Quicktipp: Gesundheit So fastest du richtig

Ein leerer Teller und ein Glas Wasser stehen auf einem rot-weiß-karierten Tischtuch. 2 min
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MDR JUMP Mi 01.03.2017 02:10Uhr 01:55 min

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Früher spielte das Fasten eher eine Rolle im Vorfeld kirchlicher Feiertage. Heute ist es vor allem das Gesundheitsbewusstsein, das Menschen veranlasst, auf Essen zu verzichten. Der Mensch hat sich im Laufe seiner Entwicklung an den Wechsel zwischen Überangebot und Mangel angepasst. Längere Hungerphasen kann der Körper überbrücken, weil bestimmte Organe und Gewebe Reserven anlegen. Da Menschen hierzulande meist ausreichend mit Nahrung versorgt sind, führen diese Speicherfunktionen häufig zu Übergewicht. Fasten muss allerdings nicht in erste Linie der Gewichtsreduktion dienen. Vielmehr geht es darum, durch den bewussten Verzicht auf Nahrung das körperliche und seelische Wohlbefinden zu steigern. Spätestens ab dem vierten Tag steigt die Konzentration des Hormons Serotonin, was sich positiv auf die Stimmung auswirkt. Außerdem geht die Konzentration von Stresshormonen zurück und Blutzuckerspiegel sowie Blutdruck sinken. Nach einer Umstellung des Stoffwechsels kommt dann der Fettabbau in Gang. Fasten kann zur Linderung bestimmter Krankheitssymptome beitragen, zum Beispiel bei Stoffwechselerkrankungen, Bluthochdruck, chronischen Entzündungen wie Rheuma, Magen-Darm-Problemen oder Depressionen.

Wer darf fasten?

Im Grunde kann jeder ausgewachsene Mensch fasten, der gesundheitlich fit ist. Wer an schwerwiegenden organischen Erkrankungen, Essstörungen oder einer unbehandelten Schilddrüsendysfunktion leidet, sollte dagegen nicht fasten. Das Gleiche gilt für Schwangere, Stillende oder stark Untergewichtige. Auch wer gerade einen Infekt auskuriert hat, lässt das Fasten lieber erst einmal sein. Menschen, bei denen körperliche oder psychische Einschränkungen bekannt sind, sollten besser im Rahmen der fachlichen Betreuung einer Klinik fasten. Aber auch für das Fasten daheim ist die Begleitung durch einen Arzt oder ausgebildeten Fastenleiter angeraten. Eine vorherige Untersuchung mit Blut- und Urinproben kann sicherstellen, dass keine medizinischen Einschränkungen bestehen. Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte sich auf jeden Fall mit seinem Hausarzt absprechen. Ein kundiger Arzt oder ein ärztlich geprüfter Fastenleiter kann dabei helfen, den individuellen Fastenplan zu erstellen.

Formen des Fastens

Es gibt verschiedene Formen des Fastens, die sich mitunter stark unterscheiden.

tiefer Teller mit Gemüsebrühe
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Buchinger-Fasten
Die Methode nach Buchinger ist die wohl bekannteste Fastenform. Bevor es losgeht, muss der Darm gereinigt werden. Dies kann über Glauber- oder Bittersalz passieren oder durch Einläufe, die man selbst zu Hause oder beim Arzt durchführt. Für die umfassende Darmentleerung muss man sich mindestens einen Tag Zeit nehmen. Über fünf bis zehn Tage hinweg darf man seinem Körper dann nur Flüssiges zuführen. Die notwendige Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen geschieht durch die Aufnahme von Gemüsebrühe, Tee oder Obstsaft. Fasten über die angesprochene Zeit hinaus sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Fasten-Kliniken bieten auch zwei- bis vierwöchige Fastenkuren mit stationärem Aufenthalt an. Bei diesem soll durch viel Bewegung und Kneippsche Anwendungen, Massagen bzw. mit Leberwickeln die Ausscheidung angekurbelt werden.

