Was tun gegen Haarausfall?

08.11.2018 | 02:10 Uhr

Vollbart und dichtes Haupthaar: Im sogenannten Holzfällerlook sehen sich etliche Männer von heute richtig gern. Da passt es nicht, wenn sich Tag für Tag immer mehr Haare im Kamm und auf dem Kopfkissen finden. Doch auch Frauen trifft Haarausfall aus unterschiedlichsten Gründen.

Wann ist Haarausfall bedenklich?

Zunächst mal ist es ganz normal, wenn Menschen pro Tag zwischen 60 und 100 Haare verlieren. Das ist noch kein Grund zur Besorgnis. Hautarzt Dr. Dietrich Barth aus Leipzig erklärt:

Von Haarausfall spricht man erst, wenn Sie mehr als 100 Haare pro Tag verlieren. Das kann man nun schlecht zählen, aber die Betroffenen merken schon deutlich, wenn das Haar über einen längeren Zeitraum immer dünner wird.

Sollte das der Fall sein, rät der Experte, ruhig zu bleiben:

Zunächst sollten Sie erstmal abklären, was eventuell Ursache sein könnte. Da kommt eine schwere Infektion infrage oder Sie haben eine OP hinter sich. Und auch der jahreszeitliche Wechsel kann eine Rolle spielen. Auch wir Menschen haben im Sommer ein weniger dichtes Haarkleid als im Winter.

Hält der Haarausfall an, kann das im Wesentlichen folgende Gründe haben:

Die häufigsten Formen und Gründe

Eine Haarbürste mit Haaren.
Bildrechte: IMAGO

Erblich bedingter Haarausfall ist mit über 60 Prozent die häufigste Form. Dabei wird das Sexualhormon Testosteron in die aktive Form Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Bei Männern reagieren die Haarwurzeln überempfindlich auf DHT. Die Haare fallen in einem schnelleren Rhythmus aus, nachwachsende werden immer dünner. Auch bei Frauen können Hormone bei dieser Form eine Rolle spielen.

Kreisrunder Haarausfall tritt oft plötzlich auf und geht auf eine entzündliche Reaktion des Körpers in den Haarwurzeln zurück. Noch sind die Ursachen nicht genau bekannt. Autoimmunerkrankungen wie eine Schuppenflechte oder aber auch eine Immunschwäche etwa durch Stress, könnten eine Rolle spielen.

Diffuser Haarausfall kann unterschiedliche Gründe haben. Oft wird er durch Medikamente oder medizinische Behandlungen wie zum Beispiel eine Chemotherapie ausgelöst. Wird die Therapie beendet, wachsen in der Regel auch die Haare wieder. Aber auch eine ungesunde Lebensweise wie zum Beispiel einseitige Ernährung kann eine Ursache sein.

Das macht der Arzt

Zuerst wird er untersuchen, welche Art Haarausfall du hast. Bei einer Form ist die Diagnose laut Dr. Barth ziemlich einfach: "Kreisrunden Haarausfall sehen Sie schon relativ deutlich, das lässt sich gut erkennen und auch ganz erfolgreich behandeln." Ist es nicht so offensichtlich, wird der Arzt eine ausführliche Anamnese durchführen, dich nach deiner Krankheitsgeschichte befragen. Es folgen körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Ausreißversuche und genaue Untersuchung deiner Haare. Mitunter entnimmt der Arzt auch eine Gewebeprobe deiner Kopfhaut.

Diese Mittel helfen

Wie erfolgreich eine Behandlung ist, hängt von der Form des Haarausfalls ab.

Ein Mann behandelt seinen Haarausfall
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Bei erblich bedingtem Haarausfall helfen zwei Wirkstoffe: Finasterid, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das nur bei Männern hilft. Es vermindert den Umbauprozess von Testosteron zu DHT, hilft jedoch nicht gegen Geheimratsecken. Achtung Nebenwirkungen: Es kann zu sexueller Unlust oder Potenzschwierigkeiten kommen. Minoxidil gibt es rezeptfrei, etwa in Haarwasser, und kann auch bei erblichem Haarausfall von Frauen helfen. Es erweitert die Blutgefäße und verbessert so die Durchblutung der Kopfhaut. Die Wirkung ist jedoch wissenschaftlich betrachtet geringer als die von Finasterid. Dazu unser Experte: "Die Patienten können von den Medikamenten keine Wunder erwarten. Selbst wenn in Studien ein Haarzuwachs von bis zu 20 Prozent gemessen wurde, ist das für die Betroffenen subjektiv oft kaum wahrnehmbar, weil auch dünnste Haare mitgezählt werden. Im normalen Fall spüren sie lediglich, dass es nicht schlimmer wird." Die gesetzlichen Kassen beteiligen sich nicht an den Kosten für diese Mittel – erblich bedingter Haarausfall gilt nicht als Krankheit sondern als kosmetisches Problem.


