Die Pille danach - ein sicheres Notfallmedikament?

Nach einer Verhütungspanne kann die Pille danach eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Was es für Präparate gibt, wie das Medikament wirkt und worauf Frauen bei der Einnahme achten sollten, das klären wir jetzt.

Junge Frau mit einer PiDaNa , der Pille danach 1 min
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MDR JUMP Di 16.06.2020 10:45Uhr 01:03 min

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Wer bekommt die Pille danach?

Bis vor 5 Jahren war die Beschaffung der Pille danach aufwendig. Die Frauen mussten sich erst ein Rezept vom Arzt ausstellen lassen, was gerade am Wochenende lange Anfahrtswege und Wartezeiten bedeuten kann. Dabei ist Zeit ein entscheidender Faktor: Je früher eine Frau die Pille danach einnimmt, desto geringer ist das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.

Seit März 2015 gibt es die Pille danach per Gesetz rezeptfrei in jeder Apotheke. Der Apotheker kann in dem Fall selbst entscheiden, wem er das Medikament gibt und wem nicht. Die Bundesapothekerkammer hat aber einen Leitfaden entwickelt und empfiehlt, dass das Medikament nur an die Betroffenen persönlich abzugeben ist und nicht etwa an Freunde und Familienmitglieder. Bei Mädchen unter 14 Jahren sind Apotheker dazu angehalten, sie zum Arzt zu schicken. Internetapotheken dürfen die Pille danach nicht vertreiben, denn Frauen sollen das Mittel nach einer „Verhütungspanne“ möglichst schnell einnehmen. Das sei über den Versandhandel typischerweise nicht zu gewährleisten, so der Bundesrat bei der Begründung. Zudem sei für die Pille danach eine persönliche medizinische Beratung notwendig.

Wie wirkt die Pille danach?

Einmal in jedem Zyklus gibt es im Körper einen kleinen Hormonanstieg, durch den ein Eisprung ausgelöst wird. Dieser findet im Durchschnitt am 14. Tag ab Beginn der letzten Periode statt. Die Pille danach unterdrückt diesen Hormonanstieg und sorgt damit im Normalfall dazu, dass sich der Eisprung verschiebt. So wird das Zusammentreffen von Spermien und Eizelle verhindert und es kann nicht zu einer Befruchtung kommen. Der verzögerte Eisprung erfolgt etwa fünf Tage später als üblich. Diese Verzögerung ist ausreichend, um das fruchtbare Zeitfenster zu schließen, denn Spermien haben durchschnittlich eine Überlebensdauer von 3-5 Tagen.

Hat der Eisprung schon stattgefunden bzw. steht er unmittelbar bevor, kommt die Pille danach zu spät. Sobald sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet hat, verliert das Medikament seine Wirkung. Eine bestehende Schwangerschaft kann man also damit nicht abbrechen.

Welche Wirkstoffe gibt es?

Auf dem deutschen Markt sind zwei verschiedene Wirkstoffe zur Notfallverhütung zugelassen.

Levonorgestrel

(bsp. im Präperat Pidana )
  Ulipristalacetat

(bsp. im Präperat ellaOne )
dürfen Frauen bis zu 72 Stunden (3 Tage) nach der Verhütungspanne schlucken Einnahme-

zeiten
sie ist bis zu 120 Stunden (5 Tage) nach der Verhütungspanne zugelassen
Rund 20 Euro Kosten Rund 30 Euro
Schutzwirkung der Pille nimmt laut einer Studie bei einem Gewicht ab 75 Kilogramm ab Übergewicht Schutzwirkung der Pille nimmt laut einer Studie bei einem Gewicht ab 95 Kilogramm ab
Es ist lang erprobt und es liegen ausreichend Daten vor, dass die Einnahme dem ungeborenen Kind nicht schadet – falls eine Frau unbe­merkt bereits schwanger ist oder es trotz Pille danach wird. Datenlage Es fehlen aussagekräftige Langzeitstudien, wie sich das Medikament auf bestehende Schwangerschaften auswirkt. Es wird trotz alledem als Standardmedikament angesehen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen beider Medikamente sind durchaus vergleichbar: Es kommt häufig zu Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, einem Spannungsgefühl in der Brust, Schmerzen im Unterbauch sowie einer verspäteten, stärkeren Regelblutung.

Frauen mit einem Thromboserisiko sollten (notfalls nachträglich) einen Arzt zu Rate ziehen. Er wird eventuell parallel zur Einnahme der Pille danach einen vorbeugenden Kurzzeit-Thromboseschutz empfehlen. Ungeeignet ist die Pille danach bei bestimmten Leber- und Nierenerkrankungen.

Pille danach immer nur als Notlösung!

Generell gilt: Die Pille danach ist nur eine Verhütungsmethode für den Notfall. Sie schützt nicht dauerhaft und eignet sich nicht als reguläres Verhütungsmittel wie Kondome oder die normale Antibabypille.

Mit der Pille danach greifen Frauen in ihren Hormonhaushalt ein – mögliche Folgen: Der Zeitpunkt der nächsten Regel und des nächsten Eisprungs kann sich verschieben. Und auch von wiederholten Anwendungen der Pille danach innerhalb eines Monatszyklus ist abzuraten, da die Hormonbelastung für den Körper zu hoch wird und im Ernstfall die Wirkung sogar nachlassen kann. Ebenfalls ist ein Wechsel vom einem zum anderen Wirkstoff bei der Pille danach nicht zu empfehlen.

Gibt es eine Alternative zur Pille danach?

Ja. Die „Spirale danach“. Dabei handelt es sich um eine Kupferspirale, die ein Arzt spätestens am fünften Tag nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr in die Gebärmutter einsetzten sollte. Sie verhindert die Einnistung eines befruchteten Eis mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent.

Mit Kosten von 130 bis 180 Euro ist die Spirale danach deutlich teurer als die Pille danach. Sie kann jedoch je nach Modell zwischen drei und fünf Jahren in der Gebärmutter verbleiben und zuverlässig eine Schwangerschaft verhindern.

Fazit

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsversagen kann die Pille danach eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Das Präparat verschiebt den Eisprung um einige Tage nach hinten. Meist sind zu diesem Zeitpunkt keine lebensfähigen Spermien mehr vorhanden, so dass die Eizelle dann nicht mehr befruchtet werden kann. Unabhängig vom Präparat sollten Frauen die Pille danach grundsätzlich möglichst schnell nehmen.

So einfach die Anwendung ist: Die Pille danach ist ein Medikament, das ins Hormonsystem und andere Vorgänge eingreift. Mit Nebenwirkungen muss also immer gerechnet werden. Das sind vor allem Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bauchschmerzen und Menstruationsbeschwerden. Alternativ bietet sich die Spirale danach an. Das gilt auch für fettleibige Frauen, denn bei deutlich erhöhtem Körpergewicht lässt die Wirkung der Pille danach nach.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. Juni 2020 | 10:45 Uhr

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