Quicktipp Katalogsprache: Auf diese Spitzfindigkeiten solltest du achten

11.04.2018 | 02:10 Uhr

Frau und Mann mit Reiseprospekten und Laptop zu Hause auf dem Sofa. 2 min
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Umschau-Quicktipp Katalogsprache

Katalogsprache

MDR JUMP Mi 11.04.2018 02:10Uhr 01:58 min

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Wer in Vorfreude auf den Sommer den nächsten Urlaub plant, sollte die Hotel-Beschreibungen in Reisekatalogen mit Vorsicht genießen. Denn sie sprechen ihre ganz eigene Sprache. Was im Reisekatalog angepriesen wird und wie es dann tatsächlich vor Ort aussieht, muss nicht immer übereinstimmen. Wir verraten, auf welche Spitzfindigkeiten du achten solltest.

Die Katalogsprache richtig verstehen lernen

Das „komfortable Hotel“ entpuppt sich als eine Baustelle, zur Anlage in „wildromantischer Lage“ führt noch nicht mal eine richtige Straße. Auch Reiseanbieter verkaufen ihre Produkte in Werbesprache die mitunter mögliche Einschränkungen des Angebots vor Ort verschweigen. „Das ist schon meist eine beschönigende Sprache, die durch die Rechtsprechung jedoch oft als korrekt angesehen wird. Bei einem Verbraucher, der die Hotelbeschreibung nur flüchtig liest, kann das natürlich falsche Vorstellungen wecken“, erklärt Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. Deshalb ist es wichtig, diese Formulierungen richtig zu interpretieren. So genannte „Wörterbücher“ für gängige Formulierungen in Reiseprospekten finden sich leicht im Internet.

Kleines Wörterbuch: Was der Reisekatalog sagt und meint

Im Reisekatalog steht: „Meerblick“
Gemeint sein kann: Das Meer muss nicht direkt vom eigenen Hotelzimmer aus zu sehen sein. Ein seitlicher Blick vom Balkon genügt.

Im Reisekatalog steht: „Aufstrebender Ferienort“
Kann heißen: Urlaubsort inklusive Baustellen. Bagger, Kräne und Presslufthammer prägen das Erscheinungsbild. Diese Paradiese können im anschließenden Jahr viel erholsamer sein.

Im Reisekatalog steht: „Verkehrsgünstige Lage“
Gemeint sein kann:  Günstig ist diese Lage für Autobahnbenutzer. Prüfe das Reiseziel auf einer aktuellen Karte. Dort erkennst du große Verkehrsknoten und Autobahnen.

Im Reisekatalog steht: „Lebhaft und quirlig“
Gemeint sein kann: Lärm auf den Straßen, der bis ins eigene Hotelzimmer zu hören ist.

Im Reisekatalog steht: „Kinderfreundliches Haus“
Kann heißen: Kinder dürfen hier alles machen, und das überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit.

Im Reisekatalog steht: „Klimatisiertes Hotel“
Kann bedeuten: ob die Anlage eingeschaltet wird, entscheidet die Hotelleitung. Achte auf die Bezeichnung „individuell regelbare Klimaanlage“

Im Reisekatalog steht: „Kontinentales Frühstück“
Gemeint sein kann: Das Frühstück muss nicht sehr üppig sein: zwei Brötchen, Butter, Marmelade und Kaffee.

Im Reisekatalog steht: „Kurzer Transfer vom Flughafen“
Gemeint sein kann: Das Hotel befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Flughafen.

Im Reisevertrag steht: “Es handelt sich um einen Direktflug.“
Gemeint sein kann: Im Gegensatz zu einem Non-Stop-Flug kann es zu einer Zwischenlandung kommen.

Im Reisekatalog steht: „Neu eröffnetes Hotel“
Gemeint sein kann: Das Hotel ist noch nicht ganz fertig gebaut.

Im Reisekatalog steht: „Das Hotel hat sich noch ein wenig Ursprünglichkeit bewahrt.“
Gemeint sein kann: Renovierungsbedürftige oder heruntergekommene Gebäude versprühen den Charakter von Ursprünglichkeit und Echtheit.

