Quicktipp Fahrrad als E-Bike nachrüsten

04.05.2018 | 02:10 Uhr

Mann mit Fahrradhelm und E-Bike 2 min
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MDR JUMP Fr 04.05.2018 02:10Uhr 01:45 min

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"Ich fahre E-Bike." - vor zehn Jahren wurde man für so einen Satz belächelt. Mittlerweile gibt es mehr als drei Millionen elektrisch angetriebener Räder in Deutschland. Allein 2016 wurden 600.000 Stück verkauft. E-Bikes sind also in. Out sind nach wie vor die hohen Anschaffungskosten ab rund 1.000 Euro. Wie wäre es, wenn du dein normales Fahrrad stattdessen in ein E-Bike umrüstest?    

Kurze Sachkunde

E-Bikes fahren, ohne dass der Fahrer in die Pedale tritt, einfach auf Knopfdruck. Die meisten Elektrofahrräder sind daher eigentlich Pedelecs. Das steht für Pedal Electric Cycle. Diese Pedelecs unterstützen den Fahrer nur dann, wenn er auch selber in die Pedale tritt, und bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde mit maximal 250 Watt Unterstützung. Nur dann gelten Elektrofahrräder auch noch als Fahrräder und müssen nicht zugelassen werden. Pedelecs 45 oder auch S-Pedelecs unterstützen den Fahrer mit 500 Watt und mehr bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Dafür brauchst du wie beim Moped eine Betriebserlaubnis und Versicherung. Ab sechs Kilometern pro Stunde sind diese Systeme zulassungspflichtig.

Vom normalen Fahrrad zum E-Bike/Pedelec

Die Batterie an einem E-Bike.
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Um ein normales Fahrrad auf ein E-Bike/Pedelec umzurüsten, bieten viele Firmen spezielle Umbausätze an. Dabei hast du drei Möglichkeiten: Vorderradmotor, Hinterradmotor oder Motor unterm Tretlager. Für die Radvarianten brauchst du spezielle kurze Speichen, da die Motoren in der Nabe sitzen. Die Anbieter werben damit, dass es auch ohne große technische Kenntnisse nur ein paar Stunden dauert, dein Rad umzurüsten. Eine amerikanische Vorderrad-Variante soll sogar in ein paar Minuten umrüstbar sein. Allerdings ist sie in Deutschland noch nicht auf dem Markt und auch wegen der fehlenden 25 Stundenkilometerbegrenzung rechtlich in einer Grauzone unterwegs.

Wer macht es?

Entweder rüstest du dein Rad selbst um oder du gibst es in eine Fachwerkstatt. Vorteil dort: Du bekommst auf den Einbau der Teile und deren Funktion eine Garantie. Nachteil: Wenn du den Nachrüstsatz, das neu eingespeichte Rad, Akku und die Arbeitszeit zusammenrechnest, kommst du schnell auf 1.500 Euro und mehr. Da kannst du dir lieber ein neues E-Bike zulegen und dein altes Rad aufheben oder verkaufen.

Tipp des Profis

Konrad Krause ist Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Dresden und rät allen Selbst-Umbauwilligen Radbesitzern: „Lassen Sie die Finger davon! Das kann in 99 Fällen gut gehen, aber im Ernstfall gefährden Sie durch ein vermurkstes Rad nicht nur sich sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.“

Gründe, warum du nicht selbst umrüsten solltest

Dein eigenes Rad: Maximal fünf bis sechs Jahre sollte ein Rad alt sein, damit du es umrüsten kannst. Denn auch die besten Räder altern. Lager, Speichen, Bremsen, Bowdenzüge sind dann nicht mehr maximal belastbar. Nur der Fachmann kann wirklich einschätzen, ob sich dein Rad überhaupt für einen Umbau zum E-Bike/Pedelec eignet. „Hinzu kommt, dass Ihr Fahrrad dafür konstruiert wurde, ein normales Fahrrad zu sein. Beim Bau haben die Konstrukteure einen späteren Umbau nicht eingeplant“, warnt der Experte. Außerdem solltest du beachten:

Das massive Leistungsupgrade: Ein normaler Radler tritt mit etwa 100 Watt Leistung in die Pedale. Bei entsprechender Umrüstung können durch die Motoren von 250 Watt bis zu 1.500 Watt und mehr geleistet werden. Ob das Rad diese Mehrbelastung aushält, ist fraglich.

Der Garantieverlust: Durch den massiven Eingriff am Rad verlierst du die Garantieansprüche auf das ursprüngliche Produkt.

Die unklaren Angebote: Auf Plattformen wie Ebay oder direkt auf den Onlineseiten diverser Händler wist du mit Preisen ab 200 Euro für einen Umrüstsatz gelockt. Und es ist tatsächlich nur ein Locken. Bei genauerem Hinsehen bekommst du dafür in der Regel nur einen Motor. Kaufst du noch Akku, Bedienelemente, Sensoren und ein speziell eingespeichtes Rad dazu (und das brauchst du alles), landest du schnell bei 1.000 Euro.

Das fehlende Werkzeug: Schnell und ohne Aufwand ist der Umbau meist nicht möglich. Gerade für den Einbau eines Mittelmotors musst du dein altes Tretlager ausbauen. Dafür brauchst du spezielle Abzieher und andere Werkzeuge, die normalerweise nicht in Keller und Geräteschuppen rumliegen. Und du musst damit umgehen können. Erfahrung beim Einbau eines Nabenmotors ist hilfreich. Ohne Übung könnte das Einspeichen und Zentrieren eines Rades schon zur Geduldsprobe werden.

Die unsicheren Komponenten: Günstige Preise werden auf Online-Plattformen oft durch den Verkauf von gebrauchten Komponenten ermöglicht. Dazu warnt Konrad Krause vom ADFC: „Das ist wie eine Black Box, gerade bei wichtigen Elementen wie der Motorsteuerung wissen Sie überhaupt nicht, ob das alles richtig funktioniert. Gibt die Steuerung im richtigen Moment die Energie so frei, wie Sie das wollen, funktioniert die Energieunterbrechung oder rollt das Rad einfach weiter?“  

Aktenmappe zum Thema Haftpflicht.
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Der Versicherungsschutz: Als normaler Radfahrer bist du über deine Privathaftpflicht versichert. Mit einem nachträglich eingebauten Nachrüstsatz, der schnelleres Fahren als 25 Kilometer pro Stunde erlaubt, riskierst du deinen Versicherungsschutz. Bei Umbauten bis 45 Kilometer pro Stunde brauchst du eine Fahr-, eine Betriebserlaubnis und eine spezielle Haftpflichtversicherung. Außerdem besteht dann Helmpflicht.        

Fazit

Prüfe sorgfältig, ob sich der Umbau deines Rades zu einem E-Bike/Pedelec wirklich lohnt. Lass Machbarkeit und Kosten in jedem Fall von einem Fachmann abschätzen. Nur, wenn du technisch sehr versiert bist, kannst du dich selbst an den Umbau wagen. Checke aber, ob nicht der Kauf eines neuen E-Bikes inklusive Garantie und Wartung am Ende nicht doch die bessere Entscheidung ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 04. Mai 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2018, 02:10 Uhr

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