PayPal-Schutz greift nicht immer: Diese Ausnahmen sollte man kennen

13.02.2020 | 00:10 Uhr

PayPal hat das Bezahlen von Waren so aufgebaut, dass Käufer und auch Verkäufer sicher vor Kriminellen sein sollen. Das Bezahlsystem hat aber Lücken, die Betrüger nutzen.

Internetseite von Paypal mit der Lupe betrachtet. 1 min
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PayPal hat das Bezahlen von Waren so aufgebaut, dass Käufer und auch Verkäufer sicher vor Kriminellen sein sollen. Das Bezahlsystem hat aber Lücken, die Betrüger nutzen.

MDR JUMP Do 13.02.2020 10:53Uhr 01:01 min

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PayPal funktioniert wie eine Vertrauensperson in der Mitte

Vereinfacht gesagt, achtet das Unternehmen als eine Art Zwischenhändler darauf, dass beide Seiten ihrer Pflicht nachkommen und Ware und Geld wirklich ausgetauscht werden. Wer PayPal nutzen will, muss sich anmelden, einen Benutzernahmen und ein Passwort aussuchen und die Kontodaten angeben. Diese sieht die Gegenseite dann auch nicht. Bei einem Kauf überweist PayPal den Rechnungsbetrag sofort an den Händler. Die Summe wird dann innerhalb weniger Tage vom Konto oder von der Kreditkarte des Käufers abgebucht. Ist die gelieferte Ware kaputt oder kommt sie nicht an, greift der PayPal-Käuferschutz. Die Kaufsumme plus Porto wird zurücküberwiesen. Verkäufer sind ebenfalls sicher: Sie bekommen ihr Geld auch, wenn die Ware angeblich nicht beim Käufer angekommen ist und der Händler aber den Versand belegen kann. Michael Sittig von Stiftung Warentest:

Das Ganze ist für mich als Käufer auch kostenfrei. Wenn ich den Schutz nicht hätte, bliebe mir nur das Zivilrecht, also der Gang vors Gericht.

Wer über PayPal kauft, zahlt keine Gebühren. Verkäufer zahlen 35 Cent pro Transaktion und knapp 2,5 Prozent der Kaufsumme. Wird viel über PayPal abgewickelt, sinken die Gebühren deutlich.

"Geld an Freunde und Familie senden"

Dem Kollegen mal schnell das Mittagessen bezahlen und dafür das Geld per PayPal bekommen, dem Freund das Geld für das mitgekaufte Konzertticket schicken: Für solche Fälle aus dem Alltag hat PayPal die Funktion "Geld an Freunde und Familie senden" eingeführt, für die auch keine Gebühren fällig werden. Die Funktion darf laut den Geschäftsbedingungen des Unternehmens ausdrücklich nicht für das Bezahlen von Waren benutzt werden. Daher greift auch nicht der PayPal-Schutz, wenn es etwas schiefgeht. Betrüger nutzen das aus, etwa wenn sie etwas über eBay-Kleinanzeigen verkaufen. Sie bitten den Käufer, das Geld über die Freunde-Funktion zu schicken, von der Ware fehlt dann aber jede Spur. Unsere Experten sagen:

Onlinebanking am Handy
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Wenn mir jemand aus Südbaden eine DVD verkauft, ist der natürlich nicht mein Freund. Auch wenn es viele machen, um Gebühren zu sparen. Aber das kann teuer werden. Auf den PayPal-Schutz kann man sich in solchen Fällen nicht berufen.

Betrug mit gehackten Konten

Auch seriöse Verkäufer sollten Käufern außerhalb von Familie und Freundeskreis nie die kostenlose Bezahlfunktion erlauben, selbst wenn sie so Gebühren sparen. Laut Stiftung Warentest geht das dann schief, wenn Betrüger sich mit gestohlenen Passwörtern in fremde PayPal-Konten einloggen und darüber Waren bezahlen. Die werden dann gern an Packstationen versendet. Fliegt der Betrug auf, bekommt der Besitzer des gehackten PayPal-Kontos das Geld zurück. Das wird vom Konto des Verkäufers zurückgebucht. Der steht mit leeren Händen da, obwohl er den Versand belegen kann.

