Geschenke online im Ausland kaufen

24.11.2016 | 02:10 Uhr

Wo kaufe ich?

Befindet sich der gewählte Online-Shop in einem EU-Land, fallen in der Regel keine zusätzlichen Kosten an. Für bestimmte Waren sind allerdings Einschränkungen zu beachten. So unterliegen Kaffee, Tabakwaren und alkoholische Getränke der Verbrauchssteuer. Innerhalb der EU gibt es außerdem "Gebiete mit Sonderregelungen". Dazu zählen beispielsweise die Kanarischen Inseln oder Helgoland. Sendungen aus diesen Gebieten werden wie Sendungen aus Nicht-EU-Staaten behandelt. Eine Liste dieser Gebiete mit Sonderregelungen können auf der Internetseite des Zolls eingesehen werden.

Ein Geschenk auf einer Tastatur
Bildrechte: imago/STPP

Wer in einem Shop aus einem Nicht-EU-Land bestellt, muss in vielen Fällen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Ausgenommen sind nur private Geschenksendungen in einem gewissen Umfang. Wiederum nicht abgabenfrei sind Tabakwaren, Parfums und Alkohol. Generell gilt: Waren, die über das Internet zum Beispiel in Asien, den USA oder Südafrika bestellt wurden und …

  • einen Warenwert unter 22 Euro aufweisen, sind abgabenfrei.
  • einen Warenwert von über 22 Euro aufweisen, sind einfuhrumsatzsteuerpflichtig.
  • einen Warenwert von über 150 Euro aufweisen, sind zoll- und einfuhrumsatzsteuerpflichtig.

Zusatzkosten

1. Einfuhrumsatzsteuer

Diese Steuer wird auf Waren aus Drittländern erhoben. Sie liegt bei sieben bzw. 19 Prozent, abgeleitet von den deutschen Mehrwertsteuersätzen. Im häufig angewendeten pauschalierten Abgabesatz beträgt sie 17,5 Prozent.

Ab einem Warenwert von 22 Euro kommt der pauschalierte Abgabesatz für alle einfuhrabgabepflichtigen Waren zur Anwendung, wenn sie unentgeltlich versandt wurden und ausschließlich zum persönlichen Ge- oder Verbrauch im Haushalt des Empfängers bestimmt sind. Dabei darf der Warenwert nicht über 700 Euro liegen. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, werden die Abgaben nach dem Zolltarif berechnet, dann gelten die sieben bzw. 19 Prozent.

Die Einfuhrumsatzsteuer wird allerdings nicht nur auf den Wert der Ware erhoben. Hinzu kommen noch die Transportkosten und – je nach Art der Sendung – Zoll, Verbrauchssteuer (zum Beispiel bei Alkohol oder Tabak), sowie innergemeinschaftliche Beförderungskosten. Wenn es sich bei einer Sendung um ein Geschenk handelt, das privat verschickt wird, steigt die Freigrenze von 22 auf 45 Euro. Für teurere Geschenke wird ebenfalls eine Einfuhrumsatzsteuer fällig.

2. Gebühren für den Zoll

Ab einem Warenwert von 150 Euro ist zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer noch Zoll zu zahlen. Die Höhe hängt von der Ware selbst, ihrem Wert und ihrem Ursprungsland ab. Bei Textilien aus den USA beträgt der Satz beispielsweise zwölf Prozent, bei Zweirädern sind es 14 Prozent. Die EU bietet im Internet eine Datenbank (TARIC) an, die die verschiedenen Zollsätze auf Sendungen aus einem Nicht-EU-Land anzeigt.

Fallstrick: Kaufpreis ist nicht gleich Gesamtwert

Wer sich zum Beispiel aus den USA etwas für umgerechnet 17 Euro bestellt und nun denkt, von allen Abgaben befreit zu sein, der kann sich täuschen. Denn der Gesamtwert einer Sendung ist nicht gleich auch der Kaufpreis. Der Zoll schreibt dazu: "Entscheidend ist, welcher Betrag tatsächlich gezahlt wurde, um die Ware zu erhalten. Sollten im Rechnungsendbetrag Portokosten enthalten sein, werden diese nicht herausgerechnet."

