So gibt's kein Knöllchen beim Parken

15.10.2018 | 02:10 Uhr

Ein ''Knöllchen'' hängt am 17.12.2012 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) an einem Auto. 1 min
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MDR JUMP Mo 15.10.2018 10:45Uhr 01:02 min

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Das Thema Parken sorgt bei Autofahrern regelmäßig für Ärger und erhöhten Puls: Auslöser können ein Streit mit anderen bei der Parkplatzsuche sein, ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer oder die Nachricht, das eigene Auto sei abgeschleppt worden. Zudem sind sich Autofahrer bei vielen Parkregeln nicht ganz sicher oder ignorieren sie bewusst. Wir haben uns mit dem Berliner Fachanwalt für Verkehrsrecht Roman Becker ein paar konkrete Parksituationen angesehen, in denen es immer wieder Ärger gibt.

Parkplatzverschwender werden bestraft

Ein besonders strenger Mitarbeiter des Ordnungsamtes kann schon dann Knöllchen verteilen, wenn das Auto nicht parallel zum Bordstein geparkt wurde.

Es gibt dazu keine gesetzliche Regelung, aber es heißt: Man muss am rechten Fahrbahnrand parken. Daraus leitet man ab, dass man parallel parken muss.

Ein Porsche parkt teils in einer Einfahrt, teils auf einem Parkplatz für Motorräder.
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Ragt ein Auto in den Verkehr hinein und stellt damit eine Gefahr für andere dar, kann es sogar abgeschleppt werden. Unser Experte rät auch dazu, die weißen Markierungen auf Parkplätzen zu beachten. Wer sein Auto schräg über eine der weißen Linien stellt oder gleich zwei Parkplätze blockiere, begehe eine Ordnungswidrigkeit. „Die Fahrbahnmarkierungen geben wie ein Verkehrszeichen auch vor, wie man zu parken hat, und da muss man sich dran orientieren. Wenn man allerdings mit dem Fahrzeug nach vorn oder nach hinten ein kleines Stück über die Linie ragt und niemand behindert, ist das kein Problem“, sagt Jurist Becker.

Strafzettel schützt nicht vor weiteren Knöllchen

Klemmt bereits ein Knöllchen am Fahrzeug, ist das anders als von vielen vermutet kein Freifahrtschein für das Weiterparken ohne Ticket. Für längeres Falschparken können auch zwei oder mehr Strafen verhängt werden. Roman Becker:

Das hängt auch damit zusammen, dass die Dauer der Parküberschreitung unterschiedlich geahndet wird. Das heißt, wenn man einen bestimmten Zeitraum überschritten hat, wird eigentlich die nächste Gebührenstufe fällig. Dann kann man ein neues Knöllchen bekommen.

Lücken freihalten ist verboten

Da kochen regelmäßig die Emotionen im Parkstress hoch: Ein Autofahrer fährt am einzigen freien Parkplatz ein Stück weiter, um dann vorsichtig rückwärts einzuparken. In der Zeit hat sich ein anderer Fahrer schnell entschlossen vorwärts in die Lücke gequetscht. „Die Parklücke darf immer der benutzen, der sie zuerst erreicht hat“, sagt Anwalt Roman Becker. Die Lücke müsse aber immer mit dem Auto „erreicht“ werden. Untersagt sei daher auch, eine Lücke vom Beifahrer freihalten zu lassen:

Wenn der verhindert, dass andere in die Parklücke reinfahren, kann das eine strafbare Nötigung sein.

Allerdings sollten Autofahrer auch nicht jemanden aus der Parklücke herausdrängen, die dieser freihalten will. „Wenn Sie auf den zufahren, um ihn raus zu drängen, dann könnten Sie auch eine Nötigung begehen. Man sollte sich besser vernünftig miteinander verständigen“, sagt Roman Becker. 

Bei kaputtem Parkautomaten reicht die Parkuhr

Eine Parkuhr liegt hinter der Windschutzscheibe eines Fahrzeugs auf dem Armaturenbrett.
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Sind Parkscheinautomat oder –uhr defekt, können Autofahrer grundsätzlich einfach die Parkscheibe ins Auto legen und kostenlos parken. „Man muss aber erstmal die Umgebung absuchen, ob es nicht noch einen anderen Ticketautomaten gibt, wo man sich ein Ticket ziehen kann“, sagt Anwalt Becker. Gibt es keinen weiteren Automaten, reicht die Parkscheibe. Dann gilt die Höchstparkdauer, die auf dem Ticketautomaten angegeben ist. Um einem möglichen Streit mit dem Ordnungsamt gleich von vornherein aus dem Weg zu gehen, können Autofahrer die „Defekt“-Anzeige des Automaten mit dem Smartphone fotografieren.

