Aktionsartikel vom Discounter eher selten echte Schnäppchen

10.08.2018 | 02:10 Uhr

Eine Frau liest ein Lidl-Werbeprospekt vor dem Eingang des Supermarktes
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MDR JUMP Fr 10.08.2018 02:10Uhr 01:52 min

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Sonderangebote locken! Sobald Aldi, Lidl, Netto und Co. ein Produkt als besonders günstig anbieten, erwacht in uns der Jagdinstinkt. Dann machen wir uns auf den Weg - und es ist nicht mehr da, ausverkauft. Frechheit! Welche Rechte hast du als Kunde, wenn die sogenannte Aktionsware schon kurz nach Beginn der Aktion vergriffen ist? Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachen klärt auf.

Die größten und besten Verführer

Montags werden Schnäppchen gemacht. Zumindest versprechen das die massenhaft verteilten Werbebroschüren der Discounter. Die setzen mittlerweile rund 20 Prozent ihrer Waren über solche Aktionen ab. Ein Kunde auf der Suche nach dem Schnäppchen kauft auch noch andere Sache, so die Kalkulation. Oftmals sind die wirklich guten Angebote aber schon kurz nach Ladenöffnung vergriffen. Ist der Kunde erst einmal da, wird er schon irgendwas kaufen, so die Kalkulation. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat herausgefunden: Am häufigsten sind die versprochenen Angebote bei Netto und Lidl schon nach kurzer Zeit nicht mehr zu haben. Tausende Beschwerden sind die Folge. Stiftung Warentest untersuchte hingegen die Qualität der Aktionsangebote: Die meisten Schnäppchen bekommst du demnach bei Aldi und Lidl. Bei Penny und Norma lohnt sich das Schnäppchenjagen nicht.

Lockvogelwerbung

Verschiedene Werbeprospekte
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Das ist der Begriff für ein wettbewerbswidriges Verhalten. Die Werbung zieht den Kunden in den Laden. Dort gibt es Ausreden wie: "Dieser Artikel kann aufgrund begrenzter Vorratsmenge bereits im Laufe des ersten Angebotstages ausverkauft sein." So oder ähnlich steht es oft auf Anzeigen und Prospekten der Discounter. Damit sind die Verkäufer im Prinzip fein raus, wenn das günstige Bier oder die Top-Computer schon wenige Minuten nach Ladenöffnung nicht mehr zu haben sind. Eine weitere gern genommene Ausrede: Man habe nicht mit der starken Nachfrage nach dem Produkt rechnen können. Ganz so einfach können es sich die Anbieter aber nicht machen. 

Die Vorhaltezeit

„Wer mit Aktionsware wirbt, muss auch dafür sorgen, dass ein entsprechend großer Bestand auf Lager ist. Gerichtsurteile sagen, am ersten Geltungstag wenigstens bis 14.00 Uhr“, sagt Stefanie Siegert. Manche Urteile geben sogar bis zu drei Tage Vorhaltzeit für Aktionsware an. Das ist aber gesetzlich nicht verankert. Und dem Händler nachzuweisen, dass er bewusst zu wenig Ware hat und mit der Werbung dafür nur Kunden anlocken wollte, ist fast unmöglich. 

Die rechtliche Lage

Du kannst dich noch so ärgern: Du hast keinen Anspruch darauf, dass der Discounter dir das verlockende Angebot auch wirklich verkauft. Unsere Rechtsexpertin von der Verbraucherzentrale erklärt, warum: “Wenn die Versprechen auf einem Werbeprospekt nicht eingehalten werden, ist das ein wettbewerbsrechtliches Problem, kein zivilrechtliches. Sie haben mit dem bloßen Prospekt noch keinerlei Vertragsverhältnis mit dem Discounter. Der Vertrag wird erst bei Bezahlung an der Kasse abgeschlossen.“ Gibt’s also kein Produkt, gibt es auch keinen Vertrag und keine rechtliche Grundlage auf die du dich berufen hast. Oder kurz gesagt: Gibt es kein Sonderangebot für dich zu kaufen, guckst du in jedem Fall in die Röhre.

Das kann der Kunde tun

Zwar hast du keinen Rechtsanspruch auf die Ware. Du kannst die Discounter trotzdem unter Druck setzen. Melde Probleme mit vermeintlichen Lockvogelangeboten an Verbraucherverbände. „Wir als Verbraucherzentrale haben bei entsprechend vielen Beschwerden die Möglichkeit, wettbewerbsrechtlich gegen solche Läden vorzugehen und eine Abmahnung zu erreichen. Den Händlern drohen dann unter Umständen Strafen“, sagt die Expertin.

