Umschau-Quicktipp So holst du mehr aus der Steuererklärung raus

08.03.2018 | 02:10 Uhr

Bis zu 900 Euro aus der Steuererklärung rausholen? Selbst wenn du fest angestellt bist und eigentlich keine Erklärung machen müsstest? Verschenke kein Geld! Wie du durch neue Pauschalen und Freibeträge und  mit wenig Aufwand Geld vom Finanzamt zurückbekommst, erfährst du jetzt.

Eine Steuererklärung macht Sinn

Als festangestellter Arbeitnehmer kannst du dich theoretisch ganz auf deinen Arbeitgeber verlassen. Der führt alle notwendigen Leistungen von deinem Bruttogehalt direkt ab. Für dich ist damit eigentlich alles erledigt. In vielen Fällen verschenkst du so aber teilweise richtig viel Geld. Nach aktuellen Berechnungen sind es durchschnittlich rund 900 Euro. Eine freiwillige Steuererklärung kann sich für dich also lohnen. Dazu der Leipziger Steuerberater Gunar Meisel: „Schon wenn Sie mehr als 15 Kilometer Arbeitsweg haben oder viel Geld für eine nötige Brille oder Zahnersatz ausgegeben mussten, kommen Sie über bestimmte Pauschalen. Da lohnt es sich auf jeden Fall, eine Erklärung abzugeben.“

Berufsbedingte Ausgaben und Werbungskosten

Darunter zählen alle Ausgaben, die du im Zusammenhang mit deinem Beruf hast, wie zum Beispiel Fahrtkosten, Arbeitssachen. Bei Berufstätigen geht das Finanzamt schon mal vorab von 1000 Euro diesbezüglichen Kosten aus und setzt diesen Betrag als Pauschbetrag bei der Steuerberechnung an. Allerdings kannst du auch ein Mehr ansetzen, nämlich dann wenn du zum Beispiel einen Arbeitsweg von mehr als den genannten 15 Kilometern und eine 5 Tage Woche haben. Da kommst du mit der Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer schon auf 1035 Euro. Dabei ist es übrigens egal, ob du mit Auto, Bahn oder Bus zur Arbeit fahren. „Es gilt allerdings immer nur eine Strecke pro Tag. Anders ist das bei Dienstreisen, da können Sie hin und Rückreise anrechnen und natürlich Pauschalen für Verpflegung und Unterbringung“, rät Steuerexperte Meisel. Auch die Kosten für eine Weiterbildung solltest du angeben.

Das Arbeitszimmer

Arbeitest du teilweise zu Hause, kannst du bis zu 1250 Euro pro Jahr für dein Arbeitszimmer absetzen. Teilen sich Ehepartner diesen Raum, können beide jeweils diesen Betrag ansetzen. Hebe also alle Rechnungen für Heizung, Renovierung oder Ähnliches auf. Für Büromittel wie Computer, Papier oder Druckerpatronen kannst du dieses Jahr maximal 487,90 Euro ansetzen. War der Computer teurer, wird er über mehrere Jahre abgeschrieben. Achtung: ab nächstem Jahr steigt die Abschreibungsgrenze für Arbeitstechnik auf 952 Euro. Ein Computerkauf in diesem Jahr kann sich also für die Steuererklärung 2018 lohnen.

Handwerkerkosten

Arbeiten Handwerker in deiner Wohnung oder an deinem Haus, oder du hast Hausmeisterkosten anteilig in der Warmmiete zu zahlen, dann kannst du 20 Prozent der Kosten von der Steuer absetzen. Du brauchst dafür aber eine Rechnung beziehungsweise eine Bescheinigung von deiner Hausverwaltung/deinem Vermieter und einen Überweisungsbeleg für diese Kosten. Bezahle also nie bar, du hättest so keinen Nachweis. Auch Kosten für Gärtner, Putzkräfte, Babysitter und andere sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen kannst du so absetzen.

