Autodiebstahl verhindern

02.11.2018 | 02:10 Uhr

Rund 350 Autos werden jeden Tag in Deutschland geklaut. Laut Deutscher Versicherungswirtschaft ergibt das über eine halbe Milliarde Euro Schaden jährlich. Im besten Fall gibt es Geld über die Kaskoversicherung zurück. Ist dein Auto schon älter und nicht mehr kaskoversichert, gehst du leer aus. Wie also schützt du deine alte oder neue Karosse vor Langfingern. Autopapst Andreas Kessler hat die wichtigsten Tipps.

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Umschau-Quicktipp Autodiebstahl

Autodiebstahl

MDR JUMP Fr 02.11.2018 02:10Uhr 00:59 min

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Die Gefahren für teure und neuere Autos

Große SUVs und die Luxuskarossen aller namhaften Hersteller sind gerade im osteuropäischen und asiatischen Raum sehr begehrt und werden von spezialisierten Diebesbanden komplett geklaut. Weil der Weg in den Osten kurz ist, liegen in den Statistiken gestohlener Fahrzeuge die ostdeutschen Bundesländer auch ganz vorn. Sachsen-Anhalt ist dabei an der Spitze. Das Problem der teuren und neuen Fahrzeuge beschreibt Autoexperte Andreas Keßler so:

Die Banden spezialisieren sich oft auf ein oder zwei Modelle und kennen da die Schwachstellen ganz genau. Die meisten Sicherheitseinrichtungen funktionieren dort elektronisch und über Funk. Sind die Diebe einmal im Auto drin, können Sie mit der entsprechenden Software nahezu jedes Auto in Sekunden starten.

Hinzu kommt, dass Systeme wie der schlüssellose Einstieg, Keyless-Entry, zwar für den Besitzer bequem sind, das Auto aber noch angreifbarer machen. "Der Funkcode zwischen Schlüsselkarte und Auto kann mit den entsprechenden Geräten einfach abgefangen und das Auto so ganz ohne Gewalt geöffnet und dann gestartet werden", warnt unser Experte.

Die Gefahren für ältere Autos

Etwa ab der Jahrtausendwende wurden in den meisten Autos elektronische Wegfahrsperren eingebaut. Das damals noch mechanisch sperrende Lenkradschloss bietet in solchen Autos zusätzliche Sicherheit. "Aber auch da kommen Experten mit den entsprechenden Kenntnissen problemlos rein und weg", so Andreas Keßler. Diebesbanden haben es auf diese Autos kaum abgesehen, eher Kleinkriminelle und Einzeltäter. Und die sind laut Deutschem Versicherungsverband eher auf Teile wie Airbags, Bordcomputer und Dachgepäckträger spezialisiert, weil dir sich im Internet leichter verkaufen lassen.

Was Diebe abschreckt

Grundsätzlich mögen Diebe keine Aufmerksamkeit. Sie klauen Autos am besten bei Ruhe und Dunkelheit. Und es muss schnell gehen. Das heißt in der Umkehr: Alles was in einer hellen Umgebung passiert, Krach macht und lange dauert, schreckt Diebe ab. Rein elektronische Schutzsysteme sind mit der entsprechenden Ausrüstung nahezu lautlos zu überlisten. Daher rät Andreas Keßler:

Parkplatz für Neuwagen von Peugeot, Citroen und Ford von oben
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Den besten Schutz bieten immer Systeme, die den Dieb überraschen, etwas womit er gerade bei diesem Auto nicht gerechnet hat. Wer anfangen muss, zu suchen und zu probieren oder gar große Kraft aufzuwenden, der lässt schnell die Finger von Ihrem Auto.

Diese Systeme können vor Diebstahl schützen

MDR um 4 Experte Andreas Keßler
Autoexperte Andreas Keßler Bildrechte: MDR/Axel Berger

Für neuere Wagen gilt:
Meist sind Alarmanlage und elektronische Wegfahrsperre ab Werk eingebaut und sollten einwandfrei funktionieren. Etliche Oberklassemodelle bieten zusätzlich einen GPS-Tracker, also ein Funksystem, das mit SIM-karte im Wagen verbaut ist. Mit einer entsprechenden App oder der passenden Computersoftware kannst man einen virtuellen Kreis einrichten, erklärt Andreas Keßler: "Das ist ein Bereich, den Sie zum Beispiel um Ihr Haus oder Ihre Wohnung definieren. Verlässt das Auto diesen Bereich, bekommen Sie eine Nachricht und können immer nachvollziehen, wohin sich ihr Auto bewegt." Sind die Diebe aber schlau, dann parken sie in Tiefgaragen oder Tunnel oder in Gegenden ohne Funksignal. Dann ist der Tracker wirkungslos.

