Quicktipp Anhängerkupplung nachrüsten

20.06.2018 | 02:10 Uhr

Pkw mit Anhängerkupplung 2 min
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MDR JUMP Mi 20.06.2018 02:10Uhr 01:52 min

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Welche Kupplung soll es sein?

Die Anhängerkupplungen zum Nachrüsten gibt es in drei Varianten: Starre Kupplungen sind im Vergleich mit 150 Euro aufwärts für das Material am günstigsten. Bei dieser Lösung wird die Anhängevorrichtung fest mit dem Querträger am Auto verbunden oder ersetzt diesen gleich ganz. In der Praxis hat die starre Lösung aber einige Nachteile. "Wenn man das nicht gewohnt ist, kann es beim Einparken schnell mal Schäden geben", sagt Johannes Boos vom ADAC. Beim Be- und Entladen können sich Autofahrer zudem die Kleidung am Kupplungskopf verschmutzen.

Abnehmen keine Pflicht

Abnehmbare Anhängerkupplungen kosten ab 250 Euro aufwärts, schwenkbare Varianten sind noch einmal ein paar hundert Euro teurer. Bei beiden Lösungen kann der Kupplungskopf bei Nichtgebrauch entfernt oder weggeklappt werden. Die Verbindung zum Querträger ist fest. Damit wird das Aussehen des Autos nicht permanent verändert. In Werkstätten wird zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kupplung entfernt werden müsse, wenn kein Hänger oder Fahrradträger genutzt wird, doch ein entsprechendes Gesetz gibt es Autoexperten zufolge nicht.

Beide Lösungen haben auch Nachteile: Zum einen kann der Kupplungskopf gestohlen werden. Zum anderen kann die Verbindung zwischen festen und flexiblen Teilen am Auto über die Jahre hinweg Spiel bekommen. Autofahrer sollten darauf achten, dass das nicht passiert.

Klappt nicht immer

Die meisten Autos können problemlos mit der Anhängevorrichtung nachgerüstet werden. Bei manchen Elektro- und Hybridautos und auch bei vielen Kleinwagen ist das allerdings nicht möglich. "Da stimmt das Gewicht des Autos nicht oder es fehlen die Teile, wo das Ganze rangeschraubt wird", sagt unser Experte. Bei manchen Fahrzeugen ist zudem die Bremse nicht stark genug für das zusätzliche Gewicht von Hänger oder Fahrradträger. Autofahrer können vor dem Kauf beim Händler oder Hersteller nachfragen oder in den Fahrzeugpapieren nachschlagen: Der Hersteller muss eine Anhänge- und eine Stützlast für das Auto freigegeben haben. Auch der Blick in den Führerschein ist sinnvoll: Wer seine Fahrerlaubnis vor 1999 erworben hat, darf Gespanne mit bis zu 7,5 Tonnen Gesamtgewicht bewegen. Mit dem aktuellen Führerschein B dürfen Autofahrer Anhänger bis 750 Kilogramm an ihr Fahrzeug hängen. Dieser Führerschein gilt seit 2013.

Betriebserlaubnis ist wichtig

Stau auf der A2 Richtung Hannover
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Ans Auto dürfen aus Sicherheitsgründen nur Anhängevorrichtungen mit einer entsprechenden Freigabe. "Sie brauchen eine EG-Betriebserlaubnis oder eine Bauartgenehmigung oder auch eine entsprechende Typgenehmigung. Das ist eigentlich bei allen neuen oder modernen Anhängerkupplungen der Fall. Die müssen sie seit Mitte 2002 haben", sagt Johannes Boos. Dann müsse die Nachrüstlösung auch nicht mehr in die Papiere eingetragen werden. "Wir raten aber, die Betriebsanleitung grundsätzlich immer in den Fahrzeugpapieren mitführen", sagt unser Experte. Viele Autohersteller bieten Original-Nachrüst-Sets für ihre Autos. Die sind meist etwas teurer als Lösungen von Drittherstellern. Die Original-Kupplungen zum Nachrüsten wurden aber meist schon für das jeweilige Fahrzeug geprüft. Dann gibt es beispielsweise keine Probleme mit dem Auspuff. "Sonst kann es passieren, dass der Auspuff heiße Luft direkt auf den Fahrradträger oder die Heckbox bläst. In so einem Fall müsste der Auspuff umgebaut werden", sagt Johannes Boos.

Mindestens Fachmann drauf schauen lassen

Arbeiter beim Anbau der Anhängerkupplung
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Der Einbau der Nachrüstkupplung in einer Werkstatt kostet zusätzlich zwischen 150 und 300 Euro. Grundsätzlich dürfen Autofahrer Nachrüstkupplungen auch selbst ans Auto bauen. Mit etwas Probieren, viel Geduld und einigen Stunden Zeit ist das meist auch möglich. Unser Experte rät jedoch, entweder gleich einen Fachmann mit der Aufgabe zu beauftragen oder dem Profi zumindest die Kontrolle zu übertragen. Der wisse beispielsweise, ob die Elektronik des Fahrzeugs noch angepasst werden müsse. "Die Software bei modernen Autos muss eben erkennen, wenn die Anhängerkupplung genutzt wird. Dann dürfen die Parksensoren hinten nicht immer ausschlagen. Und es darf auch keine Fehlermeldungen geben, weil die Beleuchtung der Anhängerbeleuchtung zusätzlich Strom zieht", sagt Johannes Boos. Zudem achtet der Profi drauf, dass nach dem Anbau der Nachrüstkupplung Kennzeichen und Beleuchtung wie vorgeschrieben vollständig sichtbar bleiben. Bei einigen modernen Autos ist zusätzlich noch ein eigenes Steuergerät nötig, das die Fahrzeugelektrik mit der des Anhängers koppelt.

Lohnt sich das?

Autofahrer sollten vor dem Kauf der Nachrüstlösung überlegen, ob sie die Anhängerkupplung regelmäßig brauchen. Oder ob sie möglicherweise für Einzelfälle ein anderes Auto leihen oder Car-Sharing nutzen können. Die Nachrüstsätze wiegen selbst einige Kilo und treiben so den Verbrauch etwas nach oben. Zudem lässt sich das Auto mit Nachrüstkupplung in manchen Fällen schwerer verkaufen, weil nicht alle Käufer Wert auf dieses Ausstattungsmerkmal legen. Der TÜV weist außerdem darauf hin, dass die Bremsen und das Fahrwerk durch Fahrten mit Anhänger oder einem schweren Fahrradträger stärker beansprucht werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 20. Juni 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2018, 02:10 Uhr

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