Bei Umzug mehr Geld

Bist du im vergangenen Jahr für Ihren Job umgezogen, kannst du dafür 764 Euro Kosten geltend machen, als Ehepaar das Doppelte. „Dafür ist aber wichtig, dass Sie wirklich näher zum Arbeitsplatz gezogen sind. Bei einem Umzug von Berlin nach Dresden, ist das sicher nicht die Frage, aber zum Beispiel innerhalb von Leipzig, müssen Sie schon Ihren Arbeitsweg klar verkürzen, damit Sie so einen Umzug geltend machen können“, so unser Experte Gunar Meisel.

Familiäre Ausgaben

Hast du Kinder unter 18 Jahren, die noch bei dir wohnen, dann profitierst du vom Kinder- und Betreuungsfreibetrag. Der Kinderfreibetrag ist für 2017 auf 4716 Euro gestiegen. Es kommt aber darauf an, wieviel du verdienst oder ob du auch noch Kindergeld bekommst. Danach richtet sich, ob der Kinderfreibetrag bei dir voll oder nur teilweise angerechnet wird. Das übernimmt aber das Finanzamt für dich. Für die Betreuung deines Kindes, ob Kita, Tagesmutti oder Hort, kannst du einen Betrag von 2260 Euro anrechnen. Solltest du Schulgeld für das Kind zahlen, kannst du auch das innerhalb der Steuererklärung ansetzen.

Außergewöhnliche Belastungen

Die kommen laut Paragraph 33 des Einkommenssteuergesetzes durch außergewöhnliche Lebensumstände zustande. Klingt kompliziert, bedeutet aber zum Beispiel: Du musst viel Geld für eine notwendige neue Brille bezahlen, dich an OP–Kosten beteiligen oder brauchst teuren Zahnersatz, den die Krankenkasse nur zum Teil übernimmt. „Hier gibt es Pauschalen, wieviel Ihnen je nach Einkommen selbst zuzumuten ist. Bei gut 15.000 Euro Jahreseinkommen, müssen Sie zum Beispiel gut 770 Euro für solche Ausgaben selber aufbringen“, so Steuerberater Meisel. Die Höhe der Pauschale richtet sich nach deinen Lebensumständen und Einkommen. Hier kannst du das berechnen. Kosten für Wellness und Schönheits-OP´s kannst du nicht anrechnen, Zuzahlungen zu Medikamenten, Physiotherapie, Rollstühle usw. hingegen schon. Hebe die Kassenzettel beziehungsweise Rechnungen dafür gut auf. Auch Verluste durch Hochwasser oder Sturmschäden stellen außergewöhnliche Belastungen dar, sie können ebenfalls angesetzt werden

Und dann wären da noch...

Aufwendungen für Spenden, Kirchensteuer oder Zuzahlungen zur privaten Altersvorsorge kannst du ebenfalls absetzen. Mehr als 20 Prozent von deinem Jahreseinkommen sollten es allerdings nicht sein.

Selber machen ist kein Problem, aber:

Auf einem aufgeschlagenem Dokumentenordner ist ein Stift und eine Brille abgelegt.
Bildrechte: Colourbox.de

Wenn du über ein halbwegs passables Bürowissen verfügst, also ein Formular gut ausfüllen und ein bisschen rechnen kannst, dann ist eine Steuererklärung kein Problem. Auch eine entsprechend aktuelle Software gibt es jedes Jahr für 20 bis 30 Euro zu kaufen. Es kommt dabei aber immer auf deine persönlichen Verhältnisse an. Bist du angestellt, verheiratet und  hast noch Kinder die zu Hause wohnen und unter 18 sind, dann kannst du die Erklärung selbst machen. Schwieriger wird es da schon, wenn deine Kinder über 18 Jahre alt sind und immer noch teilweise zu Hause wohnen. Schon dieser geänderte Sachverhalt kann eine Steuererklärung so kompliziert machen, dass du lieber einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein konsultieren solltest. Auch mit den Ausgaben für diese Fachleute lohnt es sich in den allermeisten Fällen, eine Steuererklärung abzugeben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 08. März 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 02:10 Uhr