Das steht im Gesetz

Eine Statue der Justitia
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In der Informationspflichten-Verordnung des BGB ist geregelt, wie Reiseveranstalter in Prospekten werben dürfen. So steht in § 4 Prospektangaben (1): Stellt der Reiseveranstalter über die von ihm veranstalteten Reisen einen Prospekt zur Verfügung, so muss dieser deutlich lesbare, klare und genaue Angaben enthalten über den Reisepreis, die Höhe einer zu leistenden Anzahlung, die Fälligkeit des Restbetrages und außerdem, soweit für die Reise von Bedeutung, über folgende Merkmale der Reise:

  • Bestimmungsort
  • Transportmittel (Merkmale und Klasse)
  • Unterbringung (Art, Lage, Kategorie oder Komfort und Hauptmerkmale sowie - soweit vorhanden - ihre Zulassung und touristische Einstufung)
  • Mahlzeiten
  • Reiseroute

Das sagt die Rechtsprechung:

Wenn Reiseveranstalter auf Nachteile der Hotelanlage wie Fluglärm oder Strandverhältnisse hinweisen, haften sie hinterher nicht. Wie klar sie jedoch darauf hinweisen müssen, ist im Einzelfall sehr unterschiedlich. Gerichte erklären die von Urlaubern bemängelte „Geheimsprache“ oft für zulässig. Zweckmäßig eingerichtete und saubere Zimmer müssen keinen Komfort bieten, auch „lebhaftes Hotel“ oder „ruhige Lage“ sind als Beschreibungen zulässig. Stünde in dem Prospekt hingegen „lautes Hotel“ oder „in abgeschiedener Lage“ könnte das das Hotel etliche Gäste kosten. Schön schreiben dürfen Veranstalter es allerdings nicht. Wichtig ist zu prüfen, ob die Informationen im Katalog ausschließlich einen Zustand beschreiben, wie beispielsweise „beheizbarer Pool“. Das sagt nämlich noch nichts über die Qualität aus, also wie warm das Wasser im Pool wirklich ist. Ähnlich verhält es sich auch mit den Bildern des Hotels im Katalog. „Die Fotos zeigen das Hotel in einem positiven Licht. Ich kann als Reisender sicher nichts dagegen machen, wenn auf dem Foto die Baustelle im Hotel nun rausgelassen oder nur am Rande zu sehen ist. Wenn das Bild allerdings hinterher manipuliert wurde, ist eine Grenze überschritten“, macht Ralf Reichertz deutlich.

Was kann ich als Kunde tun?

Wer ganz sicher gehen und im Urlaub keine bösen Überraschungen erleben will, der fragt im Zweifelsfall bei den Reiseveranstaltern oder im Reisebüro nach oder informiert sich im Internet. Neben Reiseberichten anderer Urlauber kann man sich dadurch ein realistischeres Bild vom Urlaubsort und der Lage des Hotels machen. Wer schon am Reiseziel ist, kann sich zunächst an den Hotelmanager oder den Reiseleiter vor Ort wenden und um Abhilfe bitten. Das ist wichtig, um später auch eine Minderung geltend zu machen. Wenn diese Abhilfe während des Urlaubs jedoch nicht geschaffen werden kann, steht es dem Reisenden frei, innerhalb einer Monatsfrist nach Reiseende Minderungsansprüche auf den Reisepreis geltend zu machen. Der Urlauber sollte dann Beweise haben, dass er den Mangel auch tatsächlich vor Ort angezeigt hat. Das können schon Zeugen oder Fotos leisten. In einem Schreiben an den Reiseveranstalter sollten die Mängel dann beschrieben und dokumentiert werden. Die Reiseveranstalter lenken dann entweder ein oder unterbreiten ein Gegenangebot – oder sie lehnen die Forderung ab. Dann kannst oder besser solltest du den Gerichtsweg beschreiten. Wie viel Preisminderung Urlauber bei Reisemängeln ansetzen können, zeigt u.a. die Kemptener Reisemängeltabelle (Stand: August 2016).

Fazit

Damit der Urlaub auch wirklich zu einem unvergesslichen und vor allem erholsamen Erlebnis wird, sollten sich Reisende schon vor der Buchung umfassend über Reiseziel und Hotel informieren. Es ist wichtig, die Katalogsprache verstehen zu lernen und sich im Internet oder beim Reiseanbieter konkret zu informieren. Sollten dennoch Mängel am Urlaubsort auftreten, müssen diese direkt angezeigt und dokumentiert werden. Zurück aus dem Urlaub, kann man vom Veranstalter dann eine Minderung des Reisepreises verlangen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 11. April 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 02:10 Uhr