Feuerlöscher für Zuhause

05.02.2020 | 02:10 Uhr

Pflicht sind sie nicht: Zumindest in privaten Wohnungen und Häusern muss man keinen Feuerlöscher haben. Und dennoch, egal, wo - sie können verhindern, dass aus einem kleinen Brand ein großes Feuer wird. Feuerlöscher für den Hausgebrauch sind in der Regel kleiner als die herkömmlich in Gewerberäumen eingesetzten Modelle. Aber auch sie lassen sich kinderleicht bedienen. Zu kaufen gibt es die Feuerlöscher im Internet, im Baumarkt, Supermarkt und beim Fachhändler. Der Preis richtet sich nach Art und Größe. Kleine Pulverlöscher erhält man beispielsweise ab 10 Euro, kleine Schaumlöscher ab 15 Euro.

Löscherarten und Brandklassen

Feuerlöscher unterscheiden sich in der Art ihres Inhalts, der Art, wie der Inhalt unter Druck gesetzt wird und nach Bestimmung. Deshalb sollte man sich vorm Kauf bewusst machen, wo der Feuerlöscher gegebenenfalls eingesetzt werden soll.

Der Inhalt (Löschmittel)
Üblich sind Füllungen aus Pulver, Schaum, Kohlendioxid, Wasser oder einer speziellen chemischen Löschlösung. Für den Hausgebrauch kommen vorwiegend Pulver oder Schaum in Frage. Pulver kann Brände mit höheren Temperaturen über längere Zeit (dabei ist allerdings immer nur die Rede von wenigen Minuten) bekämpfen und dringt schnell überall hin. Der Nachteil: Pulver dringt wirklich überall ein, zersetzt im Nachgang empfindliche Bauteile und Stoffe. Nach der Verwendung muss in der Regel der Raum renoviert werden. Schaum deckt Flammen kurzzeitig vollständig ab und hinterlässt deutlich weniger Spuren als Pulver. Deshalb gehören Pulverlöscher eher in Werkstatt und Keller, Schaumlöscher hingegen in die Wohnräume.

Der Druck
Es gibt Dauerdrucklöscher und Aufladelöscher. Dauerdrucklöscher stehen permanent unter Druck und sind in der Regel preislich günstiger. Sie haben aber den Nachteil, dass der Druck bei defekten Dichtungen Stück für Stück nachlässt. Im Ernstfall und ohne regelmäßige Überprüfung kommt einfach nix mehr raus. Wichtig ist deshalb: Dauerdrucklöscher sollten nur mit Manometer gekauft werden. Ist der Zeiger im grünen Bereich, funktioniert der Löscher noch.

Aufladelöscher sind mit einem kleinen Treibgastank ausgestattet. Zu erkennen an dem Druckknopf, den man beim Aktivieren nach unten schlagen soll. Vorteil: Aufladelöscher sind in der Regel langlebiger und wartungsfreundlicher.

Brandklassen
Feuerlöscher sind für einzelne oder auch kombiniert für verschiedene Brandklassen geeignet. Das ist in fünf großen Buchstaben auf dem Löscher vermerkt:

Brandklasse A -  u.a. für feste, Glut bildende Stoffe, wie Holz, Kohle, Textilien.
Brandklasse B -  u.a. für flüssige Stoffe wie Benzin, Farbe, Alkohol.
Brandklasse C - u.a. für gasförmige Stoffe, wie Propan oder auch Stadtgas.
Brandklasse D - u.a. für brennbare Metalle wie Alu oder auch Magnesium.
Brandklasse F - besonders für pflanzliche und tierische Öle und Fette.

Wichtig: Die Brandklasse E für Löscher gegen Elektrobrände gibt es nicht mehr. Mittlerweile eignen sich alle handelsüblichen Löscher auch für die Bekämpfung von Bränden bis zu einer Spannung von maximal 1000 Volt. Dabei muss aber der auf dem Löscher verzeichnete Mindestabstand zum Brandherd eingehalten werden.

Der richtige Löscher für Zuhause

Ein Pulver-ABC-Löscher kann sogar kleinere Fettbrände bekämpfen, und auch mit einem AB-Schaumlöscher ist man zu Hause gut ausgestattet. Wer viel in der Küche mit Fritteuse oder Ähnlichem arbeitet, kann auch einen ABF-Löscher verwenden oder ein Löschspray Klasse F in der Küche bereithalten. Eine Feuerlöschdecke leistet bei kleineren Bränden ebenfalls gute Dienste.

Es gilt jedoch zu beachten: Löschspray-Flaschen haben oft nur einen Inhalt von 500 Millilitern. Sie sind nach wenigen Sekunden leer. Feuerlöscher mit ein oder zwei Kilo Gewicht halten etwas länger und sind auch für nicht so kräftige Leute leicht zu handhaben. Für größere Räume gibt es Löscher von bis zu 12 Kilogramm Füllgewicht. Dabei sollte man vorher prüfen, ob man so einen schweren Löscher tatsächlich schnell und ohne Mühe aus der Halterung und transportiert bekommt. Wichtig beim Kauf: Der Löscher muss nach der DIN-Norm DIN EN 3 zugelassen sein. Sie gewährleistet, dass das Löschgerät die technischen Voraussetzungen für den Einsatz erfüllt.

Erst Feuerlöscher oder erst Feuerwehr?

