Quicktipp: Schüleraustausch So bereitest du dein Kind richtig vor

Die Welt steht jedem offen

Quicktipp Schüleraustausch
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Wer ein Austauschjahr machen möchte, kann faktisch überall hin. Ob weit weg nach Japan oder Australien oder doch näher nach Frankreich oder Spanien – da gibt es kaum Grenzen. „Es gibt Austauschmöglichkeiten in jedem Kontinent. Einzig in Krisengebiete wird niemand geschickt“, sagt Antje Richter von ausgetauscht.de – einer gemeinnützigen Organisation, die auf ihrer Internetseite Informationen zu allen Fragen rund um ein Austauschjahr zusammenfasst.

Wohnen bei Gastfamilien oder im Internat

Wer sich auf ein Ziel festgelegt hat, hat in einigen Ländern die Wahl zwischen dem Leben in einer Gastfamilie samt Familienanschluss oder in einem Internat. Da ein Internat in der Regel mit einer Privatschule verbunden ist, ist dies die teurere Variante.

Länge des Aufenthaltes

Ein Schülerkalender mit einem Eintrag
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Üblicherweise kann man drei Monate, ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr im Ausland verbringen. „Wenn man die Sprache auffrischen und in die Kultur eintauchen möchte, dann sind drei Monate in Ordnung“, so Antje Richter. Wer die Sprache allerdings noch nicht beherrscht, sollte aber länger bleiben, denn erst nach vier bis sechs Monaten haben die meisten Austauschschüler die neue Sprache verinnerlicht. Wer zwischen einem halben und einem ganzen Jahr schwankt, sollte sich für die längere Variante entscheiden. „Die meisten Austauschschüler sagen, dass sie erst das zweite Halbjahr richtig genießen konnten: Da haben sich die Austauschschüler in der Fremde ein eigenes Leben aufgebaut, den Trennungsschmerz von Zuhause überwunden und können den Austausch richtig genießen.“ Weiterer Vorteil des längeren Aufenthaltes: Abbrechen und früher abreisen geht immer. Im Nachhinein verlängern ist nicht so einfach. Und die Kosten unterscheiden sich kaum voneinander.

Das richtige Alter

Für einen Schüleraustausch ist es irrelevant, ob man aufs Gymnasium oder auf die Oberschule bzw. Realschule geht. Für ein so genanntes High-School-Year muss man zwischen 14 und 18 Jahre alt sein. Der richtige Zeitpunkt für einen Schüleraustausch hängt allerdings von der Schulart ab: Realschüler gehen in der Regel, nachdem sie gerade ihren Schulabschluss gemacht haben, weil sie anschließend problemlos in die Ausbildung oder weiterführende Schule starten können. Wer auf dem Gymnasium ist, geht meist in der 10. oder 11. Klasse ins Ausland. Abgesprochen werden sollte vorher mit der Schule, ob nach dem Aufenthalt ein Schuljahr wiederholt werden muss oder nicht. Wer 12 Jahre zum Abitur hat, muss die 11. Klasse wiederholen, wenn er in dieser Zeit an die High School geht. Wer 13 Jahre das Gymnasium besucht, bis er das Abitur macht, dem bleibt dieses Schicksal oft erspart.

Die passende Organisation

Wer sich schon ein relativ genaues Bild von seinem Auslandsaufenthalt gemacht hat, muss sich auf die Suche nach einer passenden Organisation machen. Damit sollte man so früh wie möglich anfangen, denn die Organisationen haben nicht endlos viele Plätze zu vergeben. Nach einer erfolgreichen Bewerbung unterstützen sie die Austauschschüler dann Schritt für Schritt: Sie helfen beispielsweise bei den Vorbereitungen, stellen den Kontakt zu Schulen und Gastfamilien her, haben Ansprechpartner vor Ort und klären über alle Formalitäten auf, die nötig sind. Dazu zählen Versicherungen, Visa, Befreiungen von Schulen etc.

