Quicktipp Faschingsmythen: Was ist erlaubt, was nicht?

Karneval: von den einen ignoriert, von anderen heißgeliebt. Gerade jetzt kann man doch mal so richtig die Sau rauslassen! An Fasching ist schließlich alles erlaubt - oder etwa nicht?

Ausgelassene Närrin beim Faschingsumzug
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Umschau-Quicktipp Faschingsmythen

Faschingsmythen

MDR JUMP Mo 12.02.2018 02:10Uhr 01:42 min

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Karneval, Fasching oder Fastnacht, die drei Begriffe stehen für die närrische fünfte Jahreszeit. Von den einen ignoriert, von anderen heißgeliebt: Gerade jetzt kann man doch dem Affen mal so richtig Zucker geben, die Sau rauslassen und feiern, bis der Arzt kommt. An Fasching ist schließlich alles erlaubt, oder etwa nicht? Wir gehen den größten Faschingsirrtümern nach.

Weiberfastnacht: Darf jede Krawatte abgeschnitten werden?

Am Donnerstag vor Rosenmontag findet mit dem Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval die Weiberfastnacht statt. Symbolisch wird dabei die Macht der Männer, in früheren Zeiten Bürgermeister und Ratsherren, abgeschnitten - die Krawatte muss dran glauben.
In Karnevalshochburgen dürft ihr als Frau mit Schere bewaffnet ins Büro ziehen und den Chef oder die Kollegen derart beschneiden. „In Köln oder Mainz ist das tatsächlich ins Brauchtum übergegangen, da müssen Männer, die an diesem Tag mit Krawatte im Büro erscheinen, mit so einer Aktion rechnen“, erläutert Rechtsanwalt Prof. Markus Heinker.

Eine Närrin schneidet der Tradition gemäß, mit einer Schere einem Herren den Schlips ab
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Anders sieht das in Regionen aus, in denen Karneval keine große Rolle spielt. Wenn ihr einem Mann, der damit nicht rechnet oder das nicht möchte, an diesem Tag einfach so die Krawatte abschneiden, ist das rechtlich gesehen eine Sachbeschädigung. Unser Experte rät deswegen: „Holen Sie sich im Zweifel lieber das Einverständnis!“ - auch wenn das vielleicht nicht mehr so spontan und lustig ist.

Verkleidet zur Arbeit

Das ist an den heißen Tagen des Karnevals, wie 11.11., Weiberfastnacht oder auch Rosenmontag kein Problem. Euer Kostüm darf nur nicht an der korrekten Ausübung eurer Arbeit behindern. Tragt ihr zum Beispiel Arbeitssachen oder gar Uniform, an denen ihr für andere zu erkennen sein müsst, dann ist Verkleidung tabu.

Auch an Stellen, an denen ihr die Firma seriös nach außen vertreten und zum Beispiel Kundenkontakt haben, solltet ihr das Kostüm weglassen. Der Bankangestellte im Büro kann sich also im Prinzip verkleiden, am Schalter verbietet sich das. Das Kostüm darf auch kein Risiko für eure Arbeit und Sicherheit darstellen.
Tragt ihr im Normalfall spezielle Schutzkleidung, dann dürft ihr die nicht durch das Kostüm ersetzen. Auch gegen eine Luftschlange am Monitor oder ähnliche Faschingsdekoration wird niemand etwas einwenden, solange der normale Arbeitsablauf dadurch nicht behindert wird. Fragt im Zweifel den Betriebsrat oder Chef!

Ein Küsschen in Ehren sollten Sie sich auf Arbeit verkneifen

Auch wenn das Küssen - oder Bützchen geben, wie es im Rheinland heißt - vielerorts zur Karnevalstradition gehört, am Arbeitsplatz lasst ihr es lieber sein. Angesichts der aktuellen Sexismus-Debatte kann wildes Drauflosgeknutsche schnell nach hinten losgehen. Trefft ihr euch mit Kollegen auf einer Faschingsparty und sind die anderen klar erkennbar mit einem Küsschen auf die Wange einverstanden, kein Problem.

Alkohol auf Arbeit...

Männer und Frauen stoßen mit Sektgläsern an
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...ist absolut tabu. Nur wenn der Chef ausdrücklich auf ein Glas Sekt einlädt und ihr danach nicht mehr arbeiten müssen, könnt ihr in Maßen zugreifen. Professionell ist das allerdings in keinem Fall.

Mit Maske Auto fahren

Bei einer Demonstration gilt in Deutschland Vermummungsverbot, beim Autofahren nicht. Dazu unser Experte:

Das ist europaweit einzigartig, aber Sie dürfen tatsächlich mit Karnevalsmaske am Lenker sitzen und fahren.

Werdet ihr in Kostüm und Maske geblitzt und verweigern die Aussage darüber, wer zum fraglichen Zeitpunkt am Lenker saß, dann haben Ordnungsamt und Polizei für dieses Mal Pech. „Sie müssen dann aber damit rechnen, dass Ihnen auferlegt wird, für ein halbes Jahr ein Fahrtenbuch zu führen, da Sie offensichtlich nicht immer kontrollieren können, wer wann Ihr Fahrzeug führt“, so Prof. Heinker. Für eine Privatperson mag das nicht so problematisch sein. Sollten Sie allerdings mit einem Firmenfahrzeug erwischt werden und hat die Firma einen größeren Fuhrpark, dann kann diese Auflage auch für alle Fahrzeuge gelten.  

Einmal Polizist sein

Karnevalistenpaar im FBI Kostüm
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Diesen Wunsch könnt ihr euch gerne zum Fasching erfüllen. Allerdings sollte das Kostüm sich deutlich von einer echten Polizeiuniform unterscheiden. „Wenn Sie ein täuschend echtes Kostüm tragen  und dann vielleicht noch in der Öffentlichkeit Polizist spielen, dann ist das Amtsanmaßung und das kann bestraft werden“, warnt Rechtsanwalt Heinker. Es muss also immer klar erkennbar sein, dass ihr nur ein Kostüm tragt. Auch eine Spielzeugpistole, die täuschend echt aussieht, solltet ihr nicht öffentlich tragen.

Betrunken nach Hause laufen

Irgendwann ist die schönste Feier zu Ende. Sollten Bus und Bahn nicht mehr fahren und ihr klugerweise Auto oder Fahrrad stehen lasst, müsst ihr im öffentlichen Verkehrsraum laufen. Verhaltet euch dabei unauffällig und gefährden andere nicht, ist das kein Problem. Fallt ihr allerdings mehrfach stark alkoholisiert als Fußgänger auf, dann kann die Polizei von euch einen sogenannten Idiotentest fordern. Solltet ihr dazu nicht bereit sein, kann euch der Führerschein entzogen werden. 

Party ohne Ende?

Egal ob Karneval oder nicht, ab 22 Uhr müsst ihr als Privatperson die Lautstärke auf Ihrer Party so einstellen, dass Nachbarn nicht gestört werden und in Ruhe schlafen können. Für Kneipen, Restaurants und öffentliche Veranstalter können gerade zu Fest- und Feiertagen andere Regeln gelten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 12. Februar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2018, 02:10 Uhr