Ein Beispiel: Ein Pullover kostet 21,90 Euro, die Versandkosten betragen fünf Euro. Es ergibt sich ein Gesamtwert von 26,90 Euro. Somit ist die Wertgrenze von 22 Euro überschritten und es müssen zusätzlich 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer gezahlt werden.

Wie werden die Abgaben erhoben?

Sowohl Zölle als auch Einfuhrumsatzsteuer werden in der Regel gleich vom Postboten bei der Zustellung oder bei der Abholung von der Post verlangt. Sollten sich für den Zoll allerdings schon vorher Unklarheiten ergeben, bekommt der Empfänger eine Zollbenachrichtigung. Dann wird er unter Umständen aufgefordert, Rechnungen oder E-Mails vom Online-Shop nachzureichen. Dadurch kann sich die Lieferzeit verlängern. Einfuhrabgaben unter fünf Euro werden in Deutschland vom Zoll nicht eingefordert.

Einfuhr-Verbote

Natürlich gibt es Waren, deren Einfuhr nach Deutschland generell verboten ist. Dazu zählen unter anderem Waffen, Arzneimittel, Plagiate von Markenware sowie CDs/DVDs mit pornografischem oder verfassungswidrigem Inhalt. Waren, deren Einfuhr verboten ist, werden vom Zoll ersatzlos beschlagnahmt.

Die Einfuhr von Arzneimitteln ist nach deutschem Arzneimittelrecht auf dem Postweg grundsätzlich nicht erlaubt. Es gibt allerdings einige wenige Ausnahmen für Europa über die man sich beim Gesundheitsministerium online informieren kann.

Die Zollinhaltserklärung: Immer schön bei der Wahrheit bleiben

Aufkleber auf einer Sendung aus dem Ausland, Einkaufen im Internet, United States Postal Service, Par Avion, Airmail und Aufkleber Zoll Sendung, diese Sendung darf nur an ein Zollamt ausgeliefert werden.
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Auf Paketen, die aus dem Ausland kommen, klebt eine Zollinhaltserklärung. Sie gibt Auskunft über Art und Wert des Inhalts. Hier zu mogeln und die Preise niedriger anzugeben, kann ins Auge gehen. Bei einer Kontrolle kann das finanzstrafrechtliche Konsequenzen haben. In vielen Fällen wird die Sendung vom Zoll dann auch beschlagnahmt und der Empfänger muss persönlich beim Zoll erscheinen.

Tipps für einen problemlosen Online-Einkauf im Ausland

Die Hände einer Frau packen ein Geschenk aus.
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  • Vor dem Kauf über Zollsätze, eventuelle Sonderabgaben und die Einfuhrumsatzsteuer für das gewünschte Produkt informieren.
  • Höhe der Versandkosten beachten, da diese ein vermeintlich günstiges Angebot erheblich verteuern können. Besonders wenn man bei bekannten Online-Shops einkauft, können sich länderspezifisch die Versandkosten ändern. Auch Bedingungen für die Rücksendung weichen von den deutschen Kosten teilweise erheblich ab.
  • Die Ware sollte zum Nettopreis ausgewiesen sein und auch so bestellt werden, sonst zahlt der Kunde doppelte Steuer: die ausländische Mehrwertsteuer und die Einfuhrumsatzsteuer. Sollte sich bei der Bestellung zeigen, dass die landesübliche Mehrwertsteuer erhoben wird, empfiehlt es sich, den Verkäufer zu kontaktieren und zu bitten den Nettopreis auszuweisen. Unbedingt darauf bestehen, dass eine korrekt ausgefüllte Zollinhaltserklärung und eine Rechnung beiliegt, denn nur mit letzterer kann der Warenwert auch belegt werden.
  • Annahme verweigern, wenn bei der Postzustellung ersichtlich ist, dass die Ware beschädigt bzw. die Verpackung der Postsendung nicht in Ordnung ist.

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2016, 02:10 Uhr