Aktionsartikel und ihre Qualität

Die Stiftung Warentest hat über Jahre hunderte Sonderangebote und Aktionsartikel von Discountern überprüft. Ergebnis: Ein Drittel aller Produkte ist gut und durchaus zu gebrauchen, das zweite Drittel ist gerade noch brauchbar, der Rest ist Ramsch. Es kommt bei der Qualität ganz auf das Produkt an. So haben Kollegen der ARD-Sendung Haushaltscheck gemeinsam mit dem TÜV-Rheinland Bratpfannen aus einem Discounter-Angebot überprüft. Ergebnis: Die Pfannen waren halb so teuer, aber genau so gut wie Markenprodukte. Anders bei höherwertigen Artikeln: Stiftung  Warentest untersuchte im Februar dieses Jahres TV-Aktionsware. Dabei wurden siebzehn Fernseher aus Discounterangeboten überprüft. Keine einziger schaffte ein "gut", gerademal zwei erreichten ein "befriedigend". Der Rest wurde mit "ausreichend" bewertet, einer fiel mit "mangelhaft" durch. Dabei gab es in fast allen Gerätegrößen für 40 bis 180 Euro mehr gute und haltbare Markenmodelle. Auch Handys sind oftmals nicht wirklich günstiger als beim Fachhändler. Von Elektrogeräten allgemein raten die Warentester ab.

Das Traditions-Markenproblem

Beim TV-Test der Stiftung Warentest fiel auf: Manche Geräte, die mit Markennamen wie Blaupunkt versehen waren, stammten gar nicht von der Traditionsfirma. Die slowakische Firma Universal Media Corporation, UMC hat sich die Lizenz gekauft, auf ihre Geräte den Markennamen Blaupunkt schreiben zu dürfen.

Die Schnäppchenfalle

Der gesunde Menschenverstand sollte den Jagdinstinkt ein bisschen bremsen. Kindergummistiefel für fünf Euro können nicht gleichzeitig robust, lange haltbar und gesundheitlich unbedenklich sein. Für dieses Geld erwartet dich Massenware aus Fernost und nichts, was ein Umweltsiegel verdient hätte. Und so waren auch Fünf-Euro-Schnäppchen-Stiefel aus einer Aldi-Aktion mit Schadstoffen belastet. Das fand die Stiftung Warentest heraus. Keine ideale Fußbekleidung für dein Kind.

Reklamation und Rückgabe

Kassenzettel
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Für Rückgabe und Umtausch von Aktionsprodukten gelten die gleichen Rechte wie für alle anderen Artikel eines Anbieters im Laden. „Dort ist das ein Kauf im stationären Handel. Da können Sie die Ware anschauen und gegebenenfalls überprüfen. Deshalb bekommen Sie da keine 14 Tage Rückgabe- oder Widerrufsrecht“, so unsere Expertin. In der Praxis sind die meisten Discounter aber so kulant, dass du bei Nichtgefallen deine Produkte bis zu zwei Monate nach dem Kauf zurückgeben kannst. Hat dein Produkt einen Mangel, tritt die Gewährleistung des Händlers in Kraft, auch bei Sonderangeboten des Discounters. „Funktioniert etwas nicht oder geht ohne Ihr Verschulden kaputt, muss der Artikel Ihnen umgetauscht oder repariert werden. Tauchen weitere Probleme auf, bekommen Sie Ihr Geld zurück“, sagt Stefanie Siegert. Diese Gewährleistung des Händlers für ein Produkt läuft bis zu zwei Jahre. Wichtig für alle Fälle: Hebe den Kassenzettel auf. Bei besonders teuren Angeboten, wie Fernseher usw. mach eine Kopie vom Kassenzettel und hefte die ab. Kassenzettel sind aus Thermopapier, die Schrift verblasst sehr schnell.

Fazit

Auch wenn das Aktionsangebot noch so lockt: Darauf bestehen, dass du es bekommst, kannst du nicht. Die Qualität ist ohnehin nur bei rund 30 Prozent aller Angebote wirklich gut. Vergleichbare Markenprodukte sind oftmals nur paar Prozente teurer. Der Verdacht, dass die Discounter mit den Aktionsangeboten Käufer anlocken, wohlwissend, dass nicht alle bedient werden können, liegt nah.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 10. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 02:10 Uhr