Schnell Abnehmen mit Formuladiät, Kapseln & Co. – funktioniert das?

04.02.2020 | 00:10 Uhr

Das Angebot an Präparaten zur Gewichtsreduktion ist riesig, die Erfolgsversprechen meist auch. Aber wie genau wirken die Mittel? Und können sie gefahrlos eingenommen werden, oder drohen Nebenwirkungen?

In Deutschland gilt als übergewichtig, wer einen Body-Mass-Index von über 25 hat. Weil das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen mit dem Übergewicht steigt und weil sich viele mit zu vielen Pfunden weder schön noch wohl fühlen, greifen sie zu Präparaten, die das Abnehmen leicht machen sollen.

Abnehmen mit Nahrungsergänzungsmitteln und diätetische Lebensmitteln

Formula-Diäten
Formula-Diät steht als Sammelbezeichnung für mit Wasser oder Milch anzurührende Getränkepulver oder Riegel, die als alleinige Kost komplette Mahlzeiten ersetzen sollen. Sie enthalten viel Eiweiß sowie die gesetzlich vorgeschriebenen Mengen der wichtigsten Nährstoffe pro Tag und es gibt sie in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Bandmaß um einen Diätdrink
Bildrechte: imago images / imagebroker/begsteiger

Ersetzt man komplette Mahlzeiten mit diesen Produkten, sollten sie nicht länger als drei Wochen genommen werden. Das muss auf ihren Verpackungen dann auch vermerkt sein. Beim Kauf dieser Produkte ist auf den Zuckergehalt zu achten, denn viele Formula-Diäten überschreiten den von der WHO pro Tag empfohlenen Zuckerwert um ein Vielfaches. Kritisiert werden auch immer wieder Inhaltsstoffe wie überflüssige Zusätze, gentechnisch verändertes Soja oder künstliche Süßstoffe und überzogene Werbeversprechen zur Wirksamkeit.

Appetitbremser
Dabei handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel, die Mate- oder Guarana-Auszüge enthalten und den Hunger dämpfen. Gleichzeitig wirken sie leicht entwässernd und anregend. Da sie als Nahrungsergänzungsmittel gelten, müssen die Hersteller und Inverkehrbringer keine Wirkstudien vorlegen, dürfen aber auch nicht irreführend werben.

Sättigungskapseln
Diese Kapseln enthalten meist pflanzliche Quellstoffe. In Verbindung mit der Magenflüssigkeit quellen die Kapseln, füllen den Magen und dem Körper wird ein Sättigungsgefühl vermittelt, ohne Nahrung aufgenommen zu haben. Als Quellstoffe werden häufig Flohsamen oder Glucomannan aus der asiatischen Konjakwurzel eingesetzt. Wer bei der Einnahme von Sättigungskapseln nicht genug Flüssigkeit zu sich nimmt, riskiert Verdauungsprobleme, Verstopfungen und Darmverschluss. Werden die Kapseln abgesetzt, besteht die Gefahr, dass aufgrund der Gewöhnung umso mehr gegessen wird.

Abnehmen mit rezeptfreien Mittel und Medizinprodukten

Medikamente liegen in einem Regal
Bildrechte: dpa

Die Stiftung Warentest hat für das Heft 01/2020 rezeptfreie und rezeptpflichtige Präparate zum Abnehmen bewertet, die in Apotheken häufig verkauft werden. Sogenannte Fett- und Kohlenhydratblocker zum Abnehmen werden als Medizinprodukte eingestuft. Sie enthalten Faserkomplexe mit Vitaminen, Chitosan und Litramine, die das Aufnehmen von Nahrungsfett aus dem Darm minimieren sollen. Relativ neu sind Produkte, die bei der Verdauung die Arbeit eines Enzyms behindern, das notwendig ist, um Kohlenhydrate (z.B. aus Nudeln oder Brot) zu spalten. Das gilt allerdings nicht für alle Kohlenhydrate. Zucker bleibt von der Arbeit des Enzyms unberührt. Unverdaute Kohlenhydrate werden dann von Darmbakterien abgebaut, unter Umständen in Begleitung von Blähungen und Durchfällen.

