Quicktipp Fahrradträger fürs Auto: Das solltest du wissen

01.06.2018 | 02:10 Uhr

Fahrräder am Heckklappenträger eines Multivans 2 min
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MDR JUMP Fr 01.06.2018 09:10Uhr 02:05 min

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Wer im Urlaub radeln will, gibt für ein Mietbike schon mal 20 Euro pro Tag aus. Die Alternative: Du nimmst deinen Drahtesel mit und legst dir dafür einen Fahrradgepäckträger fürs Auto zu. Ob sich das lohnt, welches Modell für dich optimal ist und was du bei Kauf und Montage beachten musst, haben wir mit Johannes Boos vom ADAC geklärt. 

Diese Modelle stehen zur Auswahl

Fünf Arten von Radträgern kannst du an deinem Auto montieren. Der klassische Fahrradträger lässt sich auf nahezu jedes Auto bauen, an das du einen normalen Dachgepäckträger montieren kannst oder das zumindest eine so genannte Reling hat. Ein Heckklappenträger bedarf dagegen keiner Reling, er kann – wie der Name schon sagt – an die Heckklappe der Autos montiert werden. Ein Kupplungsträger wird mittels Spannvorrichtung auf der Anhängerkupplung befestigt. An gleicher Stelle, aber fest im Fahrzeug eingebaut, ist der integrierte Fahrzeugträger. Und wenn du viel Platz im Auto hast, kannst du einen Innenraumträger montieren.

Der Dachträger

Fahrrädern auf dem Dachgepäckträger eines PKW
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Der Fahrradträger an sich ist schnell montiert und mit Anschaffungskosten ab ca. 80 Euro auch sehr preiswert. Unser Experte schränkt allerdings ein: “Bei diesem Trägersystem befinden sich die Räder voll im Fahrtwind. Das bedeutet einen Mehrverbrauch an Sprit von bis zu 50 Prozent.“ Je weiter die Anfahrt in den Urlaub, desto teurer kommt dich also auch der Radtransport. Hinzu kommt, dass die Gewichtsverteilung ungünstig ist: Der Schwerpunkt des Autos wird nach oben verlagert. Brems-, Beschleunigungs-, und Radialkräfte wirken hier besonders stark. Vorteil des Dachgepäckträgers: Sind die Räder einmal montiert, behindern sie nicht beim Ein- und Ausladen. Nachteil: Gerade für schwere Räder wie Pedelecs und E-Bikes sind die Dachträger nicht zu empfehlen. Bei 20 Kilo Zuladung ist für die meisten Systeme ohnehin Schluss, und neuere E-Bikes sind auch ohne Akku oft deutlich schwerer.

Der Heckklappenträger

Auch hier sind die Anschaffungskosten vergleichsweise gering. Günstige Träger gibt es schon ab 60 Euro. Die Montage gestaltet sich einfach, auch wenn du dabei ganz genau aufpassen musst, dass du nicht den Autolack zerkratzt. "Allerdings können diese Träger an vielen neueren Autos gar nicht mehr montiert werden. Entweder sind Heckklappen teilweise aus Glas und somit als Untergrund ungeeignet oder die geringen Spaltmassen lassen die Montage nicht mehr zu“, erklärt Johannes Boss vom ADAC. Hinzu kommt, dass du in vielen Fällen Räder und Träger abmontieren musst, um an deinen Kofferraum zu gelangen. Das ist umständlich und zeitraubend.

Der Kupplungsträger

Die teuerste, aber auch sicherste Variante ist, den Träger auf die Anhängerkupplung zu setzen. "Für ein gutes System müssen Sie schon 300 bis 400 Euro ausgeben", sagt unser Experte. "Hinzu kommen die Kosten für die Anhängerkupplung, falls Sie noch keine haben.“ Allerdings musst du nur einen Mehrverbrauch an Sprit von bis zu 18 Prozent in die Benzinkosten einrechnen. Gleiches gilt auch für den Heckklappenträger und den integrierten Fahrradträger. Auch sind diese beiden Systeme gerade bei einem Auffahrunfall sicherer als der Dachfahrradträger. Die Fahrräder werden durch das Auto daran gehindert, nach vorne auszubrechen. "Vorteil gegenüber den Heckklappenträgern ist, dass sich viele Kupplungsträger auch mit Rädern nach vorne abklappen lassen. So können Sie auch beladen an Ihren Kofferraum gelangen", ergänzt Boos. Und die Kupplungsträger lassen sich aufgrund ihrer tiefen Position am besten mit schweren E-Bikes beladen. Die rund dreißig Kilo eines solchen Rades aufs Dach zu stemmen, fällt da schon deutlich schwerer.

Der integrierte Fahrradträger

Flexfix nennt sich das System, welches lediglich Opel in vielen seiner Modelle anbietet. Wie eine Schublade kommt der Träger am Heck aus der Stoßstange gefahren und kann bequem zwei Räder aufnehmen. Es gibt auch entsprechende Erweiterungen. Vorteil für Vielradfahrer: Du hast den Träger immer an Bord. Wenn er nicht gebraucht wird, verschwindet er einfach. Nachteil: Eine Anhängerkupplung kannst du an ein solches Auto nicht montieren. Je nach Modell musst du ab rund 250 Euro Aufpreis für das System einrechnen.

Der Innenraumträger

Ideal sind diese Träger für Autos mit großem Innenraum. Je nach Modell blockieren sie nämlich einen Großteil des Kofferraums und der Rücksitze. Je nach Größe des Autos müssen für den Transport oft das Vorderrad und manchmal sogar Sattel und Lenker abmontiert beziehungsweise eingefahren werden - für Familien also eher ungeeignet. Vorteil: Die Räder sind wetter- und diebstahlsicher im Innenraum untergebracht. Ab 40 Euro kostet das System für ein Rad.

Der richtige Träger für dein Auto

Das wichtigste Kriterium bei der Wahl deines Radträgers ist allerdings, dass der Träger auch zum Fahrzeugtyp passt. Hinweise dazu findest du teilweise in deinen Papieren oder auch den Informationen des Trägerherstellers. Im Zweifel sagt dir der Hersteller deines Autos, welche Träger für dein Fahrzeug zugelassen sind. Auch passt nicht jedes Fahrrad zu jedem Träger. Beachte hier besonders die Größe, Materialstärke und das Material des Rahmens und ob die Träger sich daran überhaupt sicher befestigen lassen.  

Höchstgeschwindigkeit, Traglasten und Kennzeichen

Die Höchstgeschwindigkeit mit Radträger schreibt dir der Hersteller des Trägers vor. Dazu sagt unser Experte: “Die meisten Radträger haben eine Geschwindigkeitsbegrenzung bei 120 Stundenkilometern, bei manchen dürfen Sie bis zu 130 km/h fahren. Das müssen Sie allerdings in der Praxis nicht ausreizen.“ Bis zu dieser vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit hast du deinen normalen Versicherungsschutz. Wer schneller fährt, kann den unter Umständen verlieren. Auch die zulässigen Traglasten deines Autos musst du beachten: "Beim Dach ist in der Regel bei 90 Kilogramm Schluss. Manche Dächer halten auch nur 40 Kilo aus - und da müssen Sie die Räder und das Gewicht des Trägers zusammenrechnen. Gleiches gilt natürlich auch für die Heckklappenträger“, erklärt Boos.

Gerade beim Kupplungsträger  schauen viele nicht so genau hin. Bei Zuglasten bis zu einer Tonne kann man den ja richtig vollpacken, so der Irrglaube. Der Radträger wird eben nicht gezogen, sondern getragen, und dafür musst du die zulässige Stützlast deiner Anhängerkupplung beachten. Manche Modelle sind auch da schon bei 80 Kilogramm an ihrer Grenze. Zwei jeweils dreißig Kilo schwere E-Bikes und das Eigengewicht des Trägers, und dann ist auch schon Schluss. "Außerdem dürfen Sie nur Anhängerkupplungen aus Stahl nutzen. Modelle aus Aluminium sind dafür nicht geeignet“, warnt Johannes Boos. Sollte dein hinteres Nummernschild durch Heckklappenträger oder Kupplungsträger verdeckt werden, musst du an den Trägern ein gleichlautendes Schild anbringen. Du brauchst dafür aber keine Siegel oder TÜV-Marke, solange sich auch das eigentliche Schild am Auto befindet. 

Montage und Nutzung

Auf einer Straße ist der Schatten eines Autos, das auf dem Dachträger ein Fahrrad transportiert, zu sehen
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Die meisten Fahrradträger lassen sich zu zweit am einfachsten und sichersten beladen. Verwende zum Befestigen der Räder nur die vorgeschriebenen Gurte oder Spannvorrichtungen. Alle Schrauben, Stifte und Splinte müssen fest sitzen. Der Kugelkopf am Kupplungsträger muss fettfrei sein. Alle zusätzlichen Anbauteile am Rad, wie etwa Akkus von E-Bikes, Einkaufskörbchen oder Luftpumpen und Taschen müssen für den Transport abmontiert werden. Auf keinen Fall solltest du die Räder mit Planen oder Folie gegen Regen und Schmutz abdecken. Das erhöht den Luftwiderstand und kann beim Abreißen der Folie zu schweren Verkehrsbehinderungen führen. Überprüfe während des Transports immer wieder Sitz und Befestigung von Träger und Rädern.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 01. Juni 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2018, 02:10 Uhr

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