Mit Impfung vor krebsauslösenden HP-Viren schützen

28.08.2018 | 02:10 Uhr

Ein junges Mädchen wird geimpft. 2 min
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Umschau-Quicktipp HP-Viren

HP-Viren

MDR JUMP Di 28.08.2018 02:10Uhr 01:59 min

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Seit 2006 können sich Mädchen in Deutschland mit einer Impfung vor Viren schützen, die unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen. Der Schutz gegen die Humanen Papillomviren (HPV) gilt weltweit als Durchbruch in der Krebsvorsorge. Seit Juni empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut die Vorsorge auch für Jungen. Sie können das Virus übertragen, und auch bei ihnen können sich Krebsarten entwickeln. Wir haben die wichtigsten Fakten zur HPV-Impfung.

Was ist HPV?

Humane Papillomviren können bei Frauen Tumore am Gebärmutterhals verursachen. Andere Tumore beispielsweise im Mund, Hals, Rachen, am Darmausgang oder im Intimbereich werden ebenfalls von diesen Viren ausgelöst. Diese Krebsarten treffen dann auch Jungen oder Männer. Bei ihnen werden HP-Viren zudem mit dem sehr seltenen Peniskrebs in Verbindung gebracht. Die Viren verändern unter anderem den genetischen Code der befallenen Zellen so, dass diese ungehemmt wachsen und wuchern können. Der Zusammenhang zwischen HPV und Krebs wurde schon Anfang der 80er Jahre von dem deutschen Impf-Pionier Harald nachgewiesen. Er bekam für diese Entdeckung 2008 den Nobelpreis für Medizin. Inzwischen sind fast 200 verschiedene HP-Viren bekannt. Einige von ihnen können auch Genitalwarzen verursachen. Die sind nicht lebensbedrohlich, aber sehr unangenehm und Betroffene können sie nur schwer wieder loswerden.

Wie steckt man sich an?  

Die Viren werden in den meisten Fällen beim Sex übertragen. „Aber auch eine Schmierinfektion ist möglich und in seltenen Fällen können die Viren bei der Geburt auch von der Mutter auf das Kind übertragen werden“, sagt Prof. Dr. Bahriye Aktas. Sie leitet die Klinik für Frauenheilkunde an der Uniklinik in Leipzig. Kondome könnten daher nicht hundertprozentig vor einer HPV-Infektion schützen. „Man sieht durchaus, dass Kondome das Ansteckungsrisiko senken. Beim Geschlechtsverkehr reicht aber schon die Nähe des Körpers, der Hautkontakt aus, um die Viren zu übertragen“, sagt unsere Expertin.

Wie gut schützt Impfen vor HPV?

Einen Impfstoff gegen HPV gibt es seit mehr als zehn Jahren. Vor zwei Jahren wurde er nochmal verbessert, um einen möglichst großen Teil der Viren abzudecken. „Wir haben jetzt zwei Impfstoffe, die zusammen 90 Prozent der Viren abdecken, die für eine Krebserkrankung ursächlich sind. Das ist schon ein Wort“, sagt Prof. Dr. Bahriye Aktas. Derzeit ist laut Medizinern allerdings noch offen, ob es durch die Impfung tatsächlich weniger Tote durch Gebärmutterhalskrebs und andere durch HPV ausgelöste Tumore gibt. Die wachsen meist sehr langsam und fallen häufig erst nach 15, 20 oder mehr Jahren auf. Die Impfung gibt es aber erst seit 2006. „Das ist auch die Tücke an diesen Infektionen: Die verlaufen erst stumm, da zeigen sich keine Symptome“, sagt unsere Expertin. Daher sei die Vorsorge durch die Impfung umso wichtiger. Derzeit ist auch noch nicht ganz klar, wie lange der Schutz anhält. „Die Daten, die wir bislang haben, die zeigen: Es gibt bei Frauen zwölf Jahre nach dem Impfen noch HPV-Antikörper“, sagt Prof. Dr. Aktas. Daher gebe es bisher auch noch keine Empfehlung für das Auffrischen der Impfung.

