Quicktipp Partnervermittlung im Netz: So erkennst du schwarze Schafe

Zwei verschlungene Herzen auf einer roten Taste einer Computer-Tastatur
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MDR JUMP Mi 20.12.2017 02:10Uhr 01:56 min

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Abzocke durch Partnervermittlung

Laut der „Online-Dating-Markt“-Erhebung 2015/2016 sind 12 Millionen Deutsche im Netz auf der Suche nach Liebe, Sex und Flirts. Die Sehnsucht von alleinstehenden Frauen und Männern, den richtigen Partner zu finden, hat sich für die Betreiber von Singlebörsen zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt. Wer dabei nicht abgezockt werden will, muss schon ganz genau hinschauen.

Partnervermittlungen vs. Singlebörsen

Symbolbild: Auf einem Teppich, der ein Herz zeigt, sitzen sich eine Frau und ein Mann mit Laptop gegenüber, deren Zeigefinger sich berühren
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Sogenannte „Partnervermittlungen“ wie die bekannten Anbieter „Parship“ und „Elitepartner“ bieten Verträge mit 3 bis 24 Monaten Laufzeit an. Die Portale verlangen für eine Mitgliedschaft nicht selten zwischen 50 und 80 Euro pro Monat. Zu Beginn gibt es einen längeren Fragenkatalog, den der Nutzer beantworten muss. Das Portal macht aufgrund der Antworten dann Vorschläge, welche anderen Nutzer gut passen könnten. Laut Stiftung Warentest ist hier die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Partner zu finden, größer als bei Singlebörsen. Bei denen muss der Nutzer selbst aktiv werden und ein Profil mit Fotos und persönlichen Angaben anlegen. Partnervorschläge des Portals gibt es hier nicht. Jeder Nutzer kann nach bestimmten Kriterien wie beispielsweise Wohnort, Alter oder Hobbys suchen. Einige Portale gibt es nur als App für das Smartphone. Die Anbieter sind günstiger, einige wenige werben sogar damit, kostenfrei zu sein. Ein Siegel für echte Profile und seriöse Anbieter gibt es nicht. Deshalb gibt es immer wieder Betrügereien beim Online-Dating. Vorsicht ist bei folgenden Methoden angebracht:

Masche 1: Kostenloser Test-Account

Die wohl beliebteste Methode, Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist der kostenlose Test-Account. Der Trick dahinter: Kunden wird ein Kennenlernangebot gemacht, sie haben die Möglichkeit, die Singlebörse beispielsweise drei Monate lang kostenlos zu testen. In der Regel läuft der Test-Account automatisch in eine kostenpflichtige mehrmonatige Mitgliedschaft über, wenn nicht rechtzeitig gekündigt wird. Eine Rechnung von mehreren hundert Euro ist dann keine Seltenheit. „Dies ist durchaus eine beliebte Methode der Agenturen und gehört zum Geschäftsgebaren der Online-Dating-Branche“, so Pamela Moucha vom Portal Singleboersen-vergleich.de. Die Masche lässt sich mit einem Zeitungstest-Abo vergleichen,  welches sich ebenfalls automatisch verlängert, wenn man es nicht kündigt.

In welcher Form die Kündigung erfolgen muss, steht immer in den AGB. Ist man einmal in die Falle getappt, hat man nur geringe Chancen, den Vertrag außerhalb der festgelegten Laufzeiten von in der Regel einem bis sechs Monaten zu kündigen, vor allem, wenn man die Leistung schon in Anspruch genommen hat und anderen Singles geschrieben hat. Da man für den Widerruf und die Kündigung bestimmte Fristen einhalten muss, sollte man immer eine Kopie des Kündigungs- oder Widerrufsschreibens aufbewahren und das Schreiben per Einschreiben (z.B. Einschreiben mit Rückschein) oder per Fax versenden. Dann werden auch die Profile gelöscht. Das sollte man laut Stiftung Warentest aber noch einmal genau kontrollieren.

Masche 2: Vorschuss-Betrug

Vor einer weiteren Masche warnt inzwischen auch die Polizei: Scamming, auf Deutsch Vorschuss-Betrug. Attraktive Frauen und Männer außerhalb Deutschlands schreiben potenzielle Opfer in Online-Partnerbörsen an. Ist ein Kontakt erst einmal hergestellt, werden diese mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft. Dann geben die virtuellen Partner vor, in Geldnot geraten zu sein, beispielsweise weil sie eine OP für sich oder ihr Kind bezahlen müssen. Die Schwindler bitten um Überweisungen, die per Bargeldtransfer (z.B. Western Union oder MoneyGram) getätigt werden sollen. Das Geld sieht man nie wieder. Sie versuchen es aber auch, über andere Methoden, zum Beispiel, indem sie ihre "Opfer" bitten, angeblich unverfängliche Pakete weiterzusenden. Aber Vorsicht: Ist der Inhalt illegal, muss man sich selbst vor Gericht verantworten.

