Pflege – So findest du die richtige Einrichtung

Es ist eine der schwersten Entscheidungen im Leben: Der Umzug in ein Pflegeheim hat für die Betroffenen oft etwas Endgültiges. Dabei kann es durchaus bereichernd und positiv sein, wenn du das richtige Heim findest.

Wann es Zeit ist

Sind Eltern und Verwandte gesundheitlich nicht mehr in der Lage, sich um sich selbst zu kümmern, kann ein Antrag auf Pflege bei der zuständigen Pflege/Krankenkasse gestellt werden. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) vergibt dann eine Pflegestufe und legt somit den Umfang der Hilfe fest, die von der Pflegekasse gewährt wird. Theoretisch kann man durchweg zuhause pflegen, praktisch ist das für die Pflegenden bei besonders schweren Fällen nicht möglich. Und es macht auf lange Sicht auch weniger Sinn, als eine Rundumbetreuung mit wesentlich mehr sozialen Kontakten in einer gut geführten Pflegeeinrichtung. „Letztendlich müssen Sie immer fragen, ob das Wohlbefinden des Betroffenen durch die Pflegenden wirklich dauerhaft sichergestellt werden kann“, rät Dirk Weinsheimer von der Verbraucherzentrale Thüringen.

Warum du dir lange im Vorfeld Gedanken machen solltest

Damit Betroffene möglichst selbst entscheiden können, was wann mit ihnen passiert, rät unser Experte: „Es macht richtig Sinn, sich noch im körperlich und geistig fitten Zustand mit den Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auseinander zu setzen.“ So legst du nämlich fest, was mit dir geschehen soll, wenn du es nicht mehr selbst entscheiden kannst und vor allem, wer sich dann um deine Bedürfnisse in deinem Sinne kümmert. Das ist auch in jungen Jahren deshalb sinnvoll, weil niemand vor einer schweren Krankheit oder einem Unfall gefeit ist. Besser also, wenn sich die ganze Familie in guten Zeiten mal einen Nachmittag berät und festlegt, was später sein soll.

Die Möglichkeiten der Pflege

Betreuung zu Hause - eine Pflegekraft kommt und unterstützt die Angehörigen.
Die Tagespflege - man verbringt den Tag mit anderen Senioren in einem Pflegeheim, schläft und wohnt aber weiter zu Hause.
Betreutes Wohnen - eine eigene Mietswohnung mit Einrichtungen zum Notruf und einer unmittelbaren medizinischen Betreuung.
Das Pflegeheim - Wohnen in einem Ein- oder Mehrbettzimmer/Appartement mit medizinischer und sozialer Rundumbetreuung.   

Die Auswahl ist groß – hier wird dir geholfen

Pflege ist teuer, mit Pflege lässt sich enorm viel Geld verdienen. Deshalb gibt es viele, teils sehr große Anbieter. Da fällt die Suche, gerade unter Zeitdruck, nicht leicht. Dirk Weinsheimer von der Verbraucherzentrale Thüringen zu den ersten und wichtigsten Ansprechpartnern: „Das ist zunächst die zuständige Pflegekasse. Die ist ihrer Krankenkasse direkt angegliedert. Sie erreichen sie im Normalfall unter gleicher Adresse und Telefonnummer. Dort wird man Ihnen bei Anträgen, Formularen und dem Ablauf der Suche helfen.“ Für die praktische Suche nach einem Heim empfiehlt der Experte: „Da gibt es Onlineportale auf denen Sie zum Beispiel mit ihrer Postleitzahl nach einem Heim in der Nähe suchen können.“

Welche Heime sind wirklich gut?

Wichtig: Einige Betreiber und Einrichtungen arbeiten mit Qualitätssiegeln, um ihre Heime besonders hervorzuheben. An der Aussagekraft solcher Siegel zweifelt unser Experte aber: “Da müssen Sie ganz genau schauen, nach welchen Kriterien dort bewertet wurde und ob die Einrichtung die so ein Siegel bekommen, dafür unter  Umständen bezahlen müssen.“  Verlässliche Bewertungen gibt es durch die halbjährlichen Qualitätsberichte für Pflegeheime, die durch Prüfer von staatlichen und privaten Krankenversicherern erstellt werden. So kannst du online im Vorfeld rausfinden, ob das ausgesuchte Heim überhaupt in Frage kommt.

Es gibt nicht den einen Super-Heimbetreiber

Auch wenn die großen Pflegeheimbetreiber an vielen Standorten präsent sind, heißt das nicht, dass bei einem Betreiber überall die gleichen Bedingungen herrschen. Dazu unser Experte von der Verbraucherzentrale: “Wir können nicht pauschal sagen, dieser oder jener Betreiber ist der beste. Vielmehr ist das immer auch direkt von den Machern vor Ort abhängig. Also da lohnt es sich wirklich immer hinzugehen und sich ein eigenes Bild zu machen.“

So gehst du praktisch an die Suche

Je näher das Heim bei den Angehörigen liegt, umso besser die Besuchsmöglichkeiten. Hast du ein Heim online gefunden, kannst du einen Besuchstermin mit Besichtigung der Einrichtungen und einem Gespräch mit der Heimleitung vereinbaren. Vor Ort sollten sich Betroffene und die Angehörigen gemeinsam ein Bild machen und in Ruhe den Alltag im Heim beobachten. Manche Heime lassen es zu, am Essen teilzunehmen. Wichtig: Ein Eindruck allein genügt nicht. Du solltest immer mindestens zu zweit besichtigen und auch mehrere Einrichtungen unter die Lupe nehmen.

Am besten fertigst du dir eine Checkliste mit den Dingen, die für deine Betroffenen wichtig sind. „Dabei kommt es auch darauf an, ob das Heim medizinisch die Betreuung und Spezialisierung bietet, die Ihre Angehörigen brauchen“, rät unsere Experte von der Verbraucherzentrale Thüringen.

Positive Signale

Ein guter und aktuell gepflegter Internetauftritt ist positiv. Aber: Größere Anbieter können hierbei mehr Geld ausgeben, als kleinere Betreiber, die dafür vielleicht mehr Wert auf die persönliche und individuelle Betreuung legen. Gute Heime erkennst du unter anderem an:

  • Guter Erreichbarkeit und der problemlosen Vereinbarung eines Vor-Ort-Temins.
  • Umfangreichen Beschäftigungsangeboten und einem ansprechenden Unterhaltungsprogramm. Dazu solltest du versuchen, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen.
  • Großzügig gestalteten Zimmern, die einen frischen Eindruck machen und angenehm riechen.
  • Einem freundlichen und verständnisvollen Umgangston.
  • Transparenten, verständlichen Verträgen, die man in Ruhe studieren kann Bei Nachfragen sollten die Verantwortlichen klar und freundlich Auskunft geben.

Alles in Allem muss man einfach fühlen, dass die Angehörigen dort gut untergebracht sind und betreut werden. „Viele Heime bieten auch für einige Zeit ein Probewohnen an. Das sollte man in Anspruch nehmen, damit die Angehörigen sich vom Heim überzeugen können“, rät unser Experte.

Die Kosten

Heime sind je nach Lage, Ausstattung und Angebot unterschiedlich teuer. Bei entsprechender Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse einen Teil der Kosten. Den Rest müssen die Bewohner aus eigene Tasche zahlen. Reicht die Rente dafür nicht aus, kommen Sozialkassen zum Einsatz. Dazu musst du dich im Vorfeld ausführlich mit deiner Pflegekasse beraten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Oktober 2021 | 11:45 Uhr

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