Quicktipp E-Zigaretten – Wie schädlich ist die Alternative zum Tabak tatsächlich?

02.03.2018 | 02:10 Uhr

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Umschau-Quicktipp E-Zigaretten

E-Zigaretten

MDR JUMP Fr 02.03.2018 02:10Uhr 01:57 min

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Sie gelten als saubere und unschädliche Alternative zur richtigen Zigarette: Bei E-Zigaretten wird kein Tabak verbrannt und nur eine nikotinhaltige Lösung verdampft. Damit sollen die Nutzer deutlich weniger Schadstoffe aufnehmen. Aktuell fehlen aber noch Langzeitstudien dazu, welche Wirkung die verdampften Stoffe über Jahre hinweg haben. Auch die Gesetzeslage ist in Bezug auf E-Zigaretten noch nicht ganz klar.

Keine oder nur wenige krebserregenden Stoffe

Vereinfacht gesagt bestehen E-Zigaretten aus einem Mundstück, einem Behälter für das so genannte Liquid mit Nikotin, einem Akku und einem Vernebler oder auch Verdampfer. Der damit produzierte Dampf enthält laut Studien kaum krebserregende Substanzen wie sie etwa beim Verbrennen von Tabak entstehen. „Größere Mengen dieser Stoffe entstehen nur, wenn die Flüssigkeit überhitzt wird. Da besteht bei den neueren Geräten eine höhere Gefahr, weil die eine sehr hohe Leistung haben“, sagt Dr. Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Im Dampf seien zudem noch genügend Stoffe enthalten, die Atemwege reizen und Entzündungen fördern können. So kann der Inhaltsstoff Propylenglykol in Dampfform Augen- oder Nasenschleimhäute reizen. „Bei einer langfristigen Nutzung von E-Zigaretten kann Asthma auftreten“, sagt Ute Mons. Das Risiko für Herzkreislauferkrankungen durch den Dampf sei derzeit noch nicht geklärt.

Wie verhalten sich Lebensmittelaromen beim Verdampfen?

Derzeit gibt es noch keine Langzeitstudie dazu, welche Folgen E-Zigaretten langfristig auf die Gesundheit haben. „Diese Geräte sind eben noch nicht lang auf dem Markt und sie werden nur selten genutzt: Höchstens ein bis zwei Prozent der Bevölkerung nutzen E-Zigaretten und meist sind das ehemalige Raucher“, sagt unsere Expertin. Für belastbare Studienergebnisse bräuchten die Forscher aber unter anderem auch E-Zigaretten-Nutzer, die vorher gar nicht geraucht haben. Das bisher gesammelte Wissen zu den Geräten haben die Wissenschaftler vor allem aus kurzen Studien über mehrere Wochen. „Da sieht man, dass es weniger Biomarker im Blut gibt, die auf krebserzeugende Substanzen aus Tabakrauch hinweisen. Die Werte gehen zurück, wenn man mit dem eigentlichen Tabak-Rauchen aufhört“, sagt Ute Mons. Offen sei jedoch derzeit, welche Auswirkungen die Aromastoffe in den Liquids haben. Über 8.000 dieser Aromen werden bisher verwendet. Die sind als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen, aber in ihrer Wirkung beim Dampfen noch kaum untersucht. „Da wissen wir eben noch nicht, was bei den Aromen passiert, wenn die erhitzt und inhaliert werden und ob die eventuell auch gefährlich sind“, sagt Ute Mons.

