Quicktipp Nachbarschaftsstreit vermeiden

13.02.2018 | 09:20 Uhr

Streitgründe

Wohnen ist in Deutschland teuer. Egal, ob eigenes Haus, Eigentumswohnung oder Mietwohnung, bis zu 30 Prozent des monatlichen Einkommens geben wir fürs Wohnen aus. Dafür wollen wir dann aber auch unsere Ruhe und Entspannung. Anders als in südlichen Ländern, wo Gäste oft und spontan willkommen sind, igelt sich der Deutsche gerne in seiner Ruheoase ein, genießt seinen Balkon oder seinen Garten. Da stören dann Lärm, Gestank, Müll, Kindergeschrei, Haustiere oder gar zu lauter Sex der Nachbarn besonders.

Nachbarschaftsstreit
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Genau in dieser Reihenfolge fühlen wir uns im Übrigen am meisten belästigt. Anders als im Strafrecht, wo Gerichte kleine Fälle als Bagatellfälle ablehnen können, müssen sich Richter im Zivilrecht auch mit Kleinigkeiten wie anstößigen Gartenzwergen des Nachbars abgeben. Über zwanzig Millionen Deutsche haben eine Rechtsschutzversicherung, die zahlt ja im Zweifel, denken viele. Dabei gibt es bessere Möglichkeiten, Ärger und Streit auszuräumen.

Reden statt Klagen

Nicht jeder neue Mieter oder Gartennachbar ist mit den Vorschriften und Gepflogenheiten in der Nachbarschaft vertraut. Oft ist es gar keine böse Absicht, wenn Abstände zu Zäunen oder Mauern, Ruhezeiten, Anzahl der Grillfeten oder ähnliches nicht eingehalten werden. Ärgere dich sich in solchen Fällen nicht lange, sondern suche das Gespräch. Informiere dich vorher über die konkrete Rechtslage. Weise den Nachbarn auf deine Bedürfnisse hin und versuche eine Lösung zu finden. Sollte das nicht klappen, bleibe im Gespräch. Lass einen Konflikt nicht eskalieren. Denke immer daran, dein Nachbar möchte im Prinzip genau so friedlich leben wie du. Geht gemeinsam zu einem Mediator, Vermittler oder Friedensrichter. Schiedsstellen gibt es in fast jeder Gemeinde. Ein Verfahren dort ist wesentlich kostengünstiger als bei Gericht. Erst, wenn sich gar nichts bewegt, solltest du den Gang zum Gericht erwägen. Ein Prozess kostet immer Zeit, Nerven und Geld.

Die häufigsten Streitpunkte

Lärm

Egal, ob du durch Rasenmähen, zu laute Musik oder Partylärm gestört werden, grundsätzlich gilt in Wohngegenden eine Ruhezeit zwischen 20.00 Uhr abends und 7.00 Uhr morgens. An Sonn- und Feiertagen müssen lautstarke Geräte durchweg schweigen. In manchen Gemeinden gilt zudem eine Mittagsruhe von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Das ist aber individuell geregelt. Die Party darf also höchstens bis 22.00 Uhr voller Inbrunst gefeiert werden. Danach muss es so leise sein, dass die Nachbarn sich in ihren Wänden nicht mehr gestört fühlen.

Gestank und Müll

Nicht jeder liebt den Geruch von glühender Holzkohle. Eine zünftige Grillparty kannst du dennoch feiern. Manche Gerichtsurteile erlauben bis zu 12 solcher Partys im Jahr, andere bis zu 25 Grillabende. Wichtig dabei ist, dass du deine Nachbarn gut 48 Stunden vorher informierst. Rauchen in Mietwohnungen und auf dem Balkon kann dir niemand verbieten, solange es im normalen Rahmen bleibt. Gestank durch einen Komposthaufen an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn muss der Nachbar akzeptieren, solange sich durch diesen Gestank keine Tiere wie Ratten oder Mäuse angezogen fühlen. Auch den Gestank aus Kamin und Kachelofen müssen Nachbarn ertragen. Wenn allerdings der Qualm aus dem Schornstein die Wäsche auf der Leine verschmutzt, dann musst du das nicht akzeptieren.

Kindergeschrei

Lachen, Toben und auch mal Schreien von Kindern können Nachbarn nicht verbieten. Auch zu Ruhezeiten, also nachts zum Beispiel, kann ein Kind mal weinen oder schreien. Wichtig ist, dass es im Rahmen bleibt. Permanentes Getrampel aus der Wohnung obendrüber oder fortwährend lautes Geschrei müssen Nachbarn nicht akzeptieren. So mussten deswegen schon Kitas oder auch Tagesmütter die Kinderbetreuung in Wohngebieten beenden.

Haustiere

Hund
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Mietverträge regeln im Normalfall, ob Haustiere erlaubt sind. Begibt sich die Katze auf Tour durch den Nachbargarten, so muss das akzeptiert werden. Katzen sind natürlicherweise Streuner. Alle anderen Tiere musst du nicht dulden - auch nicht deren Hinterlassenschaften. Auch gefährliche und giftige Tiere musst du nicht automatisch in der unmittelbaren Nachbarschaft dulden. Will der Nachbar sich etwa eine Würge- oder Giftschlange anschaffen, so muss er das mit dem Vermieter abstimmen und die Gefahrtierverordnung seines Bundeslandes beachten. Dort wird so etwas geregelt. Hundegebell musst du zusammengerechnet höchstens eine halbe Stunde am Tag ertragen. Dauerhaftes Bellen von über zehn Minuten musst du ebenfalls nicht hinnehmen. Und während der den oben genannten Ruhezeiten haben Hundebesitzer dafür zu sorgen, dass die Tiere ruhig sind.

Nachbars Garten

Herüberhängende Äste von Nachbars Bäumen und Büschen darfst du nicht einfach entfernen. Das geht nur dann, wenn die Äste dich konkret behindern, zum Beispiel in der Einfahrt. Zunächst musst du aber dem Nachbarn die Chance einräumen, die Äste selber zu verschneiden. Kommt er dem nicht in einer angemessenen Frist nach, darfst du selber ran, dabei das Nachbargrundstück aber nicht betreten. Früchte, die über den Zaun in ihren Garten hängen, darfst du nicht abnehmen, auch den Baum nicht schütteln.

Erst, wenn die Früchte runterfallen und auf deinem Grundstück liegen, gehören sie dir. Ist der Nachbargarten verwildert, kannst du nichts dagegen unternehmen. Auch nicht, wenn er mit deiner Meinung nach unpassenden Zwergen, Tieren oder anderen Verzierungen bestückt ist. Wenn der Garten allerdings durch seinen Zustand Schädlinge wie Ratten usw. anlockt, kannst du dagegen vorgehen. Abstände und Größen von Bepflanzungen, Zäunen usw. sind in den Bundesländern individuell geregelt, manchmal sogar von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Das Laub von Nachbars Bäumen musst du aus deinem eigenen Garten selbst entfernen und darfst es nicht über den Zaun schmeißen.

Fazit

Bevor ein Nachbarschaftskonflikt eskaliert, redet miteinander. Geh auf deine Nachbarn zu und erkläre ihnen dein Problem. Komme dem Nachbarn nicht sofort mit Gesetzestexten und Anwaltsdrohungen. Das verstärkt oft nur den Streit. Kommt ihr zu zweit nicht klar, suchen die Lösung bei einer Schiedsstelle oder einem Friedensrichter. Erst wenn gar nichts mehr hilft, solltest du rechtliche Mittel einlegen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 13. Februar 2018 | 09:20 Uhr