Quicktipp: Herzinfarkt Das musst du wissen

Herzinfarkt
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MDR JUMP Mo 13.11.2017 02:10Uhr 01:52 min

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Rund 300.000 Menschen erleiden pro Jahr in Deutschland einen Herzinfarkt. Er gilt als eine der häufigsten Todesursachen überhaupt. Wird ein Infarkt schnell erkannt und umgehend behandelt, können viele Sterbefälle verhindert werden. Wir sagen, wie du dich im Ernstfall richtig verhältst.

Wer ist besonders bedroht?

Zigarettenkippen auf einem Stopschild
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Stress, Übergewicht, Rauchen und eine genetische Veranlagung sind die Hauptfaktoren für die Entstehung eines Herzinfarktes. Sind Verwandte ersten Grades wie Eltern oder Geschwister von einem Infarkt betroffen, dann hast auch du ein erhöhtes Risiko. Kinder und Jugendliche sind nur in Ausnahmefällen betroffen. „Dieses Risiko besteht im Normalfall nur, wenn Kinder besonders fettleibig sind oder eine angeborene Fettstoffwechselstörung haben“, sagt Hauptsache Gesund Moderator und Allgemeinmediziner Dr. Carsten Lekutat.

Männer ab 35 Jahren befinden sich im „besten“ Herzinfarktalter. In letzter Zeit trifft es aber auch immer mehr Frauen. Den Grund deutet unser Experte so: „Frauen haben, was die ungesunde Lebensweise und den Stress betrifft, in den letzten Jahren aufgeholt. Auch wenn jetzt immer weniger geraucht wird - die Infarkte von heute wurden ja vor zehn bis zwanzig Jahren vorbereitet.“

Was passiert bei einem Infarkt?

Bei einem Infarkt verschließen sich ein oder mehrere Herzkranzgefäße. Das sind Adern, die den Herzmuskel versorgen. Im Vorfeld haben sich dort über Jahre Ablagerungen aus Fett und Kalk gebildet, große Klumpen, die zunehmend das Gefäß verengen und plötzlich auf- oder abreißen können. Das kann entweder vor Ort oder in einem kleineren Blutgefäß zu einem akuten Gefäßverschluss führen. Wenn das geschieht, kann der Herzmuskel nicht mehr mit Blut versorgt werden. Je länger dieser Zustand anhält, umso größer die Gefahr, dass Herzmuskelzellen absterben. Kurzfristig kann das zu Rhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand und schließlich dem Tod führen. Überlebt man einen Herzinfarkt, können Rhythmusstörungen und Herzschwäche im schlechtesten Fall lebenslang folgen.

Warnzeichen langfristig

Eine Frau hält sich zitternd eine Hand vor die Brust.
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Viele Infarkte kündigen sich wochenlang vorher an. Plötzlich auftretende Brustschmerzen, Atemnot und Engegefühle in der Brust sind die auffälligsten Anzeichen. „Ein kurzer Stich in der Brust ist sicherlich nicht besorgniserregend. Aber wenn so ein Schmerz länger als 30 Sekunden anhält, dann sollten Sie schon aufmerksam werden“, rät unser Mediziner Dr. Lekutat. Treten die Symptome vorwiegend bei körperlicher Belastung oder unter Stress auf und verschwinden dann wieder, sind das zusätzliche Warnzeichen. Achte auf Schmerzen und Empfindungen, die für dich ungewöhnlich sind!   

Warnzeichen akut

Starke Brustschmerzen, ein Engegefühl in der Brust, heftiges Brennen und Übelkeit sind sehr deutliche Anzeichen für einen Herzinfarkt. Das gilt besonders, wenn die Schmerzen über mehrere Minuten anhalten. Weitere Warnsignale sind Schmerzen in der linken Schulter und dem linken Arm. Auch der Kiefer kann davon betroffen sein. Viele Betroffene berichten von einem sehr starken Druck auf der Brust, der oft auch mit Atemnot einhergeht. Hinzu können Erbrechen und Angstgefühle kommen. Ein äußerliches Anzeichen kann Schweiß auf kalter, blasser Haut sein. 

