Quicktipp Bio-Fleisch online kaufen

16.04.2018 | 02:10 Uhr

Gegrilltes Schweinesteak 2 min
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MDR JUMP Mo 16.04.2018 02:10Uhr 02:04 min

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Online Einkaufen ist in, mittlerweile auch bei Fleisch. Dabei kannst du dir sogar das Tier aussuchen. Wenn du willst, kannst du dessen Weg von der Geburt bis zur Schlachtung verfolgen. Schließlich kaufst du einen Anteil am Tier. Wenn es ganz verkauft ist, wird es geschlachtet und du bekommst deinen Anteil tiefgekühlt per Post. Crowdbutchering nennt sich das, oder auch Cow-Sharing.

Wie funktioniert es?

Mehrere Leute finden sich zusammen, bezahlen gemeinsam ein Tier und einen Schlachter und teilen sich dann das Fleisch. Die Idee ist nicht neu, aber immer noch sehr beliebt. Beim Crowdbutchering oder dem Cow-Sharing treffen sich Interessierte auf Seiten wie meinbiorind.de, kaufnekuh.de oder geteiltes-Fleisch.de. Dort kann man entweder einen Anteil an einem Rind oder Schwein kaufen oder ein Fleischpaket à drei oder sieben Kilo bestellen. Sind genügend Käufer zusammen, um ein komplettes Tier zu kaufen, wird geschlachtet. Vierzehn Tage, so wird versprochen, hängt das Fleisch noch ab, dann wird es vakuumverpackt und gekühlt vergeschickt.

Wer steckt dahinter?

Mehrere Kühe stehen auf einer grünen Wiese.
Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Bei den Betreibern der Seiten handelt es sich vorwiegend um Landwirte oder Vermarkter, die mit regional produzierenden Bauern zusammenarbeiten. Die Anbieter aus Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg oder auch Brandenburg legen Wert auf eine artgerechte Haltung der Kühe. Die Schlachtungen finden in der Regel auf dem Hof oder ganz in der Nähe statt. Die Bauern sollen dabei ihre Tiere begleiten. Das sorgt für weniger Stress und wirkt sich so positiv auf die Fleischqualität aus - im Vergleich zu Massentransporten quer durch Europa ein klarer Vorteil auch für die Tiere.

Nähe zum Verbraucher 

Die Anbieter geben sich sehr transparent. Auf kaufnekuh.de stellen sich alle Bauern mit Familie persönlich vor. Du erfährst, wo die Höfe liegen, wie die Tiere gehalten werden. Auf meinbiorind.de lernst du sogar die Tiere kennen, mit Fotos von ganz klein bis kurz vor der Schlachtung. Du bekommst die Nummern der Ohrmarken deines Tieres und andere Zertifikate, damit du genau weißt, woher das Tier bzw. das Fleisch stammt.

Was du bekommen kannst 

Die Fleischpakete oder Schlachtanteile werden von den Anbietern selbst zusammengestellt. Alle, die sich an einem Tier beteiligen, sollen ja möglichst verschiedene Produkte genießen können. Und so sind in den Paketen vom Rind zum Beispiel Rouladen, Rinderbraten, Gulasch oder auch Hackfleisch und etliches mehr enthalten. Die genaue Zusammenstellung und Anzahl der Produkte im Paket kannst du nicht beeinflussen. Dazu meint der Obermeister der Fleischerinnung Dresden, Jürgen Müller: „Das ist schon problematisch, wenn Sie in einem Paket nur zwei Rouladen haben. Wollen Sie mehr, müssen Sie ein großes Paket oder mehrere kleine bestellen und haben dann viel anderes Fleisch, dass Sie gar nicht so schnell verarbeiten können.“

Die Kosten

Je nach Anbieter kosten kleine Pakete mit 3,6 Kilo Fleisch um die 55 Euro oder große mit über 7 Kilo Fleisch knapp 100 Euro. Die Fleischprodukte eines Tiers sind unterschiedlich teuer, eine Einzelauspreisung gibt es nicht. Das macht einen  Vergleich mit anderen Anbietern schwer. Es lässt sich also nicht sagen, ob die Roulade oder das Steak bei den Anbietern viel teurer ist als beim normalen Fleischer. Der durchschnittliche Kilopreis liegt zwischen 15 und  25 Euro, und das ist mit gutem Biofleisch aus dem Hofladen vergleichbar. Bei manchen Anbietern ist der Versand inklusive, bei anderen bezahlst du fürs Paket gut 5 Euro extra.

Wie gut ist das Fleisch?

Ausgelöste Fleischstücken hängen an Fleischerhacken.
Bildrechte: imago/Fotoarena

Die Anbieter werben damit, dass das Rindfleisch nach der Schlachtung noch 14 Tage abgehangen wird. Dazu unser Experte: „Jeder gute Schlachter oder Fleischer lässt sich gerade bei Rind mindestens drei bis vier Wochen Zeit. Da laufen im Fleisch biochemische Vorgänge ab, die es weicher, bekömmlicher und auch geschmackvoller machen.“ In einem guten Hofladen oder beim Bio-Fleischproduzenten findest du mindestens die gleiche Qualität. Mit Billigfleisch aus dem Supermarkt lassen sich die Produkte von den Crowdbutchern nicht vergleichen. Gutes Fleisch bekommst du hier ohne Zweifel.

Verkaufsargumente Pro und Contra

  • Die Anbieter werben mit Transparenz. Pro: Durch die Ohrmarken, Zertifikate und vielleicht sogar einem Besuch auf dem Bauernhof sind Herkunft usw. nachvollziehbar. Du weißt in jedem Fall, wo das Tier herkommt, dass es ohne Genfutter und ohne vorsorglich verabreichte Antibiotika großgezogen wurde. Contra: Ob die Bauern wirklich immer gut zu den Tieren sind, kannst du natürlich nicht nachvollziehen. Da musst du dem Bauern schon vertrauen.

  • Die Anbieter werben mit Vielfalt in den Paketen. Pro: Ob Rouladen oder Gulasch - viele verschiedene hochwertige Fleischprodukte sind in den einzelnen Paketen enthalten. Contra: Einzelne Wünsche können bei der Paketzustellung meist nicht berücksichtigt werden. Ungeliebte Produkte müssten im Zweifel miterworben werden

  • Die Anbieter werben mit der kompletten Verarbeitung der Tiere. Pro: Dadurch, dass erst geschlachtet wird, wenn alle Teile verkauft sind, soll nichts mehr weggeworfen werden. Contra: Bis alles Teile eines Tieres verkauft sind, kann es dauern, eine genaue Zeitplanung bis zur tatsächlichen Lieferung des Fleisches scheint für Endverbraucher schwierig.

Fazit

Die Crowdbutchering-Idee hilft bei einem bewussten Umgang mit Tieren und Fleischprodukten. Allerdings sind die Versprechen der Anbieter nicht immer so leicht zu überprüfen. Lange Transportwege und die Abnahmemenge von mehreren Kilos an Fleisch sind eher ungünstig. Gutes Fleisch bekommst du oft auch direkt vor Ort. Billigfleisch aus dem Discounter ist keine Alternative.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 16. April 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 02:10 Uhr