Die richtige Fahrschule finden

19.07.2018 | 02:10 Uhr

Schild "Fahrschule" auf dem Dach eines Autos. 2 min
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Umschau-Quicktipp Fahrschulen

Fahrschulen

MDR JUMP Do 19.07.2018 02:10Uhr 01:33 min

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Laut Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF) dürfen in Deutschland rund 10.000 Fahrschulen in insgesamt etwa 15.000 Filialen ausbilden. Entsprechend groß ist die Auswahl für Fahrschüler, zumindest in größeren Städten und dichter besiedelten Regionen. Leider hilft bei der Wahl der passenden Fahrschule kein Gütesiegel weiter. Regelmäßige Kontrollen der zuständigen Behörden sollen aber zumindest sicherstellen, dass keine schwarzen Schafe Fahrschüler abzocken. In einigen Bundesländern sind dafür die Landratsämter zuständig, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kontrollieren die Straßenverkehrsämter. "Die überwachen beispielsweise, ob die gesetzlichen Vorgaben für den Ablauf der Ausbildung eingehalten werden und ob die Fahrzeuge in Ordnung sind", sagt Kurt Bartels, erster stellvertretender Chef der BVF. In Mitteldeutschland prüften die Ämter zusätzlich, wie gut die Fahrschulen ausbilden. "Da kommen dann auch Fachleute in den Unterricht", sagt Kurt Bartels.

Checkliste durchgehen

Ein junger Mann hält lachend einen Autoschlüssel in der einen und einen EU-Führerschein in der anderen Hand.
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Möglichst kurze Wege zur Fahrschule und faire Preise: Das sind in der Regel die wichtigsten Auswahlkriterien. Sie sollten aber laut ADAC nicht die einzigen sein. Der Automobilverband rät Fahrschülern und Eltern, sich grundsätzlich vorher immer persönlich einen ersten Eindruck zu verschaffen. "Da kann man auf ein paar wichtige Punkte achten: Sind die Räume in der Fahrschule ansprechend, die Fahrzeuge in einem guten Zustand und die Mitarbeiter freundlich und hilfsbereit?", sagtKatharina Lucà vom ADAC. Viele Fahrschulen würden inzwischen auch kostenlose Probestunden anbieten. "Da ist man in einer Theoriestunde dabei und kann sich ein Bild vom Fahrlehrer in Aktion machen und wie gut der auf seine Schüler eingeht. Außerdem sieht man, wie viele Schüler in den Kursen sind", erklärt die Expertin. Angehende Autofahrer können zudem darauf achten, ob die Fahrschule in der Theorieausbildung mit neuen Medien und mit Unterrichtsmethoden abseits vom Frontalunterricht arbeitet. Zudem sollten die Theoriestunden zu mehreren unterschiedlichen Tageszeiten angeboten werden und möglichst auch so, dass Fahrschüler nicht nur einmal pro Woche teilnehmen können. Das verkürzt die Ausbildungszeit enorm. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände und einige Automobilverbände bieten Informationen und Checklisten zum Runterladen an, in denen die wichtigsten Punkte für eine gute Fahrschule zusammengefasst sind.

"Wie viele Fahrschüler haben es bei Ihnen im ersten Anlauf geschafft?"

Zeigt sich eine Fahrschule bei dieser und anderen wichtigen Fragen offen, ist das zumindest ein Hinweis auf einen seriösen Anbieter. Im deutschlandweiten Schnitt schaffen laut Automobilclub Europa (ACE) etwas mehr als 77 Prozent der Fahrschüler im ersten Anlauf die praktische Prüfung. Wünschenswert wäre eine Quote von 90 Prozent. Seriöse Fahrschulen sind auch bei den Preisen transparent:

Das ist wichtig, weil für den Führerschein nicht mit Festpreisen geworben werden darf. Fahrschüler müssen sich daher ihre voraussichtlichen Kosten aus den Einzelposten zusammensuchen. Das sind in der Regel:

  • Grundgebühr für Verwaltung und theoretische Ausbildung. Die sollte laut ADAC und Fahrlehrerverbänden nicht mehr kosten als das Zehnfache einer einfachen Fahrstunde.
  • Gebühren für die Vorstellung zu Theorie- und Praxisprüfung. Die sollten maximal das Fünffache einer einfachen Fahrstunde betragen.
  • Preise für Normalfahrstunden und Sonderfahrstunden (Nachtfahrten oder Autobahnfahrten). Letztere sollten laut ADAC höchstens anderthalb mal so viel wie einfache Fahrstunden kosten.
  • Gebühren für den Sehtest und den Erste-Hilfe-Kurs. Die müssen zwar nicht an die Fahrschule gezahlt werden. Führerschein-Anwärter sollten sie aber trotzdem mit auf der Rechnung haben.

Unseriös sind aus Sicht der Fahrlehrerverbände versteckte Kosten für das Ausbildungsmaterial oder zusätzliche Grundgebühren, die nach einer nicht bestandenen Prüfung fällig werden.

Realistischer Zeitplan

Eine junge Frau schaut aus einem Auto heraus und zeigt lachend ihren Führerschein.
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Einen fixen Preis für den Weg zum Führerschein können die Anbieter auch nicht nennen, weil die Zahl der Normalfahrstunden von den Fähigkeiten des Fahrschülers abhängt. Einzig die zwölf Sonderfahrten sind vorgeschrieben. "Da gibt es online bei den Fahrlehrerverbänden nachvollziehbare Ausbildungspläne und da sieht man dann, welches Minimum an Stunden man für den Führerschein braucht", sagt Katharina Lucà. Auch wenn Extra-Fahrstunden kosten: Sie sind immer noch günstiger als ein zweiter Anlauf bei der praktischen Prüfung. "In größeren Städten mit viel Verkehr wie Leipzig, Magdeburg oder Erfurt können da auch leicht 35 Fahrstunden zusammenkommen", sagt Kurt Bartels. Zwischen 1.700 und 2.200 Euro sollten Fahrschüler daher in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für den Führerschein einplanen.

Bei Ärger darf man wechseln

Auf einem roten Schild steht in weißer Schrift der Schriftzug "FAHRSCHULE".
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In der Theorieausbildung klappt alles gut, aber bei den Fahrstunden gibt es immer wieder Diskussionen oder Ärger zwischen Fahrlehrer und -schüler. Oder der Fahrschüler fühlt sich nicht gut betreut. In solchen Fällen sollte man zuerst immer die Fahrschule ansprechen, rät Kurt Bartels: "Die haben ja meist mehrere Ausbilder und dann kann man vielleicht zu einem anderen wechseln." Hilft das auch nicht, darf man sich sogar eine andere Fahrschule suchen. "Das ist vielen nicht klar, aber ein Fahrschüler kann jederzeit ohne Angaben von Gründen die Fahrschule wechseln", sagt der BVF-Vizechef. In solchen Fällen sei dann die alte Fahrschule verpflichtet, einen Ausbildungsnachweis auszustellen. "Das ist sozusagen die Vita des Fahrschülers mit allen Daten und auch wie viele Stunden Theorie oder Praxis man schon hatte", sagt Kurt Bartels. Bei Ärger mit der Fahrschule helfe auch die zuständige Fahrerlaubnisstelle weiter, also Landratsamt oder Straßenverkehrsbehörde.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 19. Juli 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2018, 02:10 Uhr