Kleingarten pachten: Worauf muss ich achten?

Rund eine Million Schrebergärten gibt es in Deutschland. Aktuell ist die Parzelle wieder heiß begehrt. Nur: So ganz sorglos ein bisschen im Grünen buddeln und feiern ist nicht. Es gilt etliche Regeln und Kosten zu beachten. Hier die wichtigsten.

Ein Junge gießt mit einer Kanne frisch ausgesääte Setzlinge. 1 min
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MDR JUMP Mo 15.06.2020 10:45Uhr 01:03 min

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Welche Rechtsverhältnisse gehst du ein?

Als Kleingartenpächter bist du gleich in mehreren rechtlichen Verpflichtungen. Eine Kleingartensparte ist immer ein Verein, die das gesamte Grundstück vom Staat, der Gemeinde oder oft auch der Bahn pachtet. Du pachtest also auch. Das geht aber nur als Vereinsmitglied. Außerdem beziehst du noch Strom und Wasser, dafür musst du Gebühren entrichten. Und du wirst zusätzlich zum Versicherungsnehmer, weil deine Laube nicht in jedem Fall über die Hausratversicherung mitversichert ist. Deshalb musst du vor Unterschrift eines Pachtvertrages unbedingt mit deinem Versicherer reden.

Welche Pflichten hast du als Mitglied?

Als Vereinsmitglied musst du dich an die Kleingartenverordnung deines Vereins halten. Die richtet sich grundsätzlich nach dem Bundeskleingartengesetz. Dazu Constantin Neuß, Geschäftsstellenleiter vom Stadtverband der Gartenfreunde Halle/Saale e.V.:

Da steht dann zum Beispiel drin, dass Sie jährlich soundso viele Aufbaustunden für den Verein zu leisten haben. Wer dafür keine Zeit hat, kann das auch ersatzweise bezahlen. Aber da können jährlich schnell bis zu 100 Euro zusammen kommen.

Außerdem solltest du an den Mitgliederversammlungen teilnehmen und dich regelmäßig über aktuelle Beschlüsse des Vorstandes informieren. Kurz: Auf Dauer wirst du als Kleingärtner nur glücklich, wenn du auch das Vereinsleben magst.

Was schreibt dir der Verein vor?

Neben Öffnungs- und Ruhezeiten in der Anlage, werden dir auch die Mindestflächen für den Anbau von Obst und Gemüse vorgeschrieben. Du kannst also nicht einfach gärtnern, wie du möchtest. Auch die Höhe der Hecken, die Größe deiner Laube, An- und Abstellen des Wassers in Winter und Frühjahr, all das wird dir vorgeschrieben. Wer sich an die Vorschriften nicht hält, dem kann gekündigt werden.

Was kostet dich der Kleingarten?

Ganz am Anfang verlangen viele Vereine eine Aufnahmegebühr von ca. 50 bis 100 Euro. Dazu kommt die jährliche Pacht von rund 17 Cent pro Quadratmeter Garten. Rund 50 Euro sind das in der Regel. Dazu noch der Vereinsbeitrag, Strom-, Versicherung- und Abfallgebühren.

Die meisten Vereine nehmen gleich zu Vertragsbeginn eine Sicherheit von 200 und mehr Euro, ähnlich einer Kaution. Dazu kommen noch die Ablöse für die Laube (eine Art Wertausgleich für die Investition des Vorpächters), da kommt gleich am Anfang gerne mal ein guter vierstelliger Betrag zusammen.

Constantin Neuß

Je nach Wert der Laube und Höhe der  anderen Gebühren musst du am Anfang im allergünstigsten Fall mit mindestens 500 Euro Kosten rechnen. Im Normalfall liegen die Kosten aber bei 1000 bis 1500 Euro, teils auch deutlich drüber. Jährlich musst du dann rund 400 Euro einplanen.

Vorsicht: Wenn immer mehr Parzellen leerstehen, erhöht sich deine Pacht, alle vorhandenen Mitglieder tragen nämlich die Gesamtpacht des Vereins.

Wieviel Arbeit macht der Garten?

Der Kleingarten kostet vor allem Zeit. Constantin Neuß dazu:

Sie müssen schon während der Saison mit 10 Stunden Arbeit am Wochenende oder einer Stunde täglich rechnen, sonst wächst Ihnen die Sache buchstäblich über den Kopf. Wer seinen Garten verwildern lässt, bekommt Ärger mit dem Vorstand.

Was darfst du im Kleingarten- und was nicht?

Eine Gartenlaube in der Kleingartensparte "Dr. Schreber" in Leipzig.
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Nur ein bisschen Rasen, Spielplatz und Pool, das ist verboten. Die sogenannte Fruchtquote, also die Fläche auf der du Obst und Gemüse anbaust, musst du einhalten, meist ist das rund ein Drittel der Gartenfläche. Die Laube darf nicht größer als 24 Quadratmeter sein, es sei denn, sie hat Bestandsschutz.

Dauerhaft wohnen darfst du im Garten nicht, am Wochenende übernachten schon. Heizung und Sat-Schüssel sind in vielen Gärten verboten. Haustiere sind nur besuchsweise erlaubt, Kaninchen- oder andere Ställe sind verboten.

Du musst dich an Ruhezeiten halten und die Besuchsregeln beachten.

Grillen ist gestattet, soll es ein fest gemauerter Grill sein, frag beim Vorstand nach. Das ist allgemein ein guter Tipp, wenn du irgendwelche Dinge bauen oder ändern willst.

Wie findest du deinen Kleingarten?

Am besten schaust du dich in der Nähe deiner Wohnung um und fragst in Gartensparten nach leerstehenden Parzellen. Zeigst du Interesse am Vereinsleben, steigen deine Chancen. Auch übers Internet findest du einen Kleingarten. Lass dir bei der Suche Zeit. Achte auf eine gute Lage und einen guten Zustand der Gartensparte. Solltest du deinen Garten später wieder loswerden wollen, hast du so bessere Chancen.

Welche Stolperfallen musst du bei der Suche beachten?

Auch wenn es im Moment einen Hype gibt, tendenziell wird es weniger Kleingärten geben. Das liegt unter anderem daran, dass viele Familien in Niedrigzinszeiten lieber bauen und ein Grundstück kaufen.

Gerade im ländlichen Raum stehen viele Parzellen leer, die Vereine suchen Mitglieder. Deshalb kann es sein, dass du kaum Ablöse für eine Laube bezahlen musst. Das scheint günstig. Willst du den Garten später loswerden und findest keinen Nachfolger, kann es passieren, dass der Verein verlangt, den Garten als bloßen Boden oder bodeneben zu übergeben. Das heißt: Du musst Laube, Terrasse und alle Wege abreißen und den Bauschutt entsorgen. Das kann mehrere tausend Euro kosten. Schau also unbedingt in den Pachtvertrag und die Satzung des Vereins. Kläre auch im Vorfeld wieviel deine Laube tatsächlich wert ist, damit du nicht zu viel Ablöse bezahlst und hinterher viel weniger von einem Nachpächter bekommst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Juni 2020 | 10:45 Uhr

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