Was weiß man derzeit zu Nebenwirkungen der Impfung?

Eine Spritze wird vorbereitet
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Das Impfen gegen HP-Viren war von Anfang an heftig umstritten. Kritiker warnten, die Impfung gaukle Sicherheit nur vor, habe aber ernste Nebenwirkungen. Sie erhöhe unter anderem das Risiko, an Autoimmunkrankheiten wie Lupus, an Multipler Sklerose oder auch an Diabetes zu erkranken. „Wir haben da ganz klare Datenerhebungen und danach sind geimpfte Patienten keinen größeren Nebenwirkungen oder Erkrankungen ausgesetzt als nicht geimpfte Menschen in den Kontrollgruppen“, sagt unsere Expertin. Weltweit haben bisher geschätzte 90 Millionen Mädchen und Jungen den Impfstoff bekommen. Bedrohliche Nebenwirkungen sind dabei laut Robert-Koch-Institut (RKI) extrem selten aufgetreten. Bei einer Million Impfungen kam es in ein oder zwei Fällen einem allergischen Schock oder Herzstolpern. Das kann laut Experten aber auch durch Stress während der Impfung ausgelöst werden. Der Impfstoff wird daher von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „sehr sicher“ eingeordnet.

Wann sollten sich Mädchen oder Frauen impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt die Impfung für Mädchen im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren. Die sei vor dem ersten Sexualkontakt besonders wirksam. „Bis 17 Jahre ist auch eine Nachholimpfung möglich, falls die Impfung zwischen 9 und 14 verpasst wurde“, sagt Medizinerin Aktas. Die Impfung sei auch nach dem ersten Sex und sogar nach einer HPV-Infektion noch sinnvoll. Seit diesem Jahr werden Frauen mit ihrer Zustimmung alle drei Jahre auf eine HPV getestet. „Da zeigen die Daten, dass das sinnvoll ist. Wenn eine Frau aber schon Krebsvorstufen hat, dann sind die Kontrollen natürlich engmaschiger“, sagt Prof. Dr. Aktas.

Warum wird die Impfung jetzt auch für Jungen empfohlen?

Die STIKO empfiehlt die Impfung für Jungen im Altern von 9 bis 14 aus zwei Gründen: Zum einen haben junge Männer in nahezu allen Kulturen im Vergleich mit Frauen mehr Sexualpartner, sagen Experten. Männer sind somit die wichtigsten Verbreiter von HP-Viren. Ist ein Junge geimpft, kann er künftige Sexualpartnerinnen nicht mehr anstecken. „Da geht es auch um Geschlechtergerechtigkeit: Nicht nur die Frauen sollen die Verantwortung dafür tragen, dass es in der Gesellschaft weniger Krebserkrankungen gibt“, sagt unsere Expertin. Zum anderen geht es auch um die Gesundheit von Jungen und Männern, die vor einer HPV-Infektion und möglichen späteren Tumoren geschützt werden sollen. Experten zufolge sind pro Jahr in Deutschland etwa 1.000 Krebsfälle bei Männern auf HP-Viren zurückzuführen.

Wer bezahlt die Impfung?

Die Krankenkassen zahlen die Kosten für die Impfung bei Mädchen zwischen 9 und 17 immer. Wer älter ist, sollte sicherheitshalber vorher bei der eigenen Krankenkasse nachfragen. Für den HPV-Schutz für Jungen gibt es derzeit noch keine offizielle Regel. Einige Kassen wie Techniker oder die DAK übernehmen die Kosten zwar jetzt schon, alle machen da aber noch nicht mit. Hier fehlt noch die abschließende Entscheidung vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), die für Anfang Oktober erwartet wird. Der G-BA entscheidet, ob die Impfung auch bei Jungen zu einer Kassen-Pflichtleistung wird. Der Impfstoff ist teuer: Eine Dosis kostet um die 160 Euro. Die Arztkosten müssen auch noch bezahlt werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 28. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2018, 02:10 Uhr