Masche 3: Lockvögel (Spammer)

Inzwischen ebenfalls weit verbreitet: Fake-Profile von angeblichen Singles, die es gar nicht gibt!  Solche Anzeigen dienen vor allem dazu, ahnungslosen Partnersuchenden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Online geschieht dies oft durch geschultes und gut bezahltes Personal, das Nutzer in kostenpflichtige Bereiche lockt, in denen beispielsweise mehr Fotos zu sehen sind. In manchen Fällen versuchen Lockvögel im Auftrag von anderen kostenpflichtigen Portalen die Nutzer für ihre Auftraggeber abzuwerben und verleiten sie zu Premium-SMS-Kommunikation. So entstehen teure Plaudereien für beispielsweise 1,99 Euro pro SMS. Teilweise arbeiten die Börsen selbst mit solchen Lockvögeln und schreiben das direkt in die AGBs, erklärt Moucha. So heißt es in den AGBs bei single-jungle.net: „Es handelt es sich um einen moderierten Dienst. Die Moderation dient dazu, die Aktivitäten über das Portal und damit die Umsätze des Betreibers zu erhöhen. Dazu legen Moderatoren, die vom Betreiber beschäftigt werden, eine Vielzahl von Profilen fiktiver Personen an und geben sich als diese fiktive Person aus. Daher verbergen sich nicht hinter allen Profilen reale Personen. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei sämtlichen weiblichen Profilen um fiktive Profile handelt, die von Moderatoren betrieben werden.“ Aus Sicht einiger Portalbetreibe scheint dies legal zu sein, Verbraucher sollten bei solchen Formulieren lieber die Finger von dem Portal lassen. Auch offline können gefakte Anzeigen hinter den Annoncen stehen. Ein vom Institut geschickt geführtes Telefongespräch soll dann erreichen, "Vertreter" ins Haus schicken zu können. Das Ergebnis könnte ein Vertragsabschluss sein, den man eigentlich gar nicht wollte.

Schutz vor Betrügereien

Um sich auf der Suche nach der großen Liebe vor Betrügereien zu schützen, gibt es im Prinzip nur zwei Wege:

Fake-Profile erkennen

Fake-Profile kann jeder beim Online-Dating oft an ganz einfachen Merkmalen erkennen:

Eine junge Frau sieht sich auf einem Laptop das Bild eines jungen Mannes an
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  • Schöne Fotos: Wenn die  Menschen auf den Fotos zu schön sind, um wahr zu sein, dann ist Vorsicht geboten. Fotos sollten deshalb in die Internetbildsuche eingegeben werden, die prüft, ob das Bild von einer anderen Seite „geklaut“ wurde.
  • Kein Treffen möglich: Gibt es immer wieder Ausreden, dass ein Treffen nicht möglich sei, oder die vereinbarten Treffen werden kurzfristig abgesagt?  Versuche es mit einem Telefonat. Ist auch das nicht möglich, solltest du stutzig werden. 
  • Verweis auf andere Portale: Wenn der Flirtpartner vorschlägt, über andere Portale oder kostenpflichtige Hotlines weiter zu kommunizieren, sollte klar werden, dass es hier nicht um Liebe, sondern um Geld geht. Auch wenn das Gegenüber plötzlich seine Telefonnummer ändert, sollte man stutzig werden und prüfen, ob die Kommunikation darüber extra kostet.
  • Bitte um Geld: Das ist die Masche der digitalen Heiratsschwindler. Dabei wird schnell viel geschrieben und Seelenverwandtschaft vorgegaukelt - und plötzlich hat er oder sie kein Geld für Flug oder Visum oder ein Verwandter ist schwer krank und braucht Medikamente. Sei deshalb immer skeptisch, wenn jemand dich um eine Überweisung bittet. Das Geld siehst du in der Regel nicht wieder.

Seriöse Partnervermittlung finden

Natürlich gibt es unter den Single-Börsen nicht nur schwarze Schafe. Im Gegenteil: Viele der großen und bekannten Agenturen sind seriös. Bevor man sich irgendwo online registriert oder einen Vertrag unterschreibt, sollte man immer die AGB genau lesen und nur diejenigen Daten angeben, die wirklich erforderlich sind. Für den Anfang kann man es ruhig mit einer kostenlosen Singlebörse versuchen. Der Vorteil von kostenlosen Partnervermittlungen ist, dass sich dort besonders viele Singles eingetragen haben. Natürlich sind da nicht alle ernsthaft auf Partnersuche, sondern vielleicht sogar auf ein Abenteuer aus. Auch kostenpflichtige Anbieter können sich lohnen, da erfahrungsgemäß hier eher Menschen zu treffen sind, die ernsthaft einen Partner suchen. Eine einfache Lösung, um nicht abgezockt zu werden: Überhaupt keinen Vertrag mit einem Partnervermittlungsinstitut abschließen. Als billigere und erfolgversprechendere Variante erweist sich, selber die Initiative zu ergreifen - und beispielsweise eine Kontaktanzeige aufzugeben. Wer sich dabei des Chiffre-Dienstes bedient, muss weder die eigene Adresse noch Telefonnummer angeben.

Fazit

Wer sich einen Partner wünscht, sollte sich von Onlinebörsen und Partnervermittlungsagenturen nicht über den Tisch ziehen lassen. Es gibt zwar viele seriöse Partnervermittlungen, leider aber auch einige, die nur am Geld der Kunden interessiert sind. Zwar werben viele Portale mit kostenloser Registrierung, aber wer die Portale dann auch nutzen will, muss zahlen. Oft verwandeln sich kostenlose Abos in kostenpflichtige Abos, wenn man nicht rechtzeitig kündigt.

Auch Lockvögel sind in den Chats unterwegs, die den Single zu teuren SMS-Kontakten verleiten sollen. Besondere Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn der Kontakt wünscht, dass man ihm Geld überweist. Dabei handelt es sich in aller Regel um Fake-Profile aus dem Ausland und man sieht von seinem Geld sowie seiner vermeintlich neuen Liebe nie wieder etwas. Verträge sollten niemals in einer übereilten Aktion unterzeichnet, sondern Punkt für Punkt gelesen werden. Seriöse Unternehmen legen sämtliche Vertragsbestandteile offen, niemand „erzwingt“ die Unterschrift. Die Einräumung einer Bedenkzeit sollte selbstverständlich sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 20. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2017, 02:10 Uhr