Quicktipp: Pflege zu Hause Was ist bei der Pflege von Familienangehörigen zu beachten?

Der richtige Ansprechpartner

Die Ansprechpartner für die Pflege beziehungsweise Versorgung und Betreuung von Pflegebedürftigen unterscheiden sich. „Hat der Familienvater einen Arbeitsunfall und muss während der Reha noch einige Monate zu Hause gepflegt werden, sind dafür zunächst mal die Arbeitgeber und Krankenkassen zuständig“, erläutert Antoinette Steinhäuser von der Caritas Dresden-Meißen. Anders sieht das bei älteren Angehörigen aus, die beispielsweise nach einem Schlaganfall im Krankhaus liegen und absehbar die nächsten Monate zu Hause intensiv betreut werden müssen. „In dem Fall wenden Sie sich an den Sozialdienst des Krankenhauses. In der Praxis ist das aber eigentlich so, dass die auf Sie zukommen“, so Steinhäuser.

Die richtige Unterstützung

Eine junge Pflegerin gibt einer älteren Frau Hinweise zur Tabletteneinnahme.
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Am Ende eines Krankenhausaufenthaltes ist dein erster Ansprechpartner der dortige Sozialdienst oder das Entlassungsmanagement. Mit den Mitarbeitern klärst du, was an Pflege zu Hause benötigt wird, welche Kosten dafür übernommen werden und welche Anträge du wo stellen musst. Außerdem bekommst du Kontakt zu privaten Pflegedienstleistern bei dir vor Ort. Danach nimmst du Kontakt zu deinem betreuenden Ansprechpartner bei der Kranken- und Pflegekasse des Pflegebedürftigen auf. Ihr ermittelt gemeinsam die Pflegeleistungen, die du zu Hause brauchst. Danach besuchst du den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, kurz MDK, und schaust dir die Situation vor Ort an. Er stellt fest, was die Pflegebedürftigen noch allein können und wobei sie Hilfe brauchen. Danach richten sich der Pflegegrad und die entsprechende finanzielle Hilfe von der Pflegkasse. 

Die richtige Arbeitsteilung

Versuche möglichst nicht, einen Pflegebedürftigen von jetzt auf gleich rund um die Uhr allein zu betreuen. Das kann schnell die eigenen Kräfte übersteigen. Binde in Vorbereitung, Organisation und die Pflege selbst möglichst die Familie ein. Behördengänge, Internetsuche, der Einkauf im Sanitätshaus, das kannst du ebenso wie die Betreuungszeiten aufteilen und entsprechend planen. So wird die Belastung für den Einzelnen geringer. Suche auch nach Hilfsangeboten von Sozialdiensten, ehrenamtlichen Besuchsdiensten, Einkaufshelfern usw. Ebenso können Freunde und Nachbarn Teile der Betreuung übernehmen. Bist du angestellt, dann kannst du bis zu zehn Tage im Jahr für eine Pflege und deren Organisation bezahlt frei nehmen.

Die richtige Pflege

Die Vollzeitpflege eines demenzkranken oder gar bettlägerigen Familienmitgliedes stellt ungelernte Personen vor enorme Herausforderungen. Deshalb musst du zunächst klären, wie viel Pflege benötigt wird und was du davon überhaupt körperlich und zeitlich leisten kannst. Hast du dich für die Pflege entschieden, dann hast du einen Anspruch auf entsprechende Schulungen. Dort lernst du zum Beispiel das Handling bei der Körperpflege, also wie du die pflegebedürftigen Personen wäschst und an- und ausziehst. Diese Pflegeschulungen richten sich im Umfang nach der Art der Pflege, die du leisten wirst. Die Kosten dafür werden in der Regel von den Sozialkassen, also Kranken- oder Pflegekasse übernommen.

Die rechtlichen Regelungen

Damit du im Sinne deines Angehörigen agieren kannst, lass dir am besten eine Vorsorgevollmacht ausstellen. Besonders wichtig ist das bei Demenzkranken, die nicht mehr zu jeder Zeit geistig voll leistungsfähig sind. Mit der Vollmacht kannst du Behördengänge, Mietsachen oder auch Bankgeschäfte erledigen.

