Quicktipp: Mobilfunk im Ausland Neue Roaming-Regeln

Endlich könnt ihr aus dem EU-Ausland mit dem Handy nach Hause telefonieren, Schnappschüsse verschicken und am Strand im Web surfen, soviel ihr wollt. Aber Vorsicht: In ein paar Fällen kann es dennoch teuer werden.

Eine junge Frau im Badeanzug telefoniert am Ufer eines Sees. 2 min
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MDR JUMP Mo 03.07.2017 02:10Uhr 01:46 min

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Urlaub ohne Sorgen vor überzogenen Telefongebühren. Endlich könnt ihr unbeschwert aus dem EU-Ausland mit dem Handy nach Hause telefonieren, die schönsten Schnappschüsse schicken und am spanischen Strand im Web chatten und surfen wie ihr wollt. Konkret heißt das: Ihr könnt kräftig sparen beim Anruf aus dem Urlaub. In ein paar Fällen kann es aber dennoch teuer werden.

Möglich macht das seit 15. Juni die zweite Phase der EU-Regulierung für Aufschläge zur Mobilfunknutzung aus dem Ausland, kurz Roaming-Gebühren-Regelung. Die besagt, dass die Anbieter kein Extra-Geld mehr für Telefonieren, SMS und mobilen-Webzugang bei Nutzung eures Vertrages im europäischen Ausland verlangen dürfen. Wann immer ihr also euer Handy im EU-Ausland nutzt, entstehen dabei die gleichen Kosten wie zu Hause.

Und das gilt wo?

Die EU-Verordnung ist gültig in den Mitgliedsstaaten der EU, außerdem in Norwegen, Lichtenstein und Island. Und hier lauert auch schon die erste Falle: Wenn ihr eben mal einen Abstecher in die Schweiz macht, bitte erinnert euch, die Schweiz ist neutral und gehört somit nicht zur EU. Auch ein beliebtes Reiseland wie die Türkei ist außen vor. Dort gelten also beim Anruf nach Hause weiterhin die teuren Regelungen. Für Großbritannien gilt die neue Regelung noch, bis die Briten ihren Brexit endgültig geschafft haben. Diesen Sommer dürfte da nix passieren, weshalb ihr preiswert von der Insel auf das Festland telefonieren könnt. Kleiner Quicktipp: Wenn ihr doch ins Nicht-EU-Ausland reist, dann vergleicht die Preise der Anbieter für eine einfache Prepaid-Karte. Oder fragt beim Anbieter nach: Manche haben zum Beispiel für die Türkei  eine Erweiterung der Roaming–Regeln im Programm. 

Nur eine Einbahnstraße

Größter Stolperstein: Diese Regelung gilt nicht in beide Richtungen. Sie betrifft nur die Handynutzung vom Ausland nach Hause. Ihr telefoniert also mit eurem deutschen Handyvertrag von Spanien nach Deutschland seit 15.Juni preiswert zum Normaltarif. Von Deutschland nach Spanien berechnet euch euer Anbieter aber ein teures Auslandsgespräch, wenn euer Vertrag nicht ausdrücklich was anderes sagt. Das kritisiert Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen:  “Eigentlich müsste die Überschrift ja heißen: „Keine Roaming Regeln mehr“! Alle telefonieren zum Inlandstarif des jeweiligen Anbieters in ganz Europa. Das wäre ein offener und transparenter Binnenmarkt aber soweit reicht diese neue Regelung noch nicht.“

Was müsst ihr tun?