Die in Apotheken häufig gekauften Fettbinder und Kohlenhydratblocker zum Abnehmen mit Chitosan, Konjakfasern, Litraminen und Glykoproteinkomplexen bewertet die Stiftung Warentest als "wenig geeignet" um das Gewicht zu verringern. Bisher sind nur geringfügige Erfolge zu verzeichnen, die Studienlage sagt nichts über langfristige Ergebnisse. Als Motivationshilfe seien die Mittel aber geeignet, so Warentest.

Abnehmen mit der HCG-Diät

Das humane Choriongonadotropin (HCG) ist ein Hormon, dem unter anderem zugeschrieben wird, Fettreserven an Hüften und Oberschenkeln abzubauen. Außerdem soll es das Hungergefühl unterdrücken. Ein Nebeneffekt, der normalerweise bei Schwangeren zum Tragen kommen kann, denn das Hormon wird innerhalb einer Schwangerschaft gebildet und ist für deren Fortbestand enorm wichtig. Für Schwangere gibt es das Hormon auch deshalb als verschreibungspflichtiges Arzneimittel.

Für die Gewichtsreduktion ist es allerdings nicht zugelassen – auch wenn es im Internet angeboten wird. HCG-Schlankheitsmittel sind illegal, und nicht nur deshalb warnen Mediziner vor einer Diät mit HCG-Unterstützung. Denn bei der Diät mit HCG wird die tägliche Nahrungsmenge auf bedenkliche 500 Kilokalorien reduziert und HCG als Tropfen, Tablette oder Spray oral eingenommen oder gespritzt. Abnehmen tut man auf jeden Fall schon durch die geringe Kalorienzufuhr. Inwieweit das HCG einen Einfluss hat, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Gefahr droht allerdings durch einen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen während der drei- bis vierwöchigen Diätzeit. Außerdem können Stoffwechsel- und Herzrhythmusstörungen und Nierensteine als Folge auftreten.

Abnehmen mit verschreibungspflichtigen Präparaten

Eine Sprechstundengehilfin übergibt einer Patientin ein Rezept.
Bildrechte: dpa

In diesem Bereich sind aktuell vier Stoffe gegen starkes Übergewicht zugelassen, Appetitzügler mit Amphetaminen, Orlistat, Liraglutid und Semaglutid. Präparate mit Amphetaminen wirken aufputschend und ihr Wirkstoff hemmt das Hungerzentrum im Gehirn. Das Gewicht lässt sich allerdings nur kurzzeitig verringern. Die Gefahr besteht hier aber in den möglichen, teils erheblichen Nebenwirkungen wie Abhängigkeit, Herzrasen, Unruhe, Schwindel, Schlafstörungen und Ähnliches. Stiftung Warentest rät von diesen Mitteln ab und hält sie für "wenig geeignet", um Gewicht zu verlieren.

Orlistat, ein Fettblocker, ist das vierte, zugelassene Mittel gegen Übergewicht. Der Wirkstoff befördert eine geringere Aufnahme von Fettbestandteilen aus der Nahrung durch den Körper und deren Ausscheidung. Die Gewichtsabnahme wird als überschaubar eingeschätzt. Als Nebenwirkungen können Allergien, Magenkrämpfe, Stuhlinkontinenz und Bauchspeicheldrüsenentzündungen auftreten. Auch besteht bei längerer Einnahme die Gefahr eines Vitaminmangels, da fettlösliche Vitamine nicht mehr richtig aufgenommen und transportiert werden können. In geringerer Dosierung gibt es Orlistat rezeptfrei in Kapselform. Die Stiftung Warentest bescheinigt dem Mittel einen "gewissen Abnehm-Erfolg". Orlistat in höherer Dosierung ist rezeptpflichtig und nur zum Einsatz bei deutlich Übergewichtigen gedacht. Hier wird dem Mittel im Heft Test 01/2020 eine Eignung mit Einschränkung attestiert. Die in Studien festgestellte Gewichtsabnahme liegt etwas über der durch eine Diät erreichbare. Die Einnahme sollte ärztlich kontrolliert werden. Die dauerhafte Abnahme durch Orlistat ist bisher nicht belegt.