Die richtige Einrichtung

Überprüfe, wie du die Wohnung an die Pflegesituation anpassen must. Welche Möbel, Teppiche usw. stören? Sind bauliche Veränderungen nötig, wie etwa ein Treppenlift, ein barrierefreies Bad oder einfache Haltegriffe an den Wänden, dann kannst du dafür am besten nach Beratung mit deiner Pflegekasse einen Antrag stellen. Lass dir außerdem von einer Fachfirma einen Kostenvoranschlag über die benötigten Leistungen machen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen überprüft dann Antrag und Angebot und bewilligt im besten Fall Zuschüsse zu diesen Maßnahmen. Das gilt auch für sehr teure Anschaffungen wie zum Beispiel ein Pflegebett.

Der richtige Pflegedienst

Pflegedienste können einen Teil der Betreuung deines Angehörigen übernehmen. Für Waschen, Anziehen, Füttern oder auch das Verabreichen von Medikamenten berechnen die Firmen dabei ganz unterschiedliche Kosten. Vergleiche die Leistungen der Dienste. Versuche im Internet oder auch durch Befragung der Sozialkassen vor Ort, vertrauenswürdige Pflegedienste zu finden. Vereinbare mit dem Dienst ein Kennenlernen mit dem Pflegebedürftigen. Das ist für das Wohlbefinden deines Angehörigen enorm wichtig, muss er sich doch voll auf die Mitarbeiter ein- und verlassen. 

Neue Pflegegrade, bessere Unterstützung

Pflege kostet Geld. Der Pflegebedürftige bekommt deshalb ein Pflegegeld von den Pflegekassen, damit er die notwendigen Pflegeleistungen bezahlen kann. Reicht das nicht aus, müssen er und unter Umständen auch Familienangehörige einen Teil der Kosten übernehmen. Außerdem springt hier noch das Sozialamt ein. Das gilt vor allem für die Pflege im Heim. Du brauchst also keine Angst zu haben, dass dich die Pflege von Mutter oder Vater finanziell zu stark belastet.

Mit dem Umstieg von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade Anfang dieses Jahres können die Pflegekassen die persönliche Situation der Betroffenen besser differenzieren. Es gibt in der Regel mehr Unterstützung und es wird mehr auf die wirklichen Fähigkeiten des Pflegebedürftigen geachtet. Früher war für den Medizinischen Dienst der Krankenkassen mehr die theoretische Krankheit oder Behinderung wichtig. Jetzt zählt, was der Einzelne tatsächlich praktisch noch kann oder eben nicht. Ein Demenzkranker etwa kann noch laufen und auch einen Herd bedienen. Wenn er aber nicht mehr weiß, was er mit dem Herd machen soll, dann braucht er Hilfe. Danach wird heute mit den Pflegegraden besser unterschieden. 

Verbesserungen auch für Angehörige

Wenn du wegen der Pflege eines Angehörigen aus deinem Beruf aussteigen musst, zahlen die Pflegekassen unter bestimmten Voraussetzungen deine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung weiter. Gleiches gilt für die Beiträge zur Rentenversicherung. Die Sozialkassen und Rentenversicherer beraten dich dazu.  

Hilfe im Krankheitsfall

Fällst du als privater Pfleger aus, weil du krank bist oder einfach mal Urlaub brauchst, dann hast du die Möglichkeit, deinen Angehörigen für bis zu 28 Tage in der Kurzzeitpflege im Heim unter zu bringen. Musst du nur am Tag mal ein paar Stunden überbrücken, dann kannst du Angehörige auch in der Tagespflege betreuen lassen. Für Demenzkranke gibt es dazu noch das Angebot einer Nachtpflege.

Fazit

Die Pflege von Angehörigen zu Hause ist ehrenvoll, aber mitunter sehr anstrengend. Teile die Arbeit und Aufgaben in der Familie auf. Hole dir von Anfang an Hilfe bei den zuständigen Pflegekassen. Diese haben die Pflicht, dich umfassend zu beraten und zu betreuen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 15. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2017, 02:10 Uhr

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