Quicktipp Was tun, wenn die Bankfiliale schließt?

15.02.2018 | 09:20 Uhr

Ein roter Aushang informiert über die Schließung der Sparkasse Fellheim.
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MDR JUMP Do 15.02.2018 02:10Uhr 02:07 min

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In vielen Städten und Gemeinden muss man inzwischen weit fahren, um zur nächsten Bankfiliale zu gelangen. Das gilt längst nicht mehr nur für den ländlichen Raum – auch in Städten machen immer mehr Sparkassen- und Volksbanken zu. Die aktuellsten Zahlen stammen von 2016: Damals schlossen 2000 Filialen – darunter rund 900 Sparkassen-, 666 Genossenschaftsbank- und 280 Privatbank-Filialen. Was bedeutet das für die Kunden?

Wie kommt jeder an Bargeld?

Für viele die wichtigste Frage nach der Schließung der nächsten Filiale: Wie komme ich künftig an Bargeld? Welche Lösung es im Einzelfall gibt und wie die Versorgung der Kunden weiter gewährleistet werden soll, erfragt man am besten bei seiner Bank. Denn die Banken haben unterschiedliche Modelle entwickelt.

Automaten statt Bankangestellten

Pin Geldautomat
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Das gängige Modell: Dort, wo einst noch Menschen hinterm Schalter standen, finden Kunden oftmals nur noch Automaten. Dort kann jeder Geld abheben oder Überweisungen tätigen. Auch Einzahlungen sind oft möglich. „Selbstbedienungs-Center“ nennt sich dieses Modell.

Services der Banken

Viele Banken werden auch kreativ, um weiter mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Bustickets für die Fahrt zur nächsten Filiale sind keine Seltenheit mehr. Auch mobile Geschäftsstellen hätten einige Sparkassen schon jetzt im Angebot. Dabei kommen Busse mit Automaten und Mitarbeitern an bestimmten Tagen in der Woche in kleinere Orte – nach dem Vorbild von mobilen Einkaufläden auf dem Land.

Gebührenfreie Alternativen im Supermarkt und Tankstellen

Ohne Abhebegebühren erhält man inzwischen auch bei vielen Supermärkten Bargeld, etwa bei Edeka, Rewe, Penny, Netto und Toom. „Das ist wenig bekannt und wird auch noch selten genutzt“, sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen. Das Bargeldabheben funktioniert dort im Prinzip wie am Geldautomaten: Die Girokarte wird in das Lesegerät gesteckt, dann die PIN-Nummer eingegeben und schon zahlt der Kassierer das Bargeld aus. Kostenlos bekommen auch Kunden der sogenannten Cashgroup (Commersbank, Norisbank, Comdirct, Postbank, Deutsche Bank, Hypovereinsbank) Bargeld bei Shell-Tankstellen mit ihrer Girocard.

Gebührenfalle Fremdautomat

Vorsicht beim Abheben an Automaten von anderen Banken: Da werden teilweise hohe Gebühren fällig! Mit fünf bis sechs Euro muss man dabei rechnen. Gibt es aber keine Alternative, als gerade dort das Geld abzuheben, sollte man vielleicht gleich einen höheren Betrag abheben. Insgesamt sollte man aber darüber nachdenken, wie viel Bargeld man wirklich im Monat braucht, wenn man Einkäufe so oft wie möglich mit der EC-Karte zahlt.

Wo findet die Beratung statt?

Ein Mann und eine Frau im Gespräch mit einem anderen Mann.
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Persönliche Beratungsgespräche sind ein großer Vorteil und inzwischen auch das Alleinstellungsmerkmal von Filialbanken gegenüber Direktbanken: Dies würde laut dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband in den verbleibenden Filialen ausgebaut, um möglichst überall auch komplexe Beratungswünsche erfüllen zu können. Heißt: Kunden müssen zwar weiter fahren, bekommen aber die gesamte Beratungspalette an einem Ort. Auch bieten fast alle Banken inzwischen ein 24-Stunden-Telefonbanking an: Damit hat jeder Kunde Zugang zu einer Vielzahl an Serviceleistungen, wie z.B. Abfragen des Kontostandes oder Überweisungen ins In- und Ausland.

Schwerpunkt Online?

Fest steht: Viele klassische Aufgaben, die Bankfilialen früher einmal hatten, lassen sich heute auch über Internet erledigen. „Allerdings ist das nicht für alle eine Alternative. Vor allem im ländlichen Raum ist das Internet noch immer nicht stabil und immer schnell genug“, so Heyer. Vor allem ältere Menschen sind zudem mit der Technik nicht so vertraut und vergessen schnell, auf eine sichere Internetverbindung zu achten. Sicher ist eine Internetseite beispielsweise, wenn am Anfang https und nicht nur http steht. Überweisungen sollten zudem nur mittels TAN erfolgen, die beispielsweise direkt bei einer Überweisung auf das eigene Handy übermittelt wird.

Preise vergleichen und zu Direktbanken wechseln

„Eine Schließung einer Filiale kann auch als Anlass genommen werden, um die eigenen Ansprüche an eine Bank zu prüfen“, so Heyer von der Verbraucherzentrale Leipzig. Gibt es in der Nähe noch andere Banken und wie sind dort die Konditionen? Filialbanken verlangen meist zwischen fünf und acht Euro monatlich für die Nutzung des Girokontos, Überweisungen und Einzahlungen am Schalter kosten ggf. extra. Direktbanken ohne persönlichen Berater vor Ort sind dagegen in der Regel kostenlos. So lassen sich immerhin pro Jahr problemlos zwischen 50 und 100 Euro sparen.

Fazit

Vor allem auf dem Land kommt es häufig vor: Die einzige Bank am Ort wird bald geschlossen. Kein Einzelfall, denn die Geldinstitute haben nach Angaben des Bankenverbands allein zwischen 2005 und 2015 mehr als 10.000 Filialen dichtgemacht.  Jeder sollte sich bei seiner Bank erkundigen, wie die Versorgung weiterhin gewährleistet werden soll: Geld abheben kann jeder an Automaten, die es weiterhin in fast jeder „alten“ Filiale gibt. Dort stehen dann nicht nur Geldautomaten, sondern auch spezielle Geräte, an denen man Überweisungen und Ähnliches durchführen kann. In manchen Regionen kommt sogar ein Bus vorbei, der als rollende Bankfiliale ausgestattet ist. Ist nichts Derartiges geplant, sollte man sich erkundigen, wo der nächste Geldautomat steht. Inzwischen gibt es sogar in einigen Supermärkten, Baumärkten und Tankstellen kostenlos Bargeld. Vorsichtig sollte allerdings jeder sein, der bei einer anderen Bank Geld abhebt. Das kann teilweise teuer werden. Weitere Serviceaktivitäten wie Überweisungen oder das Abfragen des Kontostandes lassen sich oft auch bequem per Telefon oder Online erledigen. Außerdem sollte sich jeder fragen, wie wichtig einem das persönliche Gespräch mit einem Bankmitarbeiter ist. Direktbanken ohne ein Filialnetz verlangen im Gegensatz zu anderen Banken selten Kontoführungsgebühren. Ein Wechsel kann sich also finanziell durchaus lohnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 15. Februar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2018, 02:10 Uhr