Quicktipp: Kaufberatung Digitale Klaviere: Wie gut sind E-Pianos?

Einem Klavierkonzert zu lauschen oder den Keyboarder beim Konzert zu beobachten, ist für viele ein besonderes musikalisches Erlebnis. Doch auch der beste Pianist hat einmal klein anfangen. Die Tonleitern wollen geübt, Fingerübungen und Musikstücke immer und immer wieder wiederholt werden. Meist eine Herausforderung für Eltern und Nachbarn. Ein digitales Piano kann die Nerven der Mitmenschen schonen, denn darüber kann der Übende auch mit Kopfhörern spielen. Doch kann ein Digitalpiano eine echte Alternative zum akustischen Klavier sein?

Vorteile eines E-Pianos

Stört keinen
Weil sich Kopfhörer an das Instrument anschließen lassen, kannst du zu jeder Tages- und Nachtzeit spielen, ohne andere zu stören. Monotone Übungen, Wiederholungen und die eine oder andere Unsicherheit sind für deine Umwelt dann kein Problem mehr. Bei klassischen Klavieren ist diese Anschlussmöglichkeit zwar auch erhältlich bzw. nachrüstbar, doch das ist verhältnismäßig teuer.

Ein Mann steckt einen Kopfhörerstecker in ein E-Piano.
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Zahlreiche Einstellungen
Digitalpianos bieten außerdem Zusatzfunktionen, mit denen sich etwa andere Klänge oder unterschiedliche Effekten erzeugen lassen oder das Gespielte aufgenommen werden kann. So kannst du zum Beispiel klassische oder eher jazzige Klangfarben wählen, deine Stücke von Streichern unterlegen lassen und all das speichern.

Platzsparend, leicht und wartungsarm
Im Vergleich zum klassischen Klavier sind Digitalpianos leichter und beweglicher. Dadurch können sie ohne größeren Aufwand transportiert werden. Außerdem benötigen sie nicht so viel Platz.  Einsteigermodelle kosten um die 300 Euro. Damit sind sie deutlich günstiger als klassische Klaviere. Kosten für einen Klavierbauer, der zum Beispiel ein klassisches Klavier regelmäßig stimmen sollte, fallen für Digitalpianos ebenfalls nicht an.

Klangqualität

Ein Konzertflügel steht in einem Saal vor einer weiten Fensterfront.
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Bei einem akustischen Klavieren wird der Klang durch den Anschlag des Hammers gegen die Saiten und das Übertragen der Schwingungen auf den Resonanzboden erzeugt. Beim Digitalpiano entsteht der Klang hingegen elektronisch und wird über Lautsprecher wiedergegeben. Um möglichst nah am Ursprungsinstrument zu sein, werden dafür die Klänge hochwertiger Flügel mit bestimmten Verfahren aufgenommen und elektronisch im Digitalpiano hinterlegt. Beim Anschlagen einer Taste wird der aufgenommene Ton dann abgespielt. Unterschiedliche Anschlagsstärken werden bei vielen Modellen berücksichtigt. Der Aufwand für das Nachbilden der Hammermechanik eines Klaviers, das Aufnehmen dieser sogenannten Samples sowie die Qualität der verbauten elektronischen Komponenten spiegeln sich oft im Preis wieder. Je hochwertiger die Bauteile sind und je feiner die Sensorik ist, desto höher ist meist der Preis für ein Digitalpiano.

Tastatur

Ebenso wie klassische Klaviere haben die meisten Digitalpianos 88 Tasten mit unterschiedlicher Differenzierung. In der Qualität und dem technischem Aufbau der Klaviatur unterscheiden sich die Hersteller jedoch. Einige verbauen – wie bei einem klassischen Klavier - Tasten aus Holz mit einer synthetischen Oberfläche.  Andere Hersteller nehmen reine Kunststofftasten. Die Unterschiede liegen vor allem im Gewicht, im Aufschwung und damit im Spielverhalten. Reine Kunststofftasten verschleißen darüber hinaus schnell. Aber auch verschiedene Tastenoberflächen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Angeraute Oberflächen zum Beispiel sollen dem Spieler mehr Halt der Finger auf den Tasten ermöglichen.

Die Anzahl der verbauten Sensoren innerhalb der Klaviatur beeinflusst, wie gut feine Nuancen im Spiel erfasst und wiedergegeben werden.

