkörper steuern. Das reicht allerdings nicht, um größere Einsparungen bei den Heizkosten zu erzielen.

Oftmals werden die intelligenten Thermostate aber im Set angeboten und damit kann man dann Wohnzimmer, Bad, Schlafzimmer und vielleicht Arbeitszimmer im Verbund steuern. Dann sind Mieter schon ganz gut ausgestattet.

Nico Jurran vom Computermagazin c’t

Dreier-Sets gibt es ab 130 Euro. Sollen die Thermostate auch noch miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden, steigen die Preise auch schnell über 200, 300 Euro. Einige Anbieter werben mit einer Fenster-Erkennung. Die meldet der Heizungssteuerung, wenn gelüftet wird.

Da wird aber oft nur der Abfall der Temperatur gemessen und das klappt nicht so gut, wenn die Heizung in einer Ecke ist, wo bei einem offenen Fenster die Temperatur nicht so schnell runter geht. Im Test haben viele intelligente Thermostate offene Fenster nicht verlässlich registriert. Das klappt besser bei Geräten, die mit Fenster-Kontakten arbeiten. Solche Systeme sind dann aber noch teurer.

Nico Jurran vom Computermagazin c’t

Bei manchen intelligenten Thermostaten kommen im Betrieb noch Zusatzkosten dazu, wie der c’t-Test zeigte. Beim Anbieter Tado etwa konnten Kunden nur dann alle Funktionen der Geräte nutzen, wenn sie zusätzlich ein Abo von knapp drei Euro pro Monat abschlossen.

Einsparpotential

Die Anbieter der intelligenten Drehregler werben oft damit, wie viel Heizkosten ihre Geräte einsparen. "Die erzählen dann gern mal, dass ich 30 Prozent Einsparung gegenüber dem normalen Heizen habe und das hat unser Test nicht ergeben", sagt der c’t-Experte.

Wie viel Nutzer mit einem Tausch der Geräte einsparen, hängt auch stark von ihrem bisherigen Heiz-Verhalten ab. Wenn sie schon vorher immer die Heizung abgedreht haben beim Verlassen des Zimmers oder wenn sie das Fenster aufmachen, da werden sie kaum Einsparpotential haben.

Nico Jurran vom Computermagazin c’t

Wer dagegen öfter mal für "draußen heize", könne mit den intelligenten Thermostaten die Heizkosten spürbar senken. Ähnlich sieht das auch der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). "Das Thermostat ist lediglich eine 'Benutzerschnittstelle' am Heizkörper und hat nur ein überschaubares Energieeinsparpotenzial", schreibt Frederic Leers vom BDH auf MDR-Anfrage. Deutlich mehr sparten Hausbesitzer oder Mieter mit einem vernetzten Heizsystem. 

Daten über die Lebensweise?

Intelligente Thermostate werden genauso wie andere smarte Geräte mit Internetanbindung regelmäßig von Datenschützern kritisiert: Die Hersteller gelangten an sehr private Daten, etwa wann jemand ins Bett geht, aufsteht oder nach Hause kommt. "Wir haben aber im Test festgestellt, dass die meisten Sachen ohne Anbindung an die Cloud laufen", sagt unser Experte. Das heißt: Es werden gar keine Daten an den Hersteller gemeldet. Wer aber aus der Ferne mit App die Heizung steuern will oder von der Heizung beim Ankommen zu Hause erkannt werden möchte, gibt diese Daten immer auch an den Hersteller weiter.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 02:10 Uhr

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