Spritze
Bildrechte: imago/Panthermedia

2009 wurde Liraglutid als Arzneistoff zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen und steht seit 2016 als Abnehm-Arzneimittel für Menschen mit einem BMI ab 30 zur Verfügung. Der Wirkstoff ähnelt einem körpereigenen Darmhormon und imitiert dessen Effekte. Das Mittel zügelt den Appetit und erzeugt ein Sättigungsgefühl. Deshalb wird es auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Liraglutid wird als Spritze verabreicht und sollte laut Zulassung nach einem Jahr Einnahme wieder abgesetzt werden. In Studien traten Durchfälle, Übelkeit, Nierenprobleme, beschleunigter Herzschlag und allergische Reaktionen als Nebenwirkungen auf. Auch unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind bekannt. Stiftung Warentest bewertet Liraglutid als "mit Einschränkung geeignet", es kann beim Abnehmen helfen. Erfolge sollten nach drei Monaten geprüft werden.

Dem Liraglutid sehr ähnlich, seit 2018 und damit relativ neu auf dem Markt, ist Semaglutid, ebenfalls ein Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Die Wirkungsweise entspricht in weiten Teilen der von Liraglutid. In einer ersten Studie konnten Teilnehmer ihr Gewicht innerhalb eines Jahres um bis zu 14 Prozent reduzieren. Da die Studienlage bisher unzureichend ist, darf das Mittel bislang nicht zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Bisher bekannte Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, welche nach einigen Tagen wieder vergehen.

Empfohlen wird, Medikamente zur Gewichtsreduktion erst dann einzusetzen, wenn Sport, Ernährungsumstellung und verhaltenstherapeutische Unterstützung nicht erfolgreich sind und der BMI über 30 liegt, bei zusätzlichen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck schon ab einem BMI von 27 bis 28.

Kosten und Erstattung

Bisher erkennen Krankenkassen Mittel zur Gewichtsreduktion bis zu einem BMI von 30 nicht als notwendig an. Werden dann zum Beispiel Diabetes-Medikamente einem Nicht-Diabetiker zum Abnehmen verschrieben, muss er für die Kosten selbst aufkommen. Liraglutid zum Beispiel, das gespritzt wird, schlägt mit ca. 290 Euro monatlich zu Buche, Orlistat, das dreimal täglich geschluckt wird, je nach Dosierung und Packungsgröße mit 70 bis 120 Euro.

Kauf im Internet und an der Haustür

Viele Diät- und Abnehmwillige besorgen sich ihre Mittel und Präparate im Internet. Das birgt zusätzliche Risiken. Die Präparate können gefälscht sein, ihre Herstellung wird unter Umständen weder kontrolliert noch überwacht, das heißt, es gibt auch keine Sicherheit, was Inhaltsstoffe und deren Wirksamkeit oder auch Toxizität angeht. Auch von Haustürgeschäften und Angeboten von Bekannten sollte man die Finger lassen, denn oft wird so versucht, Produkte zu verkaufen, die in Deutschland nicht verkehrsfähig sind. Beim Kauf von Abnehmmitteln sollte man immer darauf achten, dass es eine deutsche Zutatenliste gibt und die rechtlich notwendigen Angaben zu Hersteller und Vertreiber aufgeführt sind.

Fazit

Schlankheitsmittel mögen helfen, Anfangserfolge zu erzielen und die Motivation zu wecken. Aber egal, ob Nahrungsergänzungsmittel, Diät-Lebensmittel, Medizinprodukte oder Medikamente – an einer langanhaltenden Wirkung der Präparate zur Gewichtsreduktion darf mit Recht gezweifelt werden. Im ungünstigsten Fall schaden sie sogar der Gesundheit. Und fest steht: Wer gewichtsreduzierende Mittel nimmt und nach einer gewissen Zeit wieder absetzt, nimmt auch wieder zu. Dem berühmten Jojo-Effekt entkommt nur, wer seine Gewohnheiten ändert, also die Ernährung dauerhaft umstellt und sich ausreichend bewegt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. Februar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2020, 00:10 Uhr

Ein Angebot von

Aktuelle Themen von MDR JUMP

Mehr Quicktipps