Ist Onlineshopping tatsächlich günstiger?

04.10.2018 | 02:10 Uhr

Theoretisch können Verbraucher Kleidung, Elektronikartikel, Spielzeug und andere Waren im Internet extrem günstig kaufen: Sie suchen einfach den Händler mit dem günstigsten Preis für das Wunschprodukt. Wenn es den in Deutschland nicht gibt, locken im EU-Ausland noch andere günstige Anbieter. Alternativ können Verbraucher auch noch auf so genannte B-Ware ausweichen: Produkte mit kleinen Mängeln, für die viele Shops extra Seiten anbieten.

In der Praxis ist das Ganze aber schon schwieriger: Bei vielen Händlern schwanken die Preise teilweise mehrmals am Tag, was Vergleiche schwierig macht. Immer wieder beschweren sich Verbraucher, sie würden von Händlern im Ausland geblockt oder gleich auf den deutschen Shop umgeleitet. Bei B-Ware stimmen Beschreibung und Zustand der Ware nicht überein. Wir geben Tipps, wie Online-Shopper trotzdem clever im Netz einkaufen können.

Schwankende Onlinepreise

ansteigende Münzen
Bildrechte: IMAGO

Wer online geht, Angebote vergleicht und dann spontan kauft, wird selten den für sich günstigsten Preis bekommen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Verbraucherzentrale Bandenburg (Stand: August 2018). Sie hat einen Monat lang mehr als 1.000 Preise von Produkten bei 16 Onlinehändlern verglichen. Den Verbraucherschützern zufolge schwankten die Preise nach Tageszeit oder Wochentag. Dr. Kirsti Dautzenberg von den Marktwächtern Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg:

Wir haben auch gesehen, dass die Preise zum Teil sehr stark verändert werden. Eine Hose von Zalando etwa konnte man für knapp 80 Euro oder auch für 200 Euro kaufen. Da kommt es für den Kunden schon drauf an, möglichst den guten Zeitpunkt zu erwischen, wo man die 80 Euro zahlt

Die sogenannten "dynamischen Preise" würden im Onlinehandel häufig eingesetzt. In der Studie arbeiteten 15 von 16 untersuchten Shops damit. "Das dürfen die Händler, das machen Tankstellen beispielsweise auch", erklärt die Verbraucherschützerin.

"Gefühl für den Preis entwickeln"

Wer online günstig shoppen will, sollte daher nicht spontan auf den Kauf-Button drücken. "Wir raten, erst einmal eine oder zwei Wochen den Preis für das gewünschte Produkt zu beobachten", sagt Kirsti Dautzenberg. Dann sind Verbraucher gut informiert und könnten zu dem Zeitpunkt kaufen, an dem der dynamische Preis auf dem tiefsten Stand ist. Dabei helfen auch Vergleichsportale wie günstiger.de oder idealo.de, die auf Wunsch auch den Preisverlauf für ein Produkt in einem oder mehreren Onlineshops anzeigen. Bei einigen Portalen können sich Kunden auch einen Preisalarm einstellen lassen: Der informiert dann per E-Mail, wenn der Preis für ein gewünschtes Produkt auf einem vorher festgelegten Stand ist. Das kann allerdings im Einzelfall recht aufwendig sein, etwa wenn es Jacke oder ein Roller in einer bestimmten Farbe oder Größe sein soll. "Da hat der Artikel sieben Farben und die Händler haben für jede unterschiedliche Preise und die schwanken auch noch über die Zeit. Da gibt es eine Menge Produkte, die dann so kleinteilig variiert sind", sagt unsere Expertin.

Richten sich Preise auch nach dem Kunden selbst?

Selbst wer über mehrere Tage Preise sorgfältig vergleicht, bekommt unter Umständen einen Artikel trotzdem nicht so günstig wie möglich. In Medienberichten und Verbraucherforen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Onlinehändler ihre Preise auch an den jeweiligen Kunden anpassen. Wer etwa vom Smartphone aus einkaufe, bekomme höhere Preise angezeigt. Hätten Kunden einen Artikel schon über mehrere Tage ein paar Mal angeschaut, steige der Preis. Landeten Kunden von Vergleichsportalen auf der Internetseite des Händlers, würden sie als preisbewusster eingeschätzt und könnten dann günstiger shoppen. Bei der Verbraucherzentrale Brandenburg landeten immer wieder Verbraucherbeschwerden über das so genannte "Individual Pricing", sagt Kirsti Dautzenberg:

Daher wollen wir jetzt einige der oft kritisierten Sachen in einer großangelegten Studie genauer untersuchen. Also was passiert, wenn man etwa vom Smartphone aus einkauft oder wenn man sich schon einen Artikel mehrfach angeschaut hat.

Sie rechnet für Ende des Jahres mit ersten Ergebnissen. "Bisher haben wir aber eher wenige Hinweise darauf, dass das Ganze von Onlinehändlern flächendeckend eingesetzt wird", sagt die Verbraucherschützerin. Ähnlich sieht das auch Nicole Berg vom Vergleichsportal günstiger.de: "Wir gehen davon aus, dass Individual Pricing beim Onlineshoppen eher nicht der Fall ist". Dafür spreche auch, dass ihrem Vergleichsportal vom Händler immer nur ein Preis mitgeteilt wird – und nicht mehrere Preise für unterschiedliche Kunden.

