Quicktipp: Technik Geräte mieten: Lohnt sich das?

Wer vermietet?

Das Versandhaus Otto bietet seit Ende 2016 unter dem Titel "Otto now" eine breite Palette von Elektrogeräten an: Die reicht von Smartphones über Fernseher bis zu Waschmaschinen. Letztere müssen für mindestens sechs Monate gemietet werden. Dafür werden sie kostenlos geliefert und angeschlossen. Auch das Berliner Start-up Grover mischt als Technik-Vermieter mit. Kunden werden mit dem Versprechen "Flexibel mieten" gelockt. Das neue iPhone oder die Nintendo Switch können also bei rechtzeitiger Kündigung schon nach einem Monat zurückgegeben werden. Grover arbeitet zudem mit der Elektronikkette Media Markt zusammen, die unter dem Label "Mietwochen" auch Technik verleiht. Bei den drei genannten Anbietern werden die Geräte per Post oder auch per Spedition an die Nutzer geschickt. Die müssen die geliehene Ware nach dem Ende der Miete zurückschicken. Das ist bei Grover kostenlos. Bei einigen größeren Produkten holt Otto die Ware ebenfalls gratis wieder ab.

Für Werkzeuge und Miete von Privat

Die Baumarkt-Kette Obi hat sich auf das Vermieten von Werkzeug spezialisiert. Das kann für Zeiträume von vier Stunden bis zu einer Woche gemietet werden. Nutzer holen sich die benötigten Geräte im nächsten Baumarkt ab und geben sie dort auch wieder ab. Zusätzlich gibt es im Internet noch Plattformen wie leihdirwas.de oder mietmeile.de, über die Privatpersonen Geräte anbieten und vermieten können. Hier legen die Anbieter die Preise und die Konditionen fürs Verleihen fest.

Fürs Überbrücken

Ein Mann transportiert einen Kühlschrank mit einer Sackkarre durch eine Straße in Berlin.
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Aus Sicht von Verbraucherschützern ist das Mieten von Technik eher etwas für kurze Zeiträume. So kann es etwa sinnvoll sein,  nach einem Umzug für ein paar Wochen eine Waschmaschine zu mieten oder einen Beamer, um zusammen mit Freunden die Fußball-WM zu erleben. Anbieter wie Otto, Grover oder Media Markt lassen sich das Mieten gut bezahlen. Auf die Lebensdauer eines Gerätes gerechnet kommen Nutzer mit der Mietvariante deutlich teurer. "Am Ende kommt man mindestens 30 Prozent, manchmal sogar 50 Prozent teurer", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dieser Aufschlag komme noch auf den Kaufpreis drauf. Weil viele Elektrogeräte online sehr günstig sind und deutlich unter der Preisempfehlung des Herstellers liegen, kann der Aufschlag beim Mieten sogar noch höher ausfallen. Unser Experte warnt davor, parallel gleich mehrere Geräte zu mieten und damit die Wohnung auszustatten. Verbraucher könnten so schnell die Übersicht verlieren und in die Schuldenfalle geraten. Auch die Kosten für den Rückversand der Ware sollten Nutzer mit in die Rechnung einbeziehen. Die können etwa bei einem Versand via Spedition schnell 50 Euro übersteigen.

Eng zugeschnittenes Angebot

grafische Darstellung einer Küche
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Verbraucherschützer Tryba kritisiert zudem, dass Vermieter pro Technikgattung nur vergleichsweise wenige Geräte anbieten. Also beispielsweise nur eine Handvoll verschiedener Waschmaschinen oder Fernseher. "Das sollte ja dann auch das Gerät sein, das am ehesten zu mir passt. Und das laut Stiftung Warentest vielleicht auch gut funktioniert", sagt unser Experte. Nutzer sollten zudem im Kleingedruckten sehr genau nachlesen, ob sie wirklich neue oder "nur" gebrauchte Geräte mieten. "Manche Anbieter bieten Neuware, andere setzen auf Rückläufer, die in Schuss gesetzt werden", sagt Georg Tryba. Werde gebrauchte Technik vermietet, werde der Preisabstand zu einem selbst gekauften Neugerät noch mal größer.

Weitere Kosten bei Schäden möglich

Zudem hätten Mieter noch das finanzielle Risiko, wenn geliehene Technik kaputt gehe. "Da ist man gegenüber einem Neukauf wesentlich schlechter gestellt. Bei dem haben Verbraucher das Recht auf Gewährleistung vom Händler. Also Reparatur oder Geld zurück", sagt Georg Tryba. Beim Mieten müssten sich Nutzer dagegen erst einmal an den Vermieter wenden. "Da sagen eben manche Verleiher: Man teilt sich die Kosten bei einem Schaden. Wenn man ein teures Mietgerät hat, können das auch schnell mal 1.000 Euro sein", warnt der Experte. Offen ist auch, wer für Beschädigungen an gemieteter Technik einsteht. Otto sagt zwar, normale Gebrauchsspuren stelle man nicht in Rechnung. Im Einzelfall kommt es aber möglicherweise zum Streit, was noch unter Gebrauchsspuren fällt. Wer ein gemietetes Smartphone fallen lässt oder den geliehenen Fernseher kaputt macht, muss in der Regel sowieso den ganzen Schaden ersetzen. Die Haftpflicht greift da in der Regel nicht, auch wenn beispielsweise Otto auf die Versicherung verweist. Immerhin verspricht der Anbieter Grover, man übernehme in solchen Fällen die Hälfte der Reparaturkosten.

Fazit

Für einen kurzen Zeitraum, zum Überbrücken von Engpässen kann sich das Mieten von Elektrogeräten gegenüber einem Neukauf durchaus lohnen. Allerdings sollten Nutzer das Kleingedruckte der Mietverträge gründlich durchlesen und genau nach Kostenfallen durchsuchen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 11. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2017, 02:10 Uhr