Quicktipp Neun Abnehm-Mythen im Check

14.02.2018 | 02:10 Uhr

Im Display einer Körperwaage steht "Bitte abnehmen" 2 min
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Umschau-Quicktipp Abnehm-Mythen

Abnehm-Mythen

MDR JUMP Mi 14.02.2018 02:10Uhr 01:50 min

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Dauerhaft ein paar Kilo loswerden: Für den Weg zu diesem Ziel liefern Zeitschriften und Onlineportale Unmengen an Tipps und Tricks. Der Verzicht auf Zucker soll schnelle und dauerhafte Erfolge bringen, das Weglassen von Kohlenhydraten ebenso, Koffein wird als Wunderwaffe hochgejubelt und Abendessen nach 18 Uhr verdammt. Beim Sport sollten Abnehmwillige möglichst mit einem leeren Magen starten und unbedingt länger als 30 Minuten durchhalten, so die Theorie. Wir haben uns gemeinsam mit der Ernährungswissenschaftlerin Nadia Röwe vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) ein paar dieser "Abnehm-Mythen" genauer angesehen.

"Koffein hilft beim Abnehmen." - Stimmt das?

Draufsicht auf ein Stück Würfelzucker, das auf einem Teelöffel liegt, der sich über einer Tasse Kaffee befindet.
Mit Sahne und Zucker wird auch der Kaffee zur Kalorienbombe. Bildrechte: IMAGO

Der in Kaffee und Tee enthaltene Koffein soll den Kalorienverbrauch steigern und bei körperlicher Aktivität die Fettverbrennung im Muskel verbessern. Das hört man immer wieder. "Darauf gibt es in der Forschung tatsächlich Hinweise. Allerdings haben wir auch Studien, die den Zusammenhang zwischen Koffein und Gewichtsabnahme nicht belegen konnten", sagt Nadia Röwe. Zudem komme es darauf an, wie das Koffein aufgenommen werde. "Ist das schwarzer, ungesüßter Kaffee oder ist das Latte Macchiato mit viel Milch und Zucker? Wenn Sie davon dann zwei bis vier Tassen am Tag trinken, haben Sie schon eine relevante Energiemenge aufgenommen", erklärt unsere Expertin.

"Essen nach 18 Uhr macht dick." - Stimmt das?

Für das Körpergewicht kommt es nicht darauf an, wann man isst. Entscheidend ist allein, wie viele Kalorien pro Tag aufgenommen werden. Manchen Menschen kann die strikte 18-Uhr-Regel trotzdem helfen, ihr Gewicht besser zu halten oder zu verringern. "Dann entfallen die abendlichen Verführungen wie Süßigkeiten oder Chips auf der Couch", so Nadia Röwe.

"Verzicht auf Zucker lässt Pfunde purzeln." - Stimmt das?

Eine junge Frau joggt durch den Wald
Sport erhöht den Kalorienverbrauch und hilft so beim Abnehmen. Bildrechte: IMAGO

Allein der Verzicht auf Zucker im Kaffee, im Essen oder in Knabbereien bringt langfristig keine großen Abnehm-Erfolge. "Nicht nur Zucker liefert Kalorien, auch die Nährstoffe Fett und Eiweiß machen das. Und Fett hat sogar doppelt so viele Kalorien wie Kohlenhydrate oder Eiweiß", betont unsere Expertin. Am Ende zähle dann wieder die Bilanz aus Kalorienzufuhr und Energieverbrauch. "Um abzunehmen, muss man weniger Kalorien über das Essen zu sich nehmen als der Körper an sich verbraucht. Oder man muss durch Sport mehr Kalorien verbrauchen als man mit dem Essen aufnimmt“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Am besten wirke die Kombination aus beidem: mehr Sport und weniger Kalorien. 

"Mit einem regelmäßigen Fastentag wird man dauerhaft dünner." - Stimmt das?

Ein regelmäßiger Fasten-Tag mit etwas Brühe und viel trinken ist kein Garant für eine dauerhafte Gewichtsabnahme. "Da kommt es darauf an, wie viel ich an den anderen Tagen an Kalorien zu mir nehme", sagt unsere Expertin. Sie warnt zudem vor dem berüchtigten Jojo-Effekt. Dabei legt der Körper nach einer Periode mit sehr wenig Energiezufuhr die Fettreserven danach deutlich schneller wieder an. "Wenn ich über längere Zeit meinen Körper in einen Sparmodus versetze und dann wieder normal esse, möchte der evolutionsbedingt die Kalorien möglichst wieder speichern", erklärt Nadia Röwe. Ein einzelner Fastentag bringe den Stoffwechsel erfahrungsgemäß aber noch nicht durcheinander. Manchen Menschen helfe eher ein so genannter "Shit-Day" beim Abnehmen. "Einen Tag lang sind Süßigkeiten oder fettreiche Lebensmittel erlaubt, den Rest der Woche ernähre ich mich ausgewogen und kalorienreduziert", verrät die Expertin.

"Kohlenhydrate sind schlecht." - Stimmt das?

Ein Vollkornbrot mit Butter
Vollkornbrot verfügt über gute Kohlenhydrate. Bildrechte: IMAGO

"Für den Körper sind Kohlenhydrate ganz wichtig, weil sie schnell Energie liefern", sagt Nadia Röwe. Allerdings gibt es vereinfacht gesagt gute und schlechte Kohlenhydratlieferanten. Schlechte oder auch einfache Kohlenhydrate in Weißbrot, Zucker, hellen Nudeln und Süßigkeiten lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und danach wieder absacken. Das fördert Heißhungerattacken. Komplexe Kohlenhydrate in Vollkornbrot, Naturreis oder Gemüse dagegen lassen den Zuckerspiegel im Blut langsam steigen.

"Abnehmen klappt mit leerem Magen am besten." - Stimmt das?

Am Morgen sind Insulin- und Blutzuckerspiegel niedrig, daher wird beim Training auf leeren Magen verstärkt die Fettverbrennung angekurbelt. So die Theorie. In der Praxis geht das aus Sicht unserer Expertin meist nicht lange gut: "Beim Sport braucht man Energie, sonst können Probleme mit dem Kreislauf auftreten." Wer wirklich vor dem Frühstück laufen oder schwimmen gehen will, sollte zumindest vorher eine Banane essen. Die hilft mit schnell verfügbaren Kohlenhydraten.

"Die Fettverbrennung beginnt immer erst nach 30 Minuten Sport." - Stimmt das?

An dieser "Sportler-Weisheit" ist aus Sicht von Nadia Röwe etwas dran. "Der Körper benötigt seine Zeit, um den so genannten Glykogenspeicher zu leeren. Das sind im Körper gespeicherte Kohlenhydrate", erklärt sie. Erst danach würden die Fettreserven angegriffen. Das Leeren der Glykogenspeicher dauere grob gerechnet rund 30 Minuten. Die Zeitspanne ist aber unter anderem vom Körperbau und von der jeweiligen Energiezufuhr an dem Tag abhängig. Wer beim Sport zuerst auf Kraft setzt und dann auf Ausdauer, macht zumindest nichts falsch.

"Schlankheitspillen helfen beim Abnehmen." - Stimmt das?

Maßband und Tabletten
Vorsicht bei den Versprechen von Schlankheitspillenherstellern! Bildrechte: IMAGO

In der Apotheke oder im Supermarkt gibt es zahlreiche Mittel, die beim Abnehmen helfen sollen. Die auf den Packungen abgedruckten Erklärungen klingen auch für Laien einleuchtend: Manche der Inhaltsstoffe sollen sättigen, andere die Fettaufnahme im Körper behindern oder sich im Magen breit machen. Im aktuellen Test von Ökotest (Stand: Dezember 2017) konnte jedoch keins der frei erhältlichen Mittel überzeugen.

Einzig ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Olistat erhielt ein "befriedigend". "Der Wirkstoff hemmt die Spaltung der Fette, das ist auch belegt. Allerdings klappt das Ganze nur in Kombination mit einer Diät und viel Bewegung", betont Sarah Becker von Ökotest. Die Nebenwirkungen wie Blähungen oder Durchfall sollten zudem nicht unterschätzt werden. Aus Sicht unserer Expertin dauert es noch, bis es wirklich Pillen fürs Abnehmen gibt. "Die Mechanismen der Nahrungsaufnahme sind einfach sehr komplex im Körper. Da spielen sehr viele Hormone, das Gehirn und der Verdauungstrakt eine Rolle", sagt die Ökotest-Redakteurin. Da sei es nicht leicht, die richtige Stellschraube zu finden.

"Abnehmen im Alter ist schwieriger." - Stimmt das?

Das ist leider wahr. "Der Stoffwechsel wird mit zunehmenden Altern langsamer, der Anteil an Muskelmasse nimmt ab und der Anteil an Fettmasse zu." - verrät Nadia Röwe. Damit benötige der Körper auch weniger Kalorien über die Nahrung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 14. Februar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 02:10 Uhr