Der kreisrunde Haarausfa
ll wird in der Regel mit Entzündungshemmern wie Kortison behandelt. Außerdem wird oft bewusst die Kopfhaut gereizt, um eine bessere Durchblutung zu erreichen. Die Behandlung ist meist sehr erfolgreich.

Im besten Falle kommen die Haare komplett wieder. Aber: Wird die Behandlung beendet, fallen die Haare oft wieder aus. Auch eine Immun- und Lichttherapie kann bei dieser Form helfen, die Haarwurzeln zu stärken und den Haarausfall zu stoppen.

Bei diffusem Haarausfall kann der Arzt nur nach den Ursachen forschen und versuchen, sie gemeinsam mit dem Patienten abzustellen. Manchmal kann schon eine Umstellung der Ernährung oder eine Reduzierung von Nikotin, Alkohol oder bestimmter Medikamente helfen.

Letzter Ausweg Haartransplantation

Eine Haartransplantation hilft vor allem, wenn im vorderen Kopfbereich wieder mehr Haare wachsen sollen. Dafür werden unter lokaler Betäubung Haare aus dem Nackenbereich entnommen und oberhalb der Stirn oder in den Geheimratsecken eingesetzt. Etwa 90 Prozent der transplantierten Haare wachsen tatsächlich an und sorgen für ein volleres Erscheinungsbild des Haares. Allerdings müssen Patienten danach dauerhaft Medikamente nehmen, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Finasterid, um den weiteren Haarverlust zu stoppen. Ab 2.000 Euro aufwärts kostet die OP, die gesetzlichen Kassen beteiligen sich auch hier in der Regel nicht an den Kosten.

Hausmittel und Drogerie

Die Auswahl an Mitteln, die volles Haar versprechen, ist groß. Viele der teilweise sehr teuren Shampoos und Wässer werden in der Hoffnung gekauft, tatsächlich die kahlen Stellen wieder mit Haaren zu füllen. Diese Hoffnung wird in allen Fällen jedoch enttäuscht. Koffein, Taurin, Aminosäure, Hopfen – für all die angepriesenen Inhaltsstoffe ist wissenschaftlich nicht hinreichend die versprochene Wirkung belegt. Egal, was die Hersteller, teils auch mit eigenen Studien versprechen, es hilft nicht. Im Gegenteil: Manche Produkte können Allergien auslösen, andere sind mit Duftstoffen versetzt, die im Verdacht stehen, den Hormonhaushalt zu beeinflussen.    

Wie kann ich vorbeugen?

Eine Frau schaut auf ihre Haarspitzen
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Dicke Raucher sollen angeblich eher zu Haarausfall neigen, bewiesen ist das nicht. Aber auch unser Experte rät zu einer gesunden Lebensweise: "Bekannt ist, dass Stress ein Auslöser für Haarausfall sein kann, also viel Arbeit, wenig Schlaf und so weiter. Sie sollten also versuchen, den Stress zu minimieren. Auch eine ausgewogenen und gesunde Ernährung spielen eine Rolle." Und es ist auch wichtig, wie du deine Haare behandelst. Werden die zu straff zusammengebunden, zieht das an den Haarwurzeln. Auch Kratzen und Reiben an der gleichen Stelle können den Haaren schaden. Zur richtigen Pflege empfiehlt unser Experte: "Sie sollten die Haare nicht zu oft waschen, in der Regel reicht zweimal pro Woche, sonst leidet die Kopfhaut. Das gilt auch für zu heißes Föhnen. Mit nassen Haaren rauszugehen oder gar ohne Mütze in der kalten Jahreszeit, schadet den Haaren normalerweise nicht. Eine Erkältung ist dabei aber nicht ausgeschlossen, je nachdem, wie kältetolerant sie sind."

Fazit

Sollte dich dein Haarausfall stören, geh am besten zum Arzt. Neben einer genauen Diagnose hat er die richtigen Medikamente und Behandlungen. Teure Mittel aus Drogerie und Internet bringen nichts. Wenn gar nichts hilft, versuche den Zustand zu akzeptieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 08. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 06:15 Uhr

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