Eltern- und Frauenparkplätze sind als Bitte zu verstehen

In vielen Parkhäusern und auf Parkplätzen sind extra Stellflächen für Frauen oder für Eltern mit Kindern ausgewiesen. Frauenparkplätze befinden sich meist in Nähe der Ausgänge, sind gut ausgeleuchtet und sollen so Autofahrerinnen mehr Sicherheit bieten. Zusätzliche Stellplätze sollen Eltern entlasten, die so ihre kleinen Kinder nicht erst zu einem weiter entfernten Parkplatz tragen müssen. Roman Becker:

Andere Autofahrer sollten sich daran halten und diese speziellen Plätze frei lassen. Wenn man sich trotzdem unberechtigt drauf stellt, begeht man aber keine Ordnungswidrigkeit.

In privaten Parkhäusern oder auf Supermarkt-Parkplätzen könnten Autofahrer allerdings gegen das Hausrecht der Betreiber verstoßen. Etwa, wenn Sie als Mann Ihr Auto auf einen Frauenparkplatz stellen. „Wenn auf einer Parkfläche das Wort Arzt aufgedruckt ist, bedeutet das kein Parkverbot für Nichtärzte“, sagt Roman Becker. Die Aufschrift sei kein offizielles Zusatzzeichen, das eine Nutzung der Stellfläche einschränke. Etwas anderes gilt für Stellflächen auf oder an öffentlichen Straßen, die für Elektroautos ausgewiesen sind. Wer dort seinen Benziner oder Diesel parkt, kann bestraft oder gar abgeschleppt werden.

Parken nur für den konkreten Einkauf erlaubt

Auf vielen Supermarkt-Parkplätzen stehen Schilder mit Aufschriften wie „Nur für Kunden“ und „Nur mit Parkscheibe erlaubt“. Dort dürfen Autofahrer wirklich nur für die Dauer des Einkaufs im Supermarkt oder Möbelhaus parken. Geht man davor oder danach noch zu einem anderen Geschäft um die Ecke, kann das Auto theoretisch abgeschleppt werden.

Da geht es darum, dass Sie den Parkplatz nicht länger als die vorgegebene Zeit nutzen dürfen. Hier sind Sie auch nicht entschuldigt, wenn Sie vorher kurz im Laden waren.

Die Supermärkte dürften für die Kontrolle ihrer Regeln auch Parkdienste beauftragen.

Rechts vor links gilt nicht auf Parkplätzen von Möbelhäusern oder Einkaufscentern

Auf vielen großen privaten Parkplätze wird deutlich darauf hingewiesen: „Hier gilt die Straßenverkehrsordnung“ (kurz: StVO). Autofahrer nehmen dann häufig an, dass an den Ausfahrten der Parkplätze wie auf gleichrangigen Straßen auch die Rechts-vor-Links-Regel aus der StVO gilt. Das kann zu brenzligen Situationen führen. „Auf solchen Parkplätzen gilt der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme. Beide müssen anhalten“, sagt Roman Becker. Die Rechts-vor-Links-Regel gelte auf den Parkplätzen grundsätzlich nicht, weil sie nicht mit Straßen vergleichbar seien.

Nicht die Warnblinke anschalten

Viele Autofahrer schalten kurz die Warnblinkanlage an, wenn sie kurz falsch oder in zweiter Reihe parken. Andere Autofahrer wissen dann: Der kommt gleich wieder. Vor Knöllchen schützt der Warnblinker aber nicht. „Sie bekommen schon ein Knöllchen, wenn Sie die Warnblinke anmachen. Die darf nur benutzt werden, um vor Gefahrenstellen zu warnen“, sagt Roman Becker. Autofahrer sollten besser kurz halten und innerhalb von drei Minuten auch weiterfahren. Dann gebe es auch keinen Ärger mit der Polizei.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Oktober 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2018, 02:10 Uhr