Quicktipp: Gourmetprodukte vom Discounter Lohnt sich der Aufpreis?

Sektflaschen
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MDR JUMP Di 19.12.2017 02:10Uhr 01:54 min

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In den Wochen vor dem Weihnachtsfest locken Discounter wie Aldi, Netto und Co. mit Gourmet-Produkten: Fisch, Schokolade, Käse, Pasteten, Nachtische oder Fleisch werden dann in besonders edler Verpackung verkauft. Auf der Verpackung prangen dann Siegel wie „Premium“, „Deluxe“ oder „Gourmet“. Diese Produkte kosten meist auch etwas mehr. Aber zu Weihnachten wollen sich Kunden schließlich auch etwas können. Ob sich der Aufpreis für die Gourmetprodukte wirklich lohnt, haben wir mit Ernährungsexperten und Preisdetektiven genauer untersucht.

„Bessere Marge“

Aus Sicht des Hamburger Verbraucherschützers Armin Valet gibt es einen wichtigen Grund, warum vor Weihnachten zunehmend mehr Gourmetprodukte in den Regalen liegen: „Die Discounter wollen Premiumprodukte schaffen, bei denen die Verbraucher auch bereit sind, mehr Geld auszugeben. Diese Produkte sind sehr lukrativ für die Discounter, mit ganz anderen Gewinnmargen als etwa bei einem Liter Milch.“ Diesem Trend zu Gourmetprodukten vor dem Fest folgten alle Discounter. Zudem würden die vermeintlich edleren Produkte immer früher in den Regalen auftauchen. „Die Produkte mit Deluxe und Gourmet sind oft schon vier, fünf Wochen da“, sagt Armin Valet.

Wirklich besser oder nur besser verpackt?

In Deutschland gibt es keine Vorgabe, dass Lebensmittel besser und hochwertiger sein müssen, wenn sie mit „Gourmet“ oder „Premium“ beworben werden. „Es gibt aber zum Teil im Fleisch oder im Wurstbereich Vorgaben in den Leitsätzen, dass Delikatess oder 1a eine höhere Qualität haben muss als normale Ware“, sagt der Verbraucherschützer. Das gibt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vor. Bei Wurstwaren etwa muss dann beispielsweise der Fleischanteil höher und der Fettanteil niedriger sein. „Das sind aber nur wenige Produkte von Fleischwurst bis Schinken und nicht diese Produkte, die man jetzt zu Weihnachten hat, die stark verarbeitet sind“, sagt unser Experte.

Heftige Aufschläge für vergleichbare Produkte

Kurt Meier vom Vergleichsportal Sparratgeber.de hat jetzt vor Weihnachten die Angebote der Discounter überprüft und auch Gourmetprodukte genauer angesehen:  „Bei Kaufland etwa kostet ein Kaffee mit 100 Prozent Arabica-Bohnen in edler Aufmachung 6,69 Euro für 500 Gramm. Für den gleichen Kaffee von der Zusammensetzung her zahlt man bei der Hausmarke K-Classic 7,99 Euro für ein Kilo. Das sind 67 Prozent Aufschlag zu Weihnachten.“ Bei Parmesan-Käse im Stück bei Lidl betrug der Deluxe-Aufschlag fast 100 Prozent. Netto verlangte für ein Kilogramm „Premium“-Clementinen 1,99 Euro. „Die gleichen Clementinen lagen 30 Zentimeter daneben, im Netz schlicht eingepackt, gleiche Handelsklasse und Sorte und Größe. Da kostete ein Kilo aber nur 1,29 Euro“, sagt Kurt Meier. Der Aufschlag betrug mehr als die Hälfte. Auch bei Schokolade langten die Discounter vor Weihnachten deutlich mehr zu.

Luxus-Schnäppchen möglich, wenn gut verglichen wird

Auch wenn die Aufschläge oft drastisch ausfallen und Begriffe wie „Premium“ oder „Deluxe“ nach Ansicht unserer Experten oft nur Worthülsen sind, können Gourmet-Produkte zu Weihnachten trotzdem Luxus für kleines Geld sein, also hochwertig und lecker. Das zeigten Vergleichstests von Stiftung Warentest oder von der ARD in den letzten Jahren immer wieder. Darin schnitten Garnelencocktails vom Discounter durchaus gut ab. Es gab aber auch schlechte Noten für Trüffel-Saucen oder 3-Gänge-Menüs vom Fernsehkoch. Bleibt die Frage, ob Kunden wirklich den Aufpreis zu vergleichbaren Produkten im selben Laden bezahlen müssen. Allerdings machen die Discounter den Kunden den Vergleich schwer. Da werde etwa zu Weihnachten ein Teil der günstigen Produkte komplett durch Gourmet-Produkte ersetzt, sagt Armin Valet. Häufig würden auch so genannte Convenience-Produkte mit Gourmet – oder Luxus-Anspruch verkauft: „Das sind dann fertige Menüs, die von Fernsehköchen kreiert wurden, oder der Lachs ist fertig mit Kräutern drauf in der Verpackung. Da fehlt dann eben die Vergleichbarkeit zu den einfachen, normalen Produkten.“

Detektivarbeit

Wollen Verbraucher wissen, ob sie wirklich hochwertige Produkte kaufen oder nur ein vormals günstiges Produkt in edler Aufmachung, können sie nur die Zutatenliste genau ansehen. „Die sollte einfach nicht zu lang sein: Also nicht zu viele E-Nummern, Zusatzstoffe, Aromen. Die werden oft verwendet um wertgebende Bestandteile wie Früchte teilweise oder ganz zu ersetzen“, rät Armin Valet. Kurt Meier von den Sparratgebern hat für Milchprodukte, Fleisch und Fisch noch einen weiteren Tipp: „Auf diesen Produkten muss eine Veterinärkontrollnummer drauf sein. Und wenn ich ein teures Produkt und ein ähnliches, günstigeres vergleiche, prüfe ich die Nummer auf der Rückseite bei beiden.“ Wenn die Kontrollnummer identisch sei, kommen beide Produkte vom gleichen Hersteller - ein Hinweis auf Preisaufschläge allein mit aufwendiger Verpackung.

Italienische Lebensmittel
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„90 Prozent aller No-Name-Produkte sind eigentlich nur Doppelgänger bekannter Marken, eben nur nicht so deklariert“, sagt der Sparratgeber-Experte. Wer wirklich hochwertige Lebensmittel zu Weihnachten kaufen wolle, könne auf bekannte Namen wie Serrano- oder Parma-Schinken oder Champagner setzen. Für diese Lebensmittel gibt es genaue Qualitäts- und Herkunfts-Vorgaben, die auch ein Discounter einhalten muss. „Ein generelles Qualitätssiegel für teurere Produkte vor Weihnachten gibt’s leider nicht“, sagt Armin Valet.

Fazit

Edelwaren sind vor allem für die Discounter eine Möglichkeit, in der Weihnachtszeit mehr Geld zu verdienen. Verbraucher können durchaus Schnäppchen finden, müssen dafür aber echte Detektivarbeit leisten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 19. Dezember 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2017, 02:10 Uhr