Unterschiede Mann/Frau

Während Männer eher die klassischen Symptome wie Engegefühle und Schmerzen in der Brust aufweisen, kann sich bei Frauen ein Herzinfarkt auch sehr unspezifisch ankündigen. „Das geht von allgemeinem Unwohlsein über Übelkeit bis hin zu Beschwerden im Oberbauch. Auch hier sollten Sie auf Schmerzen und Symptome achten, die Sie normalerweise nicht kennen“, mahnt Carsten Lekutat.

Sofort handeln

Solltest du bei dir leichte Symptome eines Infarktes bemerken oder vermuten, dann suche schnellstmöglich deinen Hausarzt auf, um den Zustand abklären zu lassen. Hast du akute Symptome und starke Schmerzen, dann rufe umgehend den Notarzt unter 112. Das gilt auch dann, wenn du nicht sicher bist und einen Infarkt „nur“ vermuten. Auch wenn der Notruf 112 zu oft für vermeintliche Bagatellfälle gerufen wird, empfiehlt unser Arzt: „Bei einem Herzinfarkt kann von der einen auf die andere Sekunde durch Kammerflimmern oder ähnliches Schluss sein. Bekommen Sie einen Herzstillstand, dann können Sie froh sein, wenn ein Notarzt Sie zurückholt. Deshalb lieber einmal zu oft rufen.“ Versuche ruhig zu bleiben, fahre unter keinen Umständen selbst mit Auto oder Rad ins Krankenhaus. Du gefährdest dadurch dich und andere. Versuche dich bequem hinzusetzen und sorge für frische Luft, während du auf den Arzt wartest. Wichtig: Sorge dafür, dass der Notarzt auch zu dir hineinkommt, öffne die Türen!

Noch schnell ein Medikament?

Bei der Behandlung eines Herzinfarktes wird versucht, das verstopfte Blutgefäß so schnell wie möglich wieder durchlässig zu machen. Das geschieht je nach Art des Infarktes entweder durch die Aufdehnung des Gefäßes mit einem Ballonkatheter oder mit einem Medikament zur Auflösung des Verschlusses. Klassisch wird dabei auch ein Blutverdünner gegeben, um den Blutfluss zu erleichtern. Es ist daher kein Fehler, wenn du bei dir selbst einen Infarkt vermutest, noch einen rezeptfreien Blutverdünner wie etwa ASS einzunehmen. “Das ist aber nur ein Hilfsmittel. Sie müssen trotzdem zum Arzt oder im akuten Fall  einen Notarzt rufen, um den Infarkt richtig behandeln zu lassen“, mahnt unser Experte.

Anderen helfen

Vermutest du einen Herzinfarkt bei anderen, dann rufe sofort die 112. Ist der Betroffene bewusstlos, beginne sofort mit einer Herzdruckmassage. Drücke dabei bis zu 120 Mal pro Minute mit beiden Händen auf den Brustkorb in der Herzregion. Hab keine Angst, etwas falsch zu machen! Sorge dafür, dass der Bewusstlose nicht an eventuell Erbrochenem erstickt. Ist der Betroffene bei Bewusstsein, öffne beengte Kleidungsstücke, sorge für frische Luft und versuche beruhigend auf ihn einzuwirken. Zusätzlich empfiehlt unser Experte: „Sie müssen den Betroffenen nicht hinlegen. Viele empfinden dadurch einen größeren Druck auf das Herz. Setzten Sie ihn lieber bequem hin, aber so, dass er auch sicher sitzt.“  

Herzinfarkt vs. Schlaganfall

Auch bei einem Schlaganfall verstopfen Blutgefäße, vorwiegend aber im Gehirn. Das hat meist zur Folge, dass bestimmte Steuerungsfunktionen im Gehirn ausfallen. Betroffene können sich nicht mehr bewegen, sprechen oder gar stehen. Es kommt vor, dass sie von jetzt auf gleich in sich zusammensacken oder umfallen, als hätte sie der Schlag getroffen. Auch beim Schlaganfall muss der Blutdurchfluss so schnell wie möglich wieder hergestellt werden.   

Fazit

Je früher ein Herzinfarkt behandelt wird, desto besser die  Überlebens- und Heilungschancen. Es zählt wortwörtlich jede Minute. Scheue dich nicht, beim Verdacht sofort einen Notarzt zu rufen. Egal, ob es dich selbst oder andere betrifft, wähle unverzüglich die 112 und verhalte dich möglichst ruhig. Sorge für einen freien Zugang für den Notarzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 13. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 02:10 Uhr