Lautsprecher

Das Klaviererlebnis wird bei Digitalpianos auch von den verbauten Lautsprechern beeinflusst. Günstige Modelle haben oft nur zwei kleine, nach oben gerichtete Lautsprecher verbaut. Im Mittelklassesegment befinden sich die Lautsprecher meist auf Kniehöhe, was den Klang kräftiger und voller klingen lassen soll. Markenhersteller setzen für ein ausgewogenes Klangerlebnis unter anderem auf Boxen mit Mehrwegesystem, bei denen Höhen, Mitten und Tiefen gesondert wiedergegeben werden.

E-Pianos bei Stiftung Warentest

Das Ergebnis des aktuellen Tests vorweg: Auch elektronische Klaviere lassen sich richtig gut spielen.

Insgesamt zehn Digitalpianos zu Preisen von 925 Euro bis 2.400 Euro hat Stiftung Warentest aktuell geprüft. Darunter befanden sich Modelle der Marktführer Yamaha und Kawai, Casio und Roland, aber auch des sächsischen Instrumentenbauers Gewa.

Mit "gut" schnitten drei Modelle der japanischen Anbieter Yamaha und Kawai ab, die allerdings mit 1.850 Euro bis 2.400 Euro zu den teuersten im Test zählen. Diese Digitalpianos zeichnen sich durch einen guten Klang über Lautsprecher und Kopfhörer aus. Sie spielen sich gut und haben eine große Dynamik und einen aufwendige Klangsimulation. Letzteres bedeutet unter anderem, dass sie sogar leise Geräusche simulieren, die beim Loslassen von Tasten entstehen, wenn die Dämpfer zurück auf die Saiten fallen. Auch Mitschwingeffekte angrenzender Saiten werden simuliert, ein Effekt, der bei Digitalpianos lange vernachlässigt wurde. Darüber hinaus kann bei allen das Klavierspiel auf USB-Stick aufgenommen werden.

Der sächsische Instrumentenbauer Gewa bekam für sein getestetes Produkt ein "befriedigend". Die Wiedergabe der Töne über die Lautsprecher klang am schwächsten. Probleme hatten die Tester auch mit dem linken Pedal sowie besonders mit der Software bei der Wiedergabe von Dateien.

Nachteile eines E-Pianos

Auch wenn der Klang mancher E-Pianos schon nah an den eines echten Klaviers herankommt, erreicht haben sie ihn noch nicht. Die Klangfarben, die auf einem akustischen Klavier gespielt werden können, fehlen ebenso wie der Nachklang einzelner Saiten. Die elektronischen Komponenten und die Kunststoff-Bestandteile eines E-Pianos unterliegen einem im Vergleich höheren Verschleiß. Sollten zum Beispiel einzelne Tasten den Dienst versagen, ist eine Reparatur teuer oder gar nicht möglich. Beim Klavier können einzelne Elemente repariert werden. Zudem macht die schnelle Entwicklung innerhalb der Unterhaltungstechnik auch vor E-Pianos nicht halt. Die Lebensdauer beträgt etwa acht bis zehn Jahre. Auf Klavieren kann bei entsprechender Pflege mehrere Jahrzehnte gespielt werden.

Fazit

Bei der Wahl für ein klassisches Klavier oder für eine Digitalpiano kommt es auf den persönlichen Anspruch und familiäre Möglichkeiten und Bedürfnisse an. Digitalpianos bieten ein breites Spektrum an Klängen, Rhythmen, Lern- und Übungsfunktionen. An moderne Digitalpianos kannst du Kopfhörer anschließen und damit ungestört und jederzeit üben. Sie benötigen weniger Platz und sind leichter zu transportieren. In der Anschaffung können Digitalpianos günstiger sein als klassische Klaviere. Passionierte Klavierliebhaber wird all das jedoch nicht überzeugen. Für Profis wird es immer hör- und fühlbare Unterschiede geben.

Solltest du dich für ein Digitalpiano entscheiden, teste verschiedene Hersteller und Modelle. Jedes Instrument hat ein unterschiedliches Spielverhalten und jeder Spieler ein anderes Empfinden, was Klang und Spielgefühl angeht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 29. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2017, 02:10 Uhr