Allerdings gibt es sehr viele Organisationen.  Um die passende Organisation zu finden, sollte man die Mitarbeiter auf Herz und Nieren prüfen, rät Antje Richter von ausgetauscht.de. „Man sollte dort immer wieder anrufen und nachfragen. Dann merkt man auch schnell, welche Organisation nur über den Spaß und das Abenteuer berichtet und welche schon von Beginn an ehrlich über mögliche Probleme und Herausforderungen spricht.“ Ist letzteres der Fall, kann man sich schon sicherer fühlen. „Dann sollte man sich die Verträge ganz genau angucken: Bei manchen Organisationen schließt man beispielsweise bereits beim Bewerbungsgespräch einen Vertrag ab. Das ist nicht seriös.“ Zudem sei es sinnvoll, wenn die Organisation in Deutschland sitzt. Falls es zu einem Rechtsstreit kommt, dann findet der Prozess nämlich vor einem deutschen Gericht statt.

In größeren deutschen Städten gibt es auch immer wieder Infoveranstaltungen, bei denen man mit Mitarbeitern und ehemaligen Austauschschülern sprechen kann. Zudem gibt es im Netz diverse Plattformen, in denen ehemalige Austauschschüler ihre Organisation bewerten können.

Übrigens: Jedem steht frei, sich auch privat und ganz ohne Organisationen einen Austausch zu organisieren. Vor allem, wenn Verwandte im Ausland leben, passiert dies häufig. Allerdings muss man dann den gesamten organisatorischen Aufwand allein stemmen, und das sollte man nicht unterschätzen.

Teils erhebliche Unterschiede bei den Kosten

Ist alles erledigt, bleibt zum Schluss noch die finanzielle Hürde. Ein Austauschjahr ist auf jeden Fall teuer! „Mit 9.000 bis 11.000 Euro muss man für einen einjährigen Aufenthalt in Übersee rechnen, wenn man eine öffentliche Schule besucht“, so Antje Richter.  Privatschulen kosten rund 20.000 Euro. Billiger sind Ziele in Europa. In Osteuropa zahlen Austauschschüler rund 5.000 Euro, in Westeuropa 6.000 bis 7.000 Euro. Hinzu kommt ein Taschengeld von 150 bis 200 Euro pro Monat.

„Günstiger wird es für einen Direktaustausch. Dabei lebt das eigene Kind ein halbes Jahr in einer Gastfamilie, das andere halbe Jahr kommt die Gastschwester oder der Gastbruder mit zu einem nach Hause.“  Im günstigsten Fall zahle man dafür nicht mehr als 2.000 Euro für ein Jahr.

Bewerbung um ein Stipendium steht jedem offen

Wenn die Familie die Kosten nicht selbst stemmen kann, kann man sich auf ein Stipendium bewerben. Viele vor allem große Organisationen bieten ihren Schülern selbst Teil- oder Vollzeitstipendien an. Rund ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtkosten können so erstattet werden. „Wer tatsächlich auf ein Stipendium angewiesen ist, sollte sich daher auch eine Organisation suchen, die große Stipendientöpfe hat“, so Antje Richter. Berücksichtigt werden bei der Auswahl von Stipendiaten neben den finanziellen Rücklagen der Eltern vor allem die Schulnoten. Soziales Engagement ist von Vorteil. Auch Firmen, Verbände und Bundestagsabgeordnete bieten Stipendien an. Dabei wollen sie vor allem in der eigenen Region die interkulturelle Kompetenz fördern. Wer sich gegen die klassischen Ziele entscheidet und beispielsweise ein Jahr in  Osteuropa verbringt, hat übrigens meist bessere Chancen auf ein Stipendium, weiß Antje Richter. Auch ein Schüler-Austausch-Bafög ist möglich: Die Höhe hängt vom Gastland und vom Einkommen der Eltern ab. Mehr als rund 500 Euro pro Monat sind damit aber nicht drin.

„Bei dem Thema Stipendien und Finanzierung sollte man genau schauen, bei welcher  Organisation man sich bewirbt, und die Vertragsbedingungen genau lesen. Eine seriöse Austauschorganisation akzeptiert, dass der Vertrag nur zu Stande kommt, wenn man auch ein Stipendium erhält“, so Antje Richter. Bei anderen Organisationen kann man den Vertrag im Nachhinein nicht mehr auflösen, wenn man keine finanzielle Unterstützung erhält. „Damit gibt es jedes Jahr wieder Probleme“, so Richter.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 16. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2017, 02:10 Uhr