Versand immer nur mit Beleg

Die Ware kommt beschädigt an oder im Paket steckt anstatt der teuren Küchenmaschine eines Markenherstellers nur ein billiges Plagiat. Wer über PayPal bezahlt hat, schickt die Ware einfach zurück und beantragt Käuferschutz. So weit so einfach. Käufer sollten aber immer einen Versandweg wählen, den sie hinterher einwandfrei belegen können. Wer etwa die Ware nur im Brief oder im Päckchen ohne Nachweis zurückschickt, geht im Ernstfall leer aus. Michael Sittig:

Ich brauche einen Versandbeleg, auf dem alle Daten draufstehen. Im Idealfall mein Name, der meines Geschäftspartners und wann das geschickt wurde.

Paket
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Nur das akzeptiert PayPal dann als Beleg dafür, dass die Ware zurückgeschickt wurde. Laut Stiftung Warentest nutzen es Betrüger aus, dass Käufer diese Lücke nicht immer kennen. Dann werden beispielsweise teure Sammelkarten angeboten und nur billiger Ersatz verschickt. Wer den im Brief zurückschickt, hat auch keinen Käuferschutz. Auch Verkäufer sollten immer auf einen Versandweg setzen, für den es einen laut PayPal gültigen Nachweis gibt. Unversicherte Pakete etwa kosten weniger, hier greift der Verkäuferschutz aber nicht. Alle Infos zu den Versandbedingungen und den Belegen gibt es hier.

PayPal-Schutz gilt nicht für alle Waren

Wer ein gebrauchtes Auto oder Motorrad kauft, kann das zwar per PayPal bezahlen. Der Käuferschutz greift in solchen Fällen aber nicht. Das gilt ebenso, wenn Gutscheine, Geschenkkarten oder auch Lizenzen für digitale Inhalte verkauft werden. Das kann etwa eine Lizenz für Windows oder ein Computerspiel sein. Wer solche Lizenzen etwa günstig auf eBay kauft, kann sich nicht auf PayPal verlassen. Wer Ware persönlich übergibt oder abholt, ist von dem Bezahldienst ebenfalls nicht gegen Betrug geschützt. Dazu schreibt das Unternehmen auf MDR-Anfrage:

Bezahlt ein Käufer mit PayPal und möchte die Ware dennoch persönlich abholen, sollte dies abgelehnt werden. Denn PayPal kann dann nicht nachvollziehen, ob die Ware zugestellt wurde.

Dabei spielt auch keine Rolle, ob man etwa die Übergabe gefilmt oder einen Zeugen dabei hatte.

PayPal-Schutz bei Insolvenzen

Auch das wissen viele Käufer nicht: Der Bezahldienst springt auch in den Fällen ein, in denen ein Händler oder ein Onlineshop pleitegeht. Wird die Ware dann nicht geliefert, können Käufer den Vertrag widerrufen und bei PayPal Käuferschutz beantragen. PayPal weist übrigens darauf hin, dass dieser Schutz auch für digitale Waren gilt. Das können Flüge, Reisegutscheine oder auch Konzert-Tickets sein. Bei Pleiten von Reiseunternehmen sind also Verbraucher grundsätzlich geschützt. Sie müssen dann auch nicht darauf hoffen, dass die Versicherung einspringt. Wichtig ist aber: Der Antrag auf Käuferschutz muss innerhalb von 180 Tagen nach Vertragsschluss gestellt werden. Wer also einen Flug sehr zeitig vor der Reise gebucht hat, könnte trotzdem leer ausgehen. Für Opfer der großen Thomas-Cook-Pleite im Herbst allerdings ist der Käuferschutz leider kein Ausweg. Laut PayPal wurde die Zahlmethode auf den Thomas Cook-Seiten in Deutschland nicht angeboten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 13. Februar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 00:10 Uhr