Online im Ausland einkaufen

Beim Onlineshoppen lohnt sich häufig auch der Blick zu Händlern, die nicht von Deutschland aus verkaufen. Bei Spielzeug, Kleidung oder auch manchen Elektronikgeräten ist das in der Regel kein Problem, weil sich die Ware kaum unterscheidet oder nachträglich auf deutsche Sprache umgestellt werden kann. Allerdings machten das bisher zahlreiche Händler mit Geoblockaden schwierig oder unmöglich. Dann wurde etwa die Bezahlung mit Kreditkarten aus einem anderen Land abgelehnt.

Laptop, Smartphone, Kreditkarte
Bildrechte: IMAGO

Bei größeren Onlinehändlern wurden Kunden automatisch auf deren deutschen Shop umgeleitet, wenn sie auf der französischen Seite einkaufen wollten. Die Blockaden soll es ab Ende 2018 nicht mehr geben. Das hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit Anfang des Jahres entschieden. "Es gibt aber einen Pferdefuß: Der Shop darf sagen, dass er nicht nach Deutschland liefert. Dann muss der Kunde selbst DHL oder ein anderes Unternehmen beauftragen", sagt Patrick Oppelt vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. Bei der von EU-Kommission und Bundesjustizministerium finanzierten Einrichtung können sich Kunden melden, wenn es Probleme beim Onlineshopping in der EU gibt. Auch nach dem weitgehenden Verbot von Geoblocking dürfte beispielsweise ein Händler aus Frankreich von Kunden aus Deutschland höhere Preise verlangen. Für Onlineshops außerhalb der EU gilt die Blockade-Regel nicht. Sie dürfen weiterhin Kunden ablehnen.

Zusatzkosten und Rechtslage beachten

Ein Paar sitzt lachend mit Smartphone vor einem Laptop.
Bildrechte: IMAGO

Befindet sich der gewählte Online-Shop in einem EU-Land, fallen in der Regel keine zusätzlichen Kosten an. Einzig die Versandkosten dürfen höher ausfallen, wenn der Händler das begründen kann. "In manchen Ländern gibt es zudem für bestimmte Waren Verbrauchssteuern, etwa für Wein in Frankreich", sagt Patrick Oppelt. Da komme es auf den Händler an: Der müsse dann mit seinem Finanzamt klären, dass der deutsche Kunde nicht verbrauchssteuerpflichtig sei. Für Widerruf und Gewährleistung gelten EU-weit die gleichen Rechte. Wer in einem Shop aus einem Nicht-EU-Land bestellt, muss in vielen Fällen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. So muss für Waren aus Asien oder den USA ab 22 Euro Warenwert in der Regel eine Einfuhrumsatzsteuer bezahlt werden. Ab einem Warenwert über 150 Euro sind Zoll und Einfuhrumsatzsteuer fällig. "Da bin ich selbst verantwortlich, dass das bezahlt wird. Häufig übernehmen das die Händler und kümmern sich und schlagen das gleich mit drauf. Das sorgt dann aber auch oft für Ärger – wenn der Händler mehr aufschlägt, als der Zoll kostet", sagt Patrick Oppelt. Bei Widerruf und Gewährleistung hätten Kunden grundsätzlich die gleichen Rechte wie in Deutschland. Die seien aber etwa bei einem Händler aus Fernost nur schwer durchzusetzen, wenn der sich querstelle.

Günstigere B-Ware

Viele große Onlineshops wie Amazon, Asos oder Zalando haben eigene Bereiche für sogenannte B-Ware oder auch Zweitware. Andere Händler verkaufen diese Produkte über eBay deutlich günstiger als Neuware. In der Regel werden als B-Ware Artikel verkauft, die etwa nach dem Transport kleine Schäden aufweisen. In diese Kategorie fallen auch Restposten, Ausstellungsstücke oder Produkte, die Online-Kunden nur ausprobiert und zurückgeschickt haben. In der Regel funktionieren alle diese Produkte ohne Einschränkungen. Trotzdem kann der Kauf von B-Ware ein Glücksspiel sein. "Als Kunde weiß ich nicht, in welchem Zustand die Ware ist. Schon Beschreibungen wie "leichte Gebrauchsspuren" können zu verschiedenen Auffassungen führen", erklärt Nicole Berg von günstiger.de. Verbraucher sollten die Beschreibung der B-Ware möglichst genau nachlesen. "Steht da drin, ob die Ware nur geöffnet wurde? Wurde sie auch gebraucht? War sie ein Ausstellungsgegenstand oder gab es nur Schäden an der Verpackung?" sagt Nicole Berg. Im Ernstfall können Kunden B-Ware nach dem Kauf aber auch zurückschicken, wenn die Beschreibung doch nicht ganz zutrifft. Hier gilt das Fernabsatzgesetz ohne Einschränkungen. Nach aktuellen Gerichtsentscheidungen darf der Händler auch die Gewährleistungsfrist von zwei Jahren nicht herabsetzen. Kunden sollten aber im Kleingedruckten nachlesen, was für die Herstellergarantie gilt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. Oktober 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2018, 02:10 Uhr

Noch mehr Umschau-Quicktipps