Rein theoretisch nichts. Die neue Roaming-Regel wird einfach auf euren aktuellen Vertrag angepasst und ihr könnt im Urlaub loslegen. Theoretisch. In der Praxis versuchen die Anbieter, die entgangenen Einnahmen wieder reinzubekommen. Altverträge könnten von eurem Anbieter angepasst werden. In diesem Fall hättet ihr aber ein Sonderkündigungsrecht. „Wenn Sie vor dem Urlaub aber nochmal in Ihren Vertrag schauen und auch das Kleingedruckte lesen, sind Sie auf der sicheren Seite“, rät unser Experte. Unter Umständen beinhaltet euer aktueller Vertag ein Auslandspaket, das ihr jetzt nicht mehr braucht. Oder ihr habt einen Tarif, der kein Roaming erlaubt oder vielleicht eine Obergrenze für die Nutzung aus dem Ausland beinhaltet. Im Zweifel fragt lieber bei eurem Anbieter nach, was euer Vertrag konkret für die Nutzung im Ausland bedeutet. Bei Neuverträgen könnten euch die Anbieter gleich neue Regeln überhelfen. Möglich sind eine Begrenzung der Gesprächsdauer, ein begrenztes Surfvolumen, das sich von der Nutzung in Deutschland unterscheidet und auch eine Begrenzung der SMS, die ihr aus dem Ausland senden dürft.        

Was zu viel ist ...

Bei den meisten Anbietern könnt ihr nun maximal vier Monate pro Jahr aus dem Ausland zu Ihrem Normaltarif das Handy nutzen. Diese Begrenzung schützt die Anbieter davor, dass ihr euch im Ausland einen sehr preiswerten Vertrag besorgt und damit dauerhaft in Deutschland telefoniert. Diese sogenannte Fair-Use-Grenze ist nicht genau definiert, die genannten vier Monate sind aber die Regel. Nutzt ihr die Sim-Karte dennoch dauerhaft im Ausland, kann euer Anbieter von euch einen Preisaufschlag verlangen. Auch Datenvolumen fürs Surfen, Anzahl der SMS und Gesprächsminuten können so begrenzt sein, dass irgendwann Zusatzgebühren fällig werden.

Stellt das Gerät richtig ein

Lasst im Urlaub euer Handy nicht alleine agieren. Stellt lieber alle automatischen Aktualisierungen von Apps, Nachrichtendiensten usw. aus. Auch eine Navigationssoftware greift in vielen Fällen auf euer Datenvolumen zu. Zum Surfen nutzt lieber das W-Lan eures Hotels.

Vorsicht EU-Außengrenzen

An Grenzen zu Nicht-EU-Ländern stellt ihr die Netzsuche eures Handys von automatisch auf manuell um. Sonst könnte sich das Handy schnell in ein fremdes Netz einwählen und es wird teuer für euch. Das gilt vor allem in Mitteleuropa an den Grenzen zur Schweiz.

Vorsicht Kreuzfahrtschiff

Schiffe nutzen häufig speziell eingerichtete Bordfunknetze. Hier und übrigens auch im Flugzeug gelten die EU-Verordnungen nicht. So kann der Anruf nach Hause schnell mal bis zu zehn Euro pro Minute kosten. Fragt beim Einchecken nach den Konditionen. Und schaltet auch hier alle automatischen Funktionen eures Handys auf manuell um.

Eingebaute Sicherung

Unendlich teuer kann es für euch jedoch nicht werden. Durch eine EU-Regelung sind die Mobilfunkanbieter verpflichtet, euch zu benachrichtigen, wenn ihr durch Roaming Kosten von 50 Euro produziert haben. Bei 60 Euro werden sämtliche Verbindungen automatisch getrennt, es sei denn, ihr akzeptiert die hohen Kosten und macht weiter. Mit eurem Anbieter könnt ihr diese Sperre aufheben und höhere oder niedrigere Grenzwerte vereinbaren.

 Wenn ihr gar nicht ins Ausland wollt

Dann könnt ihr bei einzelnen Anbietern auch einen rein nationalen Vertrag abschließen, der im Ausland wirklich überhaupt nicht funktioniert. Vorteil: So ein Vertrag ist sehr preiswert!

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 03.07.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2017, 02:10 Uhr