Auf einem Fahrzeug der Bereitschaftsfeuerwehr in Bamberg ist der Schriftzug 'Feuerwehr 112' angebracht.
Bildrechte: dpa

Alle offiziellen Angaben und Verhaltenshinweise sagen: Zuerst Personen aus der Gefahrenzone bringen, dann Feuerwehr rufen, dann eventuell eigene Löschversuche unternehmen. In der Praxis sollte man abwägen, ob nicht der schnelle Griff zum Feuerlöscher und der beherzte Einsatz verhindern, dass aus einer brennenden Tischdecke oder Ähnlichem ein großer Zimmerbrand wird. Das gilt aber nur, wenn der Löscher wirklich sofort griffbereit ist und man sich und andere nicht in Gefahr bringt. Deshalb sollten Feuerlöscher auch entsprechend leicht zugänglich aufbewahrt werden, zum Beispiel im Flur. Im Normalfall haben die Modelle eine Halterung zur Wandmontage dabei. 

Regelmäßig prüfen

Eine Überprüfung von Feuerlöschern ist im privaten Bereich nicht vorgeschrieben. Allerdings empfiehlt es sich, die Löscher aller zwei Jahre von einem Fachmann kontrollieren zu lassen. Er testet, ob alle Dichtungen intakt sind, alle Teile beweglich und leichtgängig. Bei Löschern mit eingebautem Manometer, also Druckanzeiger, kann man selbst kontrollieren, ob sich der Anzeiger noch im grünen Bereich befindet. Adressen von Fachfirmen gibt es in der Regel dort, wo der Löscher gekauft wurde. Löschsprays haben oft ein Siegel, das die Unversehrtheit anzeigt. Ohne Beschädigung oder falsche Lagerung halten neue Löscher bis zu 20 Jahre. Allerdings muss genau auf die vorgeschriebene Lagerung geachtet werden: Je nach Inhalt funktionieren manche Löscher nicht bei großen Minusgraden. Bei manchen wird es schon ab minus fünf Grad Celsius kritisch, andere funktionieren noch bei minus 30 Grad.

Feuerlöscher im Auto

Feuerlöscher vor dem Beifahrersitz.
Bildrechte: Imago

Länderspezifische Unterschiede
Autos brennen öfter und vor allem schneller als man denkt. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft meldet jährlich rund 40.000 Autobrände, meist wegen einer defekten Elektrik. Das Problem: Solche Schmorbrände entwickeln sich langsam, können sich aber ab einem bestimmte Punkt besonders im Motorraum schnell ausbreiten. Trotzdem sind Feuerlöscher auch im Auto hierzulande nicht vorgeschrieben. Das sieht in vielen anderen europäischen Ländern anders aus. Zum Beispiel in Polen, Griechenland und Litauen ist das Mitführen von Feuerlöschern im Auto Pflicht. Wer mit dem eigenen Auto in diese Länder reist und dort ohne  angehalten wird, muss darauf hoffen, dass der Kontrollierende großzügig ist und auf die Regeln des Heimatlandes Rücksicht nimmt. Beim Mietwagen von vor Ort sollte man genau hinschauen.

Zwei-Kilo-Feuerlöscher ideal
Bis zu zwei Kilo sollte der Löscher maximal schwer sein. Spezielle Autolöscher gibt es mit Schaum- oder Pulverfüllung. Experten raten zum Schaum: Geht der Pulverlöscher nämlich unbeabsichtigt los, versperrt er durch das versprühte Pulver in sekundenschnelle dem Fahrer die Sicht. Das passiert beim Schaum nicht. Außerdem kann bei einem kleinen Brand der Pulverlöscher den Innenraum ähnlich nachhaltig verschmutzten wie die Wohnung. Heißt konkret: Der Innenraum wird so verschmutzt, dass das Auto wertlos wird. Deshalb ist der Zwei-Kilo-Schaumlöscher fürs Auto ideal. Auch das Löschspray kann bei Minibränden helfen. Es lässt sich leicht im Handschuhfach verstauen, hält aber nur wenige Sekunden. Wichtig sind auch fürs Auto die DIN EN 3 Norm und die Frostsicherheit des Löschers.

Wie löschen im Auto?

Auch hier hat der Eigenschutz oberste Priorität: raus aus dem Auto, Unfallstelle absichern, Personen in Sicherheit bringen, Notruf wählen. Erst dann kann man einen Löschversuch unternehmen. Brennt es unter der Motorhaube, können einzelne Sprühstöße unter die nur leicht geöffnete Haube helfen. Niemals sollte die Haube ganz aufgerissen werden. Das gibt dem Feuer nur zusätzlich unterstützenden Sauerstoff. Wichtig: Ein "Kampf" ums Auto ist sinnlos. Brennt es einmal im Motorraum, liegt ohnehin zu 99 Prozent ein Totalschaden vor. Und anders als im Kinofilm explodiert ein Auto auch nur sehr selten, es brennt dafür aber rasend schnell ab.

Spezialfall E-Auto

Ein Feuerlöscher ergibt hier nur für kleinere Brände im Innenraum Sinn. Den brennenden Akku eines E-Fahrzeugs kann nicht mal jede Feuerwehr retten, dafür braucht es tausende Liter Wasser und Stunden an Zeit. Außerdem kann aus den Akkus hochgiftige Säure austreten, die im schlimmsten Fall tödlich wirken kann. Hier gilt also ganz besonders, sich selbst in Sicherheit zu bringen und die Rettungskräfte zu rufen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Februar 2020 | 02:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2020, 02:10 Uhr

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