Den richtigen Partner mit Onlinedating finden?

Onlinedating ist ein Riesengeschäft. Über 200 Millionen Euro haben die Betreiber von Parship, Tinder und Co. im letzten Jahr bei uns umgesetzt. Bei uns erfährst du, ob sich die Sache auch für den Verbraucher lohnt, und wie du deinen Valentin online finden kannst.

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MDR JUMP Fr 12.02.2021 10:45Uhr 01:07 min

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Portal ist nicht gleich Portal – Die Unterschiede

Egal ob als App oder am PC: mit Onlinedating kannst du viele Bekanntschaften schließen. Das gilt für Freundschaften, dauerhafte Beziehung oder schnellen Sex. Dabei ist es wichtig, dass du für deine Wünsche das richtige Format findest und dich nicht durch die Suche auf der falschen Plattform verwirren oder entmutigen lässt. Wir sortieren mal grob:

Bei Kontakt/Singlebörsen bekommst du vom Betreiber nur die Plattform. Dort hinterlässt du ein Profil und kannst dir andere Profile anschauen. Im Falle des Gefallens nimmst du Kontakt auf. Wichtig: Viele Kontaktbörsen bieten einen kostenlosen Einstieg. Wer ein größeres Profil, mehr Infos usw. will, zahlt später eine Art Abo-Gebühr.

Bei Partnervermittlungen füllst du am Anfang einen oft sehr umfangreichen Fragebogen aus. Die Vermittlung übernimmt dann für dich das Suchen und Vergleichen. Oft angeblich mit enorm teuren und wissenschaftlich hochkomplizierten Algorithmen. Deshalb kostet eine Partnervermittlung mitunter richtig viel Geld.

Vergleichsportale bieten dir angeblich Hilfe bei der Suche nach der richtigen Kontakt/Singlebörse. Die Bewertungen aber sind oft nichts wert und kosten dich im Vermittlungsfall nur extra Geld. Darauf kannst du getrost verzichten.

Es kommt auf deine Einstellung an

Damit du Erfolg bei der Partnersuche hast, musst du mit Gelassenheit und Ruhe an die Sache rangehen. Mach dir klar, was du willst. Kurzes Date oder dauerhafte Beziehung. Danach suchst du die richtige Plattform für dich aus. Wieviel bist du bereit, an Zeit und Aufwand zu investieren? Wie stark würdest du dein Leben für den Partner ändern? Je klarer deine Antworten auf solche Fragen sind, desto eher erkennst du auch, wer zu dir passt. Versuch dich so offen und klar wie möglich zu präsentieren, auch mit deinen Stärken und Schwächen. Umso klarer wird auch dein Bild bei den anderen und die richtigen Leute reagieren auf dein Profil. Wichtig: Einige Plattformen geben deine Daten weiter. Deshalb auch der Rat von unserer Expertin: "Am Anfang sollten Sie keine Adresse oder Telefonnummer rausgeben. Beschränken Sie sich da auf die Infos, die unbedingt sein müssen." Wenn du jemanden wirklich näher kennen lernen willst, verabrede dich zuerst immer an neutraler, öffentlicher Stelle und dann kannst du weitersehen.

Erfolgssausichten gut – Vorsicht bei der Umsetzung  

Rund acht Millionen Menschen sollen hierzulande bei einem Dating-Portal angemeldet sein. Laut Statistik hat fast die Hälfte aller Suchenden schon mal einen kurzen oder auch dauerhaften Kontakt über ein solches Portal gefunden. Auch Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen sieht bei den Portalen eine echte Vermittlungschance: "Das kann tatsächlich mit der Beziehung fürs Leben klappen. Die Portale bieten Ihnen ja eine Vielzahl an neuen Kontakten. Sie müssen eben nur die vielen Fallstricke beachten." 

Die meisten arbeiten mit Fakeprofilen

Auch was auf den ersten Blick seriös aussieht und dir den Eindruck vermittelt, hier könntest du einen echten Partner finden, hat oft nichts außer hohen Abo-Kosten zu bieten. Oftmals steht das aber nur ganz weit hinten in den AGB´s.

Dort erfährst du dann, dass einige Profile (meistens sind es alle) von sogenannten Moderatoren, Controllern oder Animateuren bedient werden, um die Unterhaltung anzuregen. Das heißt: Du bezahlst eine Gebühr, legst ein Profil an und wirst dann von einem Profi unterhalten. Oftmals sind es sogar Männer, die hinter weiblichen Profilen stecken.

Viele kosten bald Geld

Dating Apps auf einem Smartphone
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Der Einstieg bei den meisten Portalen ist kostenlos. Und das ist auch schon der Trick.  Dafür kannst du dann nämlich oft nur die sogenannten Basisversionen nutzen. Willst du mehr Treffer für deine Suche, mehr Bilder hochladen und ähnliches, wird es auch bei scheinbar unkomplizierten Portalen wie Tinder schnell teuer. Du bekommst verschiedene Abo-Modelle angeboten, immer mit der vermeintlichen Aussicht, auf noch schnellere, mehr und bessere Kontakte. 

Die Risiken – Masse ist nicht gleich Klasse und viel Abzocke

Ein Problem ist bei vielen Plattformen die große Menge an Kontakt-möglichkeiten. Viele junge Nutzer finden genau das wichtig. Dieses Überangebot führt aber auch zu einer Überreizung. Du guckst nicht mehr genau hin, extreme Aussagen oder Fotos werden wichtig. So kannst du schnell die berühmten grauen Mäuse, die vielleicht viel besser passen würden, übