Das hält Akku von Smartphone und Tablet fit

14.11.2018 | 02:10 Uhr

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Umschau-Quicktipp Akku-Mythen

Akku-Mythen

MDR JUMP Mi 14.11.2018 02:10Uhr 01:03 min

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In aktuellen Smartphones, Tablets, Laptops und Bluetooth-Boxen stecken fast immer Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkus. Diese Energiespeicher sind klein, leicht und brauchen wenig Pflege. Sie haben aber ein bauartbedingtes Problem: Sie verlieren nach spätestens zwei Jahren intensiver Nutzung deutlich an Kapazität. Wie man die kleinen Energiespeicher möglichst schonend behandelt – dazu gibt es zahlreiche Akku-Mythen. Wir haben zusammengefasst, welche stimmen und welche nicht.

Mythos 1: Akkus lädt man besser nicht über Nacht

Das stimmt. Weil die meisten Smartphone-Akkus nur rund einen Tag durchhalten, hängen viele Nutzer ihre Geräte über Nacht ans Ladekabel. Das kann allerdings den Lebenszyklus der Energiespeicher stark verkürzen. "Sind Akkus bei 90, bei 100 Prozent und werden dann weiter aufgeladen, ist der Verschleiß am größten", sagt Michael Büttner Onlineportal "inside handy". Einige Hersteller setzten zwar intelligente Ladezyklen ein, bei denen ab einer gewissen Grenze das Aufladen gedrosselt werde. Darauf sollten sich Nutzer aber nicht verlassen, sagt unser Experte. Ein Aufladen am Abend sozusagen "unter Aufsicht" ist zumindest für den Akku besser.

Mythos2: Das Handy sollte man nicht allzu oft nur kurz aufladen

Smartphone beim Laden
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Das ist durchaus richtig. Vor dem Heimweg noch mal schnell das Smartphone an die Steckdose: Das ist für viele Nutzer Standard, für den Akku aber eine Belastung. Die Energiespeicher altern vereinfacht gesagt mit der Anzahl von Ladezyklen. "Normalerweise ist es so: Sobald man einen Strom angeschlossen hat, dann wird ein Ladezyklus angestoßen", sagt Michael Büttner. Die reine Anzahl der Ladezyklen spielen aber nicht eine so große Rolle wie die Art des Ladens. "Wenn der Akku über 90 Prozent geladen wird, ist das schädlicher als wenn man ihn etwa dreimal auf 80 Prozent hochladen würde", sagt unser Experte.

Mythos 3: Unbeaufsichtigtes Laden kann gefährlich sein

Das stimmt eher nicht. Bei modernen Akkus brauchen Nutzer keine Angst vor Kurzschlüssen und auch extrem starker Wärmeentwicklung haben. "Es gibt zwar immer mal Problemmodelle, die werden, wie zuletzt beim Note 7 von Samsung, von den Herstellern recht schnell ausgesondert", sagt Michael Büttner. Die Wärmeentwicklung beim Laden könnte aber trotzdem zum Problem werden: "Wenn das Handy im Bett liegt und dort vom Kissen abgedeckt wird, wird das Handy warm. Und wenn die Wärme nicht weg kann, ist das schlecht für den Akku", erklärt Experte. In so einem Fall könne die Ladeelektronik entscheiden, das Aufladen abzubrechen. Das Handy werde dann nur halbvoll oder gar nicht geladen.

Mythos 4: Das falsche Netzteil kann dem Akku auf Dauer schaden

Ein Ladekabel
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Weit verbreitet unter Smartphone-Nutzern ist die Sicht, dass man unbedingt nur das originale Netzteil vom Hersteller nutzen sollte. Nur dass könne den perfekten, weil passenden Ladestrom fürs Gerät liefern. Hier gibt Michael Büttner Entwarnung: "Die Ladeelektronik bei den aktuellen Smartphones ist superrobust und die hält auch das Laden mit einem anderem Netzteil aus". Grundsätzlich geht also auch jedes Netzteil, weil die Ladeelektronik im Smartphone den Vorgang kontrolliert.

Ausnahme: Bei einigen elektronischen Geräten gibt es aber inzwischen eine Schnellladefunktion, die nicht alle Netzteile unterstützen. Das muss den dafür im Gerät genutzten Standard unterstützen wie etwa "QuickCharge" oder "SuperCharge". "Das machen noch nicht mal alle Originalnetzteile. Bei den drei neuen iPhones etwa ist das so, da muss man noch mal bei Apple gegen Aufpreis zukaufen", sagt unser Experte.

Mythos 5: Akkus sollte man richtig leer machen vor dem Laden

Ein Ladekabel liegt auf einem Handy, auf dessen Display gerade der Akkustand angezeigt wird.
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Werden Akkus bei 20, 30 Prozent oder noch mehr Restlaufzeit aufgeladen, dann "merken" sich die Energiespeicher diese Füllmarke als unterste Markierung und liefern bei weiteren Ladezyklen nicht mehr die volle Kapazität, glauben viele. Diesen sogenannten "Memory-Effekt" gab es bei alten Nickel-Cadmium-Akkus tatsächlich. Bei modernen Lithium-Energiespeichern tritt der Effekt nicht mehr auf. Trotzdem haben viele Nutzer noch im Kopf, den Akku vor dem nächsten Laden möglichst leer zu machen. Das sollte man besser lassen, sagen die Experten von "inside handy". Vereinfacht gesagt werden die Elektroden eines Lithium-Ionen-Energiespeichers beim kompletten Entladen stark belastet und das setzt die Lebensdauer herab. "Am besten ist alles zwischen 30 und 80 Prozent", sagt Michael Büttner.

Eine so genannte Tiefenentladung sollten Nutzer bei aktuellen Geräten aber besser vermeiden. Dabei wird der Akku so weit entladen, bis seine Kapazität völlig erschöpft ist. Im Ernstfall starten die Geräte dann gar nicht mehr. Die Hersteller haben zwar Schutzmaßnahmen eingebaut, um eine Komplettentladung zu verhindern. So wird etwa ein Smartphone üblicherweise schon bei 20 Prozent Restladung heruntergefahren. Der Schutz greift aber nur, wenn das Smartphone dann nicht längere Zeit liegengelassen wird.

Mythos 6: Während des Ladens das Gerät nicht nutzen

Aus Sicht unseres Experten können Smartphone oder Tablet auch dann genutzt werden, wenn sie am Ladegerät hängen. "Es kann aber dann ein Problem geben, wenn beim Laden sehr leistungsintensive Apps genutzt werden, wenn man zum Beispiel 4K-Videos aufnimmt", sagt Michael Büttner. Dann erwärme sich das Smartphone durch die Arbeit des Prozessors zusätzlich. In so einem Fall könne die Ladeelektronik das Aufladen abbrechen.

Strom sparen schont den Akku

Der Tipp klingt zugegeben etwas banal, kann aber bei der Lebensdauer eines Lithium-Akkus tatsächlich einen Unterschied machen. "Fast jeder Hersteller hat in seiner Benutzeroberfläche Akku-Sparmaßnahmen, die man zuschalten kann. Die sind meist sehr effizient", sagt Michael Büttner. Er rät zudem dazu, die Displayhelligkeit selbst noch etwas herunterzudimmen und unterwegs Stromfresser wie WLAN oder, wenn möglich, auch Bluetooth auszuschalten.

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Meist erkennen Nutzer nur an drastisch verkürzten Laufzeiten, dass die Akkus von Smartphone, Tablet oder Laptop stark nachlassen. "Viele Hersteller haben in den Einstellungen vom Betriebssystem auch Diagnose-Werkzeuge für den Akku", sagt unser Experte. Zudem gibt es in den offiziellen App-Stores von Apple und Google zahlreiche Programme, mit denen sich die noch vorhandene Leistung des Akkus anzeigen lässt. "Es gibt Apps wie AIDA64, AnTuTu-Bench oder GFX-Bench, die auch anzeigen, wie belastet der Akku ist", sagt unser Experte.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 02:10 Uhr