Aus einer Karaffe wird Wasser in ein Glas gegossen.
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Schroth-Kur
Bei der ebenfalls populären Schroth-Kur wechseln sich Trinktage mit Tagen ab, an denen nur wenig Flüssigkeit und mehr feste Nahrung aufgenommen wird. Diese besteht aus Grießspeisen, Fruchtkompott oder gedünstetem Gemüse. An den Trinktagen sollen durch die Flüssigkeitszufuhr angesammelte Substanzen ausgeschieden werden. Dieser Vorgang wird zusätzlich durch Schwitzkuren stimuliert. In der moderneren Variante wird die Flüssigkeitsaufnahme nach individuellem Bedarf bestimmt.

Intervallfasten
Beim sogenannten Intervallfasten handelt es sich um den Verzicht auf Essen in regelmäßigen Abständen. Dazu existieren verschiedene Ansätze: So kann man etwa 16 Stunden pro Tag fasten, mit der 5-zu-2-Methode an zwei Wochentagen beim Essen pausieren oder auch lediglich eine tägliche Mahlzeit aussetzen. Der Körper soll dazu angeregt werden, bereits bestehende Reserven zu verstoffwechseln. Eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass Intervallfasten den Stoffwechsel optimieren und vor Typ-II-Diabetes schützen kann. Diese etwas sanftere Art des Fastens ist wie alle anderen jedoch nur dann sinnvoll, wenn generell eine gesunde Ernährung praktiziert wird.

Vor dem Fasten

Fastenanfänger sollten die Möglichkeit erwägen, sich einer Fastengruppe in ihrer Umgebung anzuschließen. Hier lässt sich eine kompetente Fastenbegleitung und soziale Unterstützung finden. Das ist gerade dann hilfreich, wenn die Motivation nachlässt. Es ist ratsam, schon vor Beginn des Fastens einen oder mehrere sogenannte Entlastungstage einzulegen und weniger als üblich zu essen. Beispielsweise sollte man Fleisch, stark zuckerhaltiges Essen, aber auch Kaffee, Alkohol und Nikotin ganz weglassen. Auf diese Weise muss sich der Körper mit Einsatz der Fastentage nicht so extrem umstellen.

Urlaub nehmen?

Grundsätzlich bietet sich der Urlaubszeitraum für Kuren an, da hier Körper und Psyche zur Ruhe kommen. Wenn das nicht geht, ist der Freitag für einen Start günstig, weil dann zumindest zwei Tage mit weniger Beanspruchung vor einem liegen. Zudem gibt es Angebote für Fastenurlaube, die meist als Fastenwandern stattfinden.

Während des Fastens

Eine junge Frau streckt draußen lachend ihre Arme aus.
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Zu Beginn der Kur können Fastende unter Kreislaufproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Kopfschmerzen leiden. Ursächlich sind hier meist ein niedriger Blutzuckerspiegel, ein schwacher Blutdruck oder Koffeinentzug. Experten empfehlen einen Teelöffel Honig zur Linderung. Beim Fasten gilt es, den Körper nicht zu überfordern. Jedoch ist aktive Bewegung an der frischen Luft ganz wichtig. Ebenso bieten sich Entspannungsübungen, leichte Gymnastik, Schwimmen oder bei einem ausreichend stabilen Kreislauf auch der Gang in die Sauna an. Dies beugt dem unschönen Körper- und Mundgeruch vor, welcher durch die Ausscheidung der entstehenden Säuren verursacht wird. Dabei ist das Trinken sehr wichtig. Empfohlen wird die Aufnahme von zwei bis drei Litern Flüssigkeit pro Tag geht. Die Farbe des Urins zeigt an, ob genug getrunken wurde: Je dunkler der Urin, desto höher ist der Flüssigkeitsbedarf. Die Flüssigkeitsaufnahme hilft auch dabei, für eine regelmäßige Darmentleerung sorgen. Mittel zur Entwässerung und Appetitzügler haben während einer Fastenkur nichts zu suchen.

Fastenbrechen

Nach Ende der Fastenphase darf der Körper nur langsam an feste Nahrung gewöhnt werden. Während der sogenannten drei Aufbautage sind nur kleine Mengen empfohlen. Sich für die eigene Disziplin mit einem Festmahl zu belohnen, würde Kreislauf und Magen zu stark belasten. Ein gezielt ausgerichteter neuer Speiseplan hilft dabei, das erlangte Wohlbefinden und Gewicht über die Fastenzeit hinaus zu erhalten.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 01.03.2017 | 9 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2017, 02:10 Uhr

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