Quicktipp: Auto So entfernst du Kratzer im Lack

Lackschaden an der Tür eines roten PKWs
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MDR JUMP Di 28.11.2017 02:10Uhr 01:49 min

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Nichts kann einen Autobesitzer so verärgern wie ein Kratzer im Lack. Ob ein Knopf an der Jacke, der Einkaufswagen oder gar ein gemeiner Schlüsselstrich, die Karosse ist schnell mit hässlichen Kratzern verziert. Wie wirst du den ungewollten Blickfang am besten los? Für 100 bis 200 Euro in der Werkstatt oder schnell selbst mit einem Reparaturset für 15 Euro zu Hause?

Wenn ein einfaches Drüberwischen oder Politur und Autowachs den Kratzer nicht beseitigen können, musst du schwerere Geschütze auffahren. Doch bevor du selbst Hand anlegst oder in eine teure Reparatur investierst, solltest duerstmal kühlen Kopf bewahren und dir folgende Frage beantworten:

Wie tief ist der Kratzer?

Mache die Nagelprobe! Fahre mit dem Fingernagel über den Kratzer. Bleibt er nicht spürbar hängen, kannst du unter Umständen selbst Hand anlegen. Bleibt der Nagel deutlich in der Vertiefung hängen, ist sehr wahrscheinlich nicht nur die oberste Lackschicht betroffen - du solltest den Profi ranlassen. Hat der Kratzer eine andere Farbe als der Autolack, bist du schon auf der Grundierung, der Schutzhaut ihrer Karosse. Ist davon ein Blechteil betroffen, drohen Rostschäden, auch hier muss der Profi ran. Ist hingegen ein Kunststoffteil wie etwa die Stoßstange betroffen, ist es eine rein ästhetische Frage, ob du reparieren lässt oder nicht.

Wie ist Autolack eigentlich aufgebaut?

Autolack wird entweder im Tauchverfahren oder per Spritzlackierung auf die Karosse aufgebracht. Er besteht immer aus mehreren Schichten.

  • Grundierung: gleicht Farbunterschiede der Untergrundmaterialien aus und schützt gleichzeitig vor Rost.
  • Füller: sorgt für den Ausgleich von kleinsten Unebenheiten.
  • Farbe: sorgt für die Farbgebung.
  • Deck- oder auch Klarlack: schützt die Farbe vor Wetter, Sonne und Schmutz. Außerdem verleiht er der Farbe Glanz.

Selbst Hand anlegen?

Eine Hand fährt mit einem Tuch über die Motorhaube eines Pkws
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Einen Lackstift oder ein Lack-Reparatur-Set bekommen Sie schon ab rund 15 Euro. Meist handelt es sich dabei um ein Autowachs- oder Politurprodukt, das den oberflächlichen Kratzer auffüllt. Es ersetzt also den fehlenden Klarlack und schließt die Oberfläche, so dass wieder ein durchgehender Glanz entsteht. Das kann bei ganz leichten Kratzern funktionieren. Allerdings ist der Erfolg nicht dauerhaft. Spätestens wenn die Politur oder das Wachs abgewaschen wird, kommt der Kratzer in der Regel wieder durch.

Bei anderen Produkten musst du zunächst die Oberfläche ganz leicht mit einer Schleifpolitur oder einem entsprechendem Schleifpad aufrauen. Diese Produkte sollen die Pigmente der Farbschicht im tieferen Kratzer verteilen und ihn so auffüllen. Anschließend wird mit Wachs oder Politur die Oberfläche versiegelt. Auch das kann funktionieren. Allerdings kannst du mit den Schleifmitteln ihren Lack auch arg beschädigen, der Glanz geht verloren. Das gilt vor allem für ältere Autos, bei denen Farbe und Decklack ein und dieselbe Schicht sind. Bearbeitest du zu stark, kommst du schnell auf Füllschicht oder gar Grundierung. Tipp: Probiere dein Glück nur bei kleinen Kratzern und an möglichst unauffälligen Stellen. Bei größeren Schäden und an großflächigen Teilen wie etwa der Motorhaube lass lieber den Profi ran.

Die richtige Werkstatt

Mit Lack-Reparatur-Sets solltest du wirklich nur kleine Stellen bearbeiten. Muss die Werkstatt ran, dann vereinbaren Sie vor der Reparatur genau, wie groß die Stelle sein muss, die fachmännisch poliert oder gar neu lackiert werden muss. Vereinbare einen Festpreis. Lass dich durch Schauermärchen von Durchrostung und ähnlichen Dingen nicht verunsichern. Hole dir im Zweifel eine Zweitmeinung ein, im besten Fall von einem Lackprofi, der sich auf Kratzer und kleinere Schäden spezialisiert hat. Diese Firmen arbeiten in der Regel am preiswertesten und auch in Sachen Farbechtheit am genauesten.

Alles neu oder Spot bzw. Smart Repair?

An Stellen wie den Kotflügeln, Türkanten oder auch Front- und Heckpartien kann die Werkstatt auch nur die unmittelbare Fläche um den Kratzer neu lackieren. Man spricht dann von Spot- beziehungsweise Smart Repair. Werkstätten bieten das ab 100 bis 200 Euro an. Bei dieser Art der Reparatur werden die beschädigten Stellen vorbehandelt, geschliffen und eine neue Lackstruktur aufgebaut. Doch der Unterschied zu angrenzenden Stellen kann sichtbar werden. Für große Teile wie die Hauben oder ganze Türflächen ist das deshalb nicht zu empfehlen, auch nicht für Stellen, die im Sichtbereich des Nutzers liegen. Es gibt auch Farbtöne, bei denen die punktuelle Reparatur nicht empfehlenswert erscheint. Silbertöne, Blautöne und Bronze sind durch ihre Farbzusammensetzung kritisch, die Stellen können beim Ausbessern einen dunklen Rand bekommen. In diesen Fällen empfiehlt es sich, die Teile durchgängig lackieren zu lassen. Welche Reparatur du letztlich wählst, hängt von den individuellen Bedürfnissen, den Kosten und dem Nutzen ab. Ein Vorteil: Punktuelle Reparaturen sind etwa zwei Drittel günstiger als komplette Lackierungen.

Muss der Kratzer überhaupt weg?

Gerate beim ersten Kratzer am Auto nicht in Panik. Solltest du das Auto demnächst verkaufen oder abgeben müssen, dann ist es natürlich sinnvoll, bald etwas gegen den Kratzer zu tun. Aber wenn du den Wagen noch eine Weile behalten willst, viel mit deinen Kindern unterwegs bist oder viel in der Stadt fahren und in engen Straßen parken, dann sind weitere Kratzer schon fast programmiert. Hier lohnt es sich, zu „sammeln“ und erst kurz vorm Verkauf des Fahrzeugs aktiv zu werden. So bezahlst du nicht mehrere Schönheitsreparaturen und bleiben entspannter.

Fazit

Mini-Kratzern kannst du im Idealfall mit einem preiswerten Reparaturset zu Leibe rücken. Das ist aber nicht in jedem Fall eine Dauerlösung. Tiefere Kratzer und größere Flächen lässt du am besten vom Profi bearbeiten. Vereinbare dazu einen Festpreis. Bleibe in Sachen Kratzer gelassen und lasse die Werkstatt im besten Fall kurz vor einem geplanten Verkauf oder einer Rückgabe des Autos ran.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 28. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2017, 02:10 Uhr