Wie gut sind kabellose In-Ear-Kopfhörer?

13.07.2018 | 02:10 Uhr

Frau mit weißen kabellosen In-Ear-Kopfhörern. 2 min
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MDR JUMP Fr 13.07.2018 02:10Uhr 01:57 min

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Aktuelle Modelle bestehen nur noch aus zwei winzigen Ohrstöpseln, haben also gar kein Verbindungskabel mehr zwischen dem rechten und linken Ohrstöpsel. Im Idealfall vermitteln sie dadurch beim Tragen den Eindruck, als seien sie gar nicht da.

Kabellose Kopfhörer verbinden sich mit dem Endgerät via Bluetooth oder einem ähnlichen Standard. Zu Anfangszeiten der kabellosen Ohrhörer gab es Probleme, eine stabile Verbindung zwischen den beiden Ohrstöpseln zu halten und den Ton synchron abzuspielen. "Dieses Problem haben aber alle Hersteller inzwischen im Griff", erklärt Hannes Czerulla von der Heise Mediengruppe.

Guter Klang bei In-Ear-Kopfhörern

Frau mit gelben kabellosen In-Ear-Kopfhörern.
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Die meisten Modelle sorgen auch für einen guten Klang. Das liegt vor allem am Aufbau: Bei fast allen In-Ear-Kopfhörern liegt die Lautsprecheröffnung im Gehörgang, nur bei dem Modell von Apple liegt sie davor. Damit sind sie nah am Trommelfell und dichten im Idealfall den Hörkanal ab. Zudem schotten sie Geräusche von außen ab, da sie in den Gehörgang eingeführt werden. "Im Straßenverkehr ist das aber eher nicht von Vorteil, weil ich nichts von der Umgebung höre. Im Flugzeug oder Zug ist das dann natürlich schon besser", ergänzt Hannes Czerulla. Nach Meinung des Experten lösen "die Testgeräte keinen Over-Ear-Kopfhörer ab", doch seien sie deutlich besser als die Kopfhörer, die den Smartphones sonst beileigen.

Ton ist zeitverzögert

Ein Nachteil jeder Funkverbindung ist, dass der Ton verzögert wiedergegeben wird. Bei Musik stelle das kein Problem dar. Doch bei Videos und Spielen kann die Verzögerung hinderlich sein. Weiterer Nachteil: Da man keine Audiokabel anschließen kann, sind die Bluetooth-Ohrhörer nicht dazu geeignet, sie beispielsweise fürs Bord-Unterhaltungssystem im Flugzeug zu nutzen.

Bedienung mit Geduld

Wenn die Ohrpolster zur Ohrform passen, sitzen In-Ear-Ohrstöpsel weit fester als andere Kopfhörer. "Selbst beim Sport und bei ruckartigen Kopfbewegungen bleiben sie an Ohr und Stelle", erklärt der Experte. Um sie aber richtig einzusetzen, braucht es am Anfang ein wenig Übung und Geschick. Gleiches gelte für die Bedienung: Die In-Ears werden mit nur einem Knopf oder einer berührungsempfindlichen Sensorfläche auf den Hörern selbst bedient. "Hat man die Wahl, sind die physischen Tasten den Sensorflächen vorzuziehen. Bei letzteren waren wir uns nie sicher, ob wir an die richtige Stelle tippten. Bei den Tasten kann es allerdings passieren, dass man durchs Betätigen den Ohrhörer unangenehm ins oder aufs Ohr drückt", so Czerulla. Die meisten Hersteller bieten aber eine passende App an.

Akkulaufzeit gering, aber ausreichend

Auch in Bezug auf die Akkulaufzeit muss man Kompromisse in Kauf nehmen. Aufgrund der geringen Größe der Kopfhörer sind auch die Akkus klein aus und die Laufzeiten entsprechend kurz aus. Mehr als zwei bis fünf Stunden kann man mit mit den wenigstens Geräten am Stück hören. Das reicht für normale Pendlerfahrten aber meist aus.

Gleichzeitig Laden und Hören geht bei keinem Gerät. Deswegen liefern die Hersteller für unterwegs eine Ladeschatulle mit integriertem Akku mit. Im Test der Heise Mediengruppe konnten die Kopfhörer so zwei- bis viermal voll aufgeladen werden. Ansonsten lädt man fast alle Modelle über Micro-USB-Anschlüsse. Nutzt man hingegen ein iPhone, lädt man mit dem Lightning-Kabel auch Apples AirPods.

Einige Geräte mit Zusatzfunktionen

Obwohl nur winzig klein, besitzen die verschiedenen In-Ear-Kopfhörern teilweise zusätzliche Funktionen, die sie zum Teil einzigartig machen:

Das B&O Beoplay E8 beispielsweise hat zur Sicherheit einen extra Transparenz-Modus: So werden Umgebungsgeräusche zum Ohr durchgeleitet und wahlweise wird die Musik dann angehalten, lauter oder leiser. Der Here One von Doppler Labs kann Umgebungsgeräusche auf knapp eineinhalbfache Lautstärke verstärken und somit als Hörgerät eingesetzt werden. Die IQbuds von Nuheara sollen dem Träger per App helfen, nur das von der Umgebung zu hören, was er möchte und alles andere per Noise Cancelling auszublenden.

Sportler sollten Wert darauf legen, dass die Modelle mindestens schweißresistent sind oder sogar ein wasserdichtes Gehäuse haben und auch schwimmen damit möglich ist. Einige extra für Sportler gedachte Modelle bieten sogar eine integrierte Pulsmessung an. Dazu zählt beispielsweise die Bragi Dash bzw. Bragi Dash Pro von Bragi. Die Jabra Elite Sport von Jabra erfassen mit Sensoren die Herzfrequenz und die Bewegung des Trägers und lassen sich in der App auswerten.

Viele Modelle können zudem als Headsets genutzt werden, da sie ein Mikrofon haben. "Das taucht bei einigen Modellen aber mehr als bei anderen", gibt c’t-Redakteur Hannes Czerulla, zu bedenken.

Fazit

Komplett kabellose Ohrhörer bringen die volle Bewegungsfreiheit beim Musikhören und Telefonieren. Selbst bei viel Bewegung halten sie fest. Zudem passen sie in jede noch so kleinste Tasche und das Kabelgewirr gehört der Vergangenheit an. Und auch der Klang ist gut: Sie dämpfen Lärm und erfassen sogar teilweise die Körperdaten oder optimieren das Hören. Die Freiheit hat ihren Preis: Die Akkulaufzeiten beispielsweise der kabellosen Ohrhörer fallen kurz aus, die Bedienung und Ergonomie einiger Modelle ist deutlich schlechter als bei kabelgebundenen Kopfhörern.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 13. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 02:10 Uhr

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