Dürfen Eltern Kinderfotos im Netz posten?

zuletzt aktualisiert 04.04.2019 | 11:02 Uhr

Der erste Zahn, der erste Brei, das erste Mal aufs Töpfchen: Stolz fotografieren Eltern jeden kleinen Schritt ihres Nachwuchses – und stellen die Bilder ins Internet. Wir erklären, was sie dabei lieber lassen sollten.

Rechtlich gesehen darf nur dann ein Foto online gestellt werden, wenn die Person, die darauf zu erkennen ist, auch damit einverstanden ist. Dieses Recht am eigenen Bild hat jeder Mensch – egal, wie alt er ist. Ein Säugling oder Kleinkind kann jedoch noch nicht selbst entscheiden, ob es mit der Verbreitung des Fotos einverstanden ist. Solange die Kinder noch klein sind, nehmen die Eltern das Recht am eigenen Bild stellvertretend für ihren Nachwuchs wahr. Das heißt: Die Eltern können entscheiden, ob sie die Bilder beispielsweise in sozialen Netzwerken einstellen wollen oder nicht. Bei getrennt lebenden Eltern entscheidet der sorgeberechtigte Elternteil, ob etwas online erscheinen darf.

Recht am eigenen Bild gilt auch für Kleinkinder

Ein Junge auf einem Bobbycar
Bildrechte: IMAGO

Mit sieben Jahren, so sagt die Rechtsprechung, wird das Kind teileinsichtsfähig. Bereits von diesem Alter an sollten die Eltern mit ihren Kindern abstimmen, ob es für die Kleinen okay ist, dass ihre Bilder online erscheinen. Die letztendliche Entscheidung übernehmen aber nach wie vor die Eltern. Spätestens mit Vollendung des 14. Lebensjahres jedoch müssen die Kinder zustimmen, wenn die Eltern Fotos von ihnen ins Netz stellen wollen. Sind sie strikt dagegen, dürfen sich die Eltern nicht mehr gegen den Willen des Kindes wehren. Im schlimmsten Fall könnten die Kinder sonst gegen ihre Eltern auf Unterlassung klagen.

Großeltern, andere Verwandte oder Freunde des Kindes dürfen keine Fotos online stellen, ohne die Einwilligung der Eltern oder des Kindes einzuholen. Das gilt auch für Kindergärten und Schulen, wenn sie Gruppenfotos verbreiten wollen.

Mit Kinderfotos verantwortungsvoll umgehen

Die Tatsache, dass die Eltern bei kleineren Kindern noch die Entscheidungsgewalt über das Hochladen von Fotos haben, bedeutet aber nicht, dass sie uneingeschränkt davon Gebrauch machen sollten, und zwar im Interesse der eigenen Kinder. Eltern sollten sich bewusst sein, dass die Fotos sich im Internet verbreiten könnten, vor allem, wenn sie tatsächlich frei zugänglich von allen Nutzern eines sozialen Netzwerkes angeschaut werden können oder wenn Freunde sie weiter teilen. Die Bilder könnten dann auch missbraucht werden, für Werbezwecke zum Beispiel oder sie könnten Pädophilen in die Hände fallen. Je mehr Informationen über Fotos preisgegeben werden, umso anfälliger wird das Kind potentiell als Opfer Straftaten. Bilder mit eindeutiger Zuordnung zu einem Namen oder einer Adresse sollten möglichst nicht hochgeladen werden. Bei der Abwägung, was online erscheinen darf, sollten immer die Sicherheit des Kindes und der Schutz vor Straftaten im Vordergrund stehen.

Bilder könnten dem Kind in einigen Jahren peinlich sein

Eine Familie macht ein Selfie im Schwimmbad
Bildrechte: IMAGO

Auch aus einem anderen Grund sollten Fotos der Kinder sehr sorgfältig ausgewählt werden, bevor sie online für jeden sichtbar werden: Sie könnten dem Nachwuchs später schlichtweg peinlich werden und Angriffsfläche für Mobbing bieten. Fotos aus Kindertagen finden Teenager oftmals nur halb so niedlich wie ihre Eltern. Auch können vermeintlich süße Kinderfotos von Mitschülern aufgespürt werden, die sich dann auf Kosten des Kindes lustig machen.

Tipps: Fotos sorgsam auswählen und Einstellungen der Netzwerke beachten

Datenschützer und Anwälte raten, nicht unreflektiert Fotos hochzuladen, so niedlich sie auch sein mögen. Um das Kind zu schützen, sollten möglichst wenig Fotos veröffentlicht werden. Tabu sind Fotos von nackten oder halbnackten Kindern, denn sie könnten in die falschen Hände gelangen und missbraucht werden. Ein Kompromiss, um die Erlebnisse mit den Kindern auch online zu teilen und dennoch nicht zu viel zu zeigen, könnte sein, die Kleinen nicht frontal, sondern von hinten zu fotografieren oder bei Babys nur Händchen oder Füßchen zu zeigen statt des Gesichts.

Wichtig ist auch, die Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke zu checken. So kann zum Beispiel eingestellt werden, dass nur ein eingeschränkter Nutzerkreis die Bilder sehen kann und nicht die ganze Welt. Das hindert zwar niemanden aus diesem Nutzerkreis daran, die Fotos herunterzuladen und weiterzuverbreiten, aber immerhin sind die Bilder dann nicht öffentlich zugänglich. Das ist auch aus einem anderen Grund gefährlich: Laut Facebook-AGBs ist es dem Konzern beispielsweise gestattet, öffentlich hochgeladene Fotos weiterzuverwenden und sie beispielsweise für Werbezwecke zu nutzen.

Jedem Elternteil sollte klar sein: Das Internet vergisst nicht. Auch, wenn die Fotos vermeintlich gelöscht sind, sind sie meist noch auf Fremdservern gespeichert und könnten weiterhin im Netz auffindbar sein. Das gilt natürlich umso stärker, wenn das Bild von mehreren Menschen geteilt wurde – was oftmals gar nicht zu überblicken ist.

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2017, 02:10 Uhr