Für ältere Wagen gilt:
Ab einem Baujahr um 2000 wurden gesetzlich vorgeschriebene elektronische Wegfahrsperren eingebaut. Der Wagen fährt also nur, wenn der richtige Schlüssel im Schloss steckt. Kurzschließen hinterm Zündschloss wie im Film geht hier also nicht ohne weiteres. Zusätzlich bietet die mechanische Lenkradsperre einen gewissen Schutz. "Mit einem entsprechenden Schlaghammer können geübte Diebe sowas aber schnell knacken", warnt unser Experte. Alle eingebauten Systeme bieten bei neuen und alten Fahrzeugen nur einen gewissen Schutz, es kann sich also lohnen, weitere Schutzmaßnahmen nachzurüsten.

Was kann nachgerüstet werden

Lenkradkralle: Gute Modelle gibt es ab 100 Euro, einfache sind deutlich günstiger. Unser Experte findet die Krallen gut: "Die scheinen altmodisch zu sein, aber der Dieb braucht schon richtig großes und zum Teil lautes Werkzeug, um so eine Kralle abzubekommen." Außerdem sind die Krallen gut sichtbar und können schon von außen abschrecken. Nachteil ist bei häufigem Abstellen des Autos die umständliche Handhabung.

Alarmanlage: Ab rund 300 Euro plus ca. 200 Euro für den Einbau wird Ihr Auto mit entsprechenden Sensoren ausgestattet und die mit Licht und Hupe verknüpft. Die Investition ist hoch, eine Alarmanlage ist aber vor allem nachgerüstet ein guter Schutz. Der Dieb weiß dann nämlich nicht von vornherein, wo und wie die Anlage zu deaktivieren ist.

Reifenkralle: Gute Geräte kosten ab 350 Euro. Diese Krallen bieten zwar optimalen Schutz, weil sie wirklich schwer zu entfernen sind, Transport und Anbringen sind aber im Alltag sehr umständlich.

GPS-Tracker: Sie lassen sich auch in älteren Modellen für rund 250 Euro problemlos nachrüsten.

Der Keyless Go Schlüssel einer Mercedes-Benz M-Klasse wird vor das Türschloß gehalten.
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Key-Securitiy: Ein System das für rund 400 Euro den Datenabgriff bei Keyless-Entry Systemen verhindern soll. Allerdings sind professionelle Diebe den Entwicklern solcher Schutzsoftwaresysteme immer nur einen kurzen Schritt hinterher. Es kann also sein, dass Ihr neues System schon nach ein paar Monaten problemlos zu knacken ist. Besser ist bei solchen Systemen, den Schlüssel in Alufolie oder einer Blechdose zu transportieren und aufzubewahren oder das System ganz abzuschalten.

Autobatterie
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Versteckter Hauptschalter: Individuell von Ihrer Werkstatt ab 300 Euro eingebaut, ein so ein Schalter guter Schutz. Dann lässt sich das Auto nur mit aktiviertem Hauptschalter starten. Allerdings funktioniert das meist nur bei älteren Modellen, denn nur diese Autos können komplett von der Batterie getrennt werden. Neue Wagen brauchen den permanenten Stromfluss auch, wenn sie abgestellt werden für Kontroll- und Überwachungssysteme oder eben den Keyless-Entry. Es kann sich aber für ganz teure Wagen lohnen, eine zweite Batterie für eben diese Systeme einzubauen. Für das eigentliche Autofahren ist dann die Batterie zuständig, die man mit einem versteckten Hauptschalter lahmlegen kann.

Falscher OBD Stecker: Ebenfalls rund 300 Euro kostet die Verlegung des eigentlichen Diagnosesteckers. An seine Stelle kommt ein baugleicher Stecker, der auch an den Stromkreis des Autos, aber nicht an die Bordelektronik angeschlossen ist. Kommt der Dieb nicht ins System, kann er nicht die Daten zum Starten des Wagens auslesen. Das ist aber eine Variante für geschickte und pfiffige Werkstätten.

Was du außerdem tun kannst

Schließ dein Auto immer ab und kontrolliere, ob es tatsächlich zu ist. Auch wenn Profis in wenigen Minuten wirklich jedes Auto aufbekommen, können eben diese Minuten über da oder weg entscheiden.

Parke dein Auto immer an möglichst belebten und gut einsehbaren Plätzen.

Entferne alle Wertgegenstände wie Handys, Laptops oder auch Jacken usw. aus dem Innenraum. Das schützt vor allem vor spontanen Einbrüchen von Einzeltätern.

Montiere ab, was du nicht brauchst, zum Beispiel Fahrrad- oder Dachgepäckträger. Achte besonders bei neueren Wagen darauf, dass niemand Zugang zu deinen Schlüsseln oder Papieren und anderen Autodaten bekommt. Auf entsprechenden Webseiten kann jeder problemlos alle möglichen Einstiegswerkzeuge, Nachschlüssel oder elektronisches Equipment kaufen.

Merke: Alle Systeme, die einen bequemen Einstieg oder gar Start per App, Funkschlüssel usw. ermöglichen, lassen sich vom Profi nachahmen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2018, 02:10 Uhr