Quicktipp: Ernährung Küchenkräuter selber ziehen

Ein Blättchen Basilikum auf die Tomate, ein Stängel Pfefferminze in den Tee und ein bisschen Rosmarin für die Ofenkartoffel – und das alles direkt vom eigenen Balkon. Klingt lecker, aber zu aufwändig? Stimmt nicht, denn frische Kräuter brauchen nicht viel Platz und wenig Pflege. Mit einigen Tricks kann jeder im eigenen kleinen Kräutergarten ernten.

Selber säen oder einpflanzen?

Diese Entscheidung hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit man aufbringen möchte. Bevor aus dem Samen eine Kräuterpflanze wird, die man für die Küche verwenden kann, vergehen mehrere Wochen und zwischendurch müssen die Pflänzchen mehrfach umgesetzt werden. Große Pflanzen zum sofortigen Einpflanzen und Ernten gibt es in jedem Bau- und Gartenmarkt. Töpfe aus dem Gemüseregal im Supermarkt sind nur bedingt geeignet: "Diese Pflanzen sind für den Freiraum einfach nicht abgehärtet. Ratsam ist es, vorgetriebene Kräuter aus der Region zu holen", rät der Gartenexperte Dirk Radzanowski.

Der ideale Standort

Generell ist ein Balkon mit Südausrichtung für Kräuter besser geeignet als zu schattige Plätzchen, denn die meisten Pflanzen lieben Halbschatten oder Sonne.

Wer sich unsicher ist, wo welches Kraut am besten gedeiht, für den hat Dirk Radzanowski folgende Tipps: "Generell macht man mit Halbschatten nichts falsch. Und man kann sich nach den Blättern der Pflanzen richten: Sind die eher weichblättrig, dann vertragen sie die Sonne nicht so gut und sind schattig besser aufgehoben. Wenn die Blätter eher derb oder auch glänzend sind, dann haben sie eine Art Wachsschicht, die sie vor der Sonne schützt." Daher vertragen zum Beispiel Rosmarin, Thymian und Lavendel einen sonnigen Standort besonders gut.

Auf gute Nachbarschaft: Kräuter nebeneinander pflanzen

Pfefferminze
Pfefferminze verträgt sich nicht gut mit Kamille. Bildrechte: colourbox.com

Auch wenn Kräuter recht gutmütige Pflänzchen sind, können sie sich, wenn sie nebeneinander gepflanzt werden, gegenseitig behindern und schlechter wachsen. Paare, die nicht so gut nebeneinander gedeihen sind zum Beispiel:

  • Fenchel und Koriander
  • Pfefferminze und Kamille
  • Basilikum und Melisse
  • Estragon und Dill
  • Thymian und Majoran


Die Faustregel lautet: Kräuter, die den gleichen Nährstoffbedarf aufweisen, sollten nicht zu dicht nebeneinander stehen. Die meisten ein- und zweijährigen Kräuterpflanzen kommen jedoch recht gut miteinander aus.

Das richtige Pflanzgefäß

Eine Frau gießt Blumentöpfe mit Küchenkräutern auf einem Balkon
Bildrechte: IMAGO

Ob die Kräuter in einen Terrakotta-Topf gepflanzt werden oder in den klassischen Balkonkasten ist egal. Allerdings sollte das Gefäß einen Ablauf haben, damit sich keine Staunässe bilden kann. "Bei einem Balkonkasten empfiehlt es sich, ein Modell mit Wasserstandsanzeiger zu nehmen, dann kann man die Feuchtigkeit gut überprüfen", rät Gartenexperte Dirk Radzanowski. Für Kontrollfreaks gibt es im Gartenmarkt auch Bodenfeuchtesensoren und Bewässerungsautomaten. Sie sind vor allem während des Sommerurlaubs praktisch, weil sie das Gießen übernehmen.

Auch empfehlenswert ist, die Kräuter gleich in etwas größere Töpfe zu pflanzen. Sie haben den Vorteil, dass die Blumenerde länger feucht bleibt und die schnell wachsenden Pflanzen nicht so schnell wieder umgetopft werden müssen.

Die Nahrung für die Pflanzen: Erde, Wasser, Dünger

Wie alle Pflanzen haben auch Kräuter bestimmte Vorlieben, was die Erde angeht. Sorten, die in der Natur auf mageren Böden wachsen, gedeihen zuhause in einem Sand-Erde-Gemisch prächtig. Kräuter, die es nahrhafter mögen, benötigen dagegen etwas mehr Humus in der Erde.

"Mein Tipp ist, ein bisschen Lavagranulat mit einzumischen. Das sorgt für Durchlüftung in der Erde und hält das Wasser gut", so Dirk Radzanowski. Das Granulat gibt es im Gartenmarkt zu kaufen.

Blumentöpfe mit Kräutern auf einem Balkon
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Es gibt Kräuter, die mit sehr wenig Wasser auskommen und auch mehrere Tage mal trocken stehen können, Rosmarin und Lavendel zum Beispiel. "Es gibt ja die klassischen Kräuter der Provence, die wachsen auf steinigem Boden und benötigen fast gar kein Wasser. Da sind zu nahrhafte Erde und zu viel Wasser eher kontraproduktiv", sagt Dirk Radzanowski. Andere, wie Petersilie oder Dill, wollen dagegen häufiger gegossen werden. Für alle gilt jedoch: Staunässe vertragen die Pflanzen überhaupt nicht. Um Schädlinge fernzuhalten empfiehlt es sich, frühmorgens nur an der Wurzel zu gießen.

Da die meisten Kräuter am Ende im Kochtopf oder im Salat landen, sind biologische Produkte als Dünger am besten geeignet. Selber machen kann man zum Beispiel Brennnesseljauche, fertig zu kaufen gibt es Hornmehl oder spezielle Kräuter-Dünger aus Bio-Zutaten.

Schädlinge biologisch bekämpfen

Leider sind auch Kräuter anfällig für Läuse und andere Schädlinge. Um sie wieder loszuwerden, sollte auch hier auf chemische Mittel verzichtet werden. Die biologischen Alternativen sind schnell selbst hergestellt:

Gegen Blattläuse hat sich eine Mischung bewährt, die aus einem Liter Wasser besteht, einem Esslöffel Spiritus und einem Esslöffel Schmierseife. Die Lösung muss an mehreren Tagen auf die betroffenen Pflanzen gesprüht werden.

Gegen die Pflanzensaft saugenden Zikaden wirkt verdünnte Essigessenz. Sie wird auf die Blattunterseiten der Kräuter gesprüht. Bei Blattfleckenkrankheiten wie Rostpilz oder Mehltau kann es schon ausreichen, die Pflanze kräftig zurückzuschneiden.

Kräuterpflanzen vom Balkon überwintern

Einige Kräuterpflanzen, wie Koriander, Schnittlauch oder Petersilie, sind nur einjährig und müssen im nächsten Sommer neu gepflanzt werden. Es gibt aber auch Kräuter, die man mit ein bisschen Glück über den Winter bringen kann.

Rosmarin und Salbei zum Beispiel überwintern in einem hellen, kühlen, aber frostfreien Ort, etwa im Treppenhaus. Sie müssen in der Zeit nur wenig gegossen werden. Andere Kräuter, wie Petersilie oder Oregano, können sogar im Freien bleiben, wenn sie vor Frost geschützt werden. Auf einen Styroporblock gestellt und mit wärmendem Vlies um den Topf trotzen sie auf dem Balkon dem Winter. Sie benötigen allerdings an frostfreien Tagen auch etwas Wasser.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 21.06.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2017, 02:10 Uhr

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