Das kleinere Übel

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Aus Sicht der meisten Experten sind E-Zigaretten nicht harmlos. Sie sind aber zumindest deutlich weniger schädlich als richtige Zigaretten. Diese Einschätzung gilt auch für das Passivrauchen. Der Dampf enthält deutlich weniger Schadstoffe, die dann von Umstehenden aufgenommen werden könnte. „Bei Zigaretten entsteht ja der Passivrauch zudem auch, wenn die Zigarette nur da liegt oder in der Hand gehalten wird. Das hat man bei E-Zigaretten nicht. Was da in die Außenluft geht, hat der Nutzer inhaliert und wieder ausgeatmet.“ Offen ist derzeit aber noch, ob E-Zigaretten den Weg zum Tabak leichter machen. Ebenso unklar ist noch, ob es die Geräte Rauchern schwerer machen, komplett vom Nikotin los zu kommen. „Es gibt einzelne Studien, nach denen E-Zigaretten bei Jugendlichen dazu führen, dass sie abhängig werden und später auf Tabak umsteigen“, sagt Ute Mons. Nach derzeitigem Stand würden aber wenige Menschen in Deutschland direkt mit der E-Zigarette anfangen. Die mit Abstand meisten Nutzer seien frühere Raucher.  

Tabakerhitzer

Auch das IQOS genannte Gerät vom Tabakkonzern Philip Morris wird als Alternative zur richtigen Zigarette beworben. „Die neue Art, Tabak zu genießen“ stand etwa auf den Werbeplakaten zur Einführung. Das Gerät funktioniert aber anders als die E-Zigaretten mit ihrem Verdampfer. Damit gelten die Einschätzungen unserer Expertin zu den Verneblungs-Geräten nicht für den IQOS. „Das ist auch ein elektronisches Gerät. In das wird aber keine nikotinhaltige Flüssigkeit wie in E-Zigaretten eingebracht, sondern Tabak“, sagt Ute Mons. Kleine, mit Feuchthaltemitteln behandelte Tabaksticks werden im IQOS laut Hersteller auf 300 Grad erhitzt. „Der dabei erzeugte Dampf enthält per se auch schädliche und zum Teil krebserregende Substanzen. Nach den bisherigen Studien scheint es aber so, dass der Schadstoffgehalt bei IQOS geringer ist als bei normalen Zigaretten“, sagt unsere Expertin. Derzeit sei allerdings noch nicht abschätzbar, welches Risiko für langfristige Gesundheitsschäden Nutzer des IQOS haben.

Gesetzeslage

Der Berliner Rechtsanwalt Tim Hoesmann weist darauf hin, dass für E-Zigaretten das Nichtraucherschutz-Gesetz keine Rolle spielt. „Das Gesetz zielt vereinfacht gesagt immer darauf ab, dass etwas verbrannt wird. Und bei der E-Zigarette wird nichts verbrannt, das Liquid wird verdampft“, sagt der Jurist. Damit könnten Nutzer zumindest in der Theorie ihre E-Zigarette auch in Kneipen, Restaurants oder öffentlichen Gebäuden nutzen, ohne Strafen befürchten zu müssen. Allerdings dürfen Wirte und auch die Betreiber von öffentlichen Gebäuden wie etwa die Deutsche Bahn E-Zigaretten verbieten. Grundlage dafür ist das so genannte Hausrecht. „Der Wirt kann einen Aushang machen, kann darauf hinweisen, das auf die Speisekarte schreiben. Da gibt es keine einheitliche Vorgabe“, sagt Tim Hoesmann. Auch im Arbeitsrecht fehle derzeit eine einheitliche Rechtsprechung zu E-Zigaretten. „Ich tendiere da zu der Sicht: Es ist erlaubt, so lange es keinen stört und sich keiner beschwert. Sobald das jemand macht, muss das Ganze aber geprüft werden“, sagt unser Experte. Auch der Arbeitgeber dürfe E-Zigaretten dann dank seines Hausrechts verbieten.

Fazit

Aus Sicht von Experten sind E-Zigaretten und auch der IQOS zumindest weniger schädliche Alternativen zu richtigen Zigaretten. Allerdings gibt es noch keine Langzeitstudien zu den Geräten. Damit bleibt offen, welche Folgen Inhaltsstoffe wie Aromen langfristig haben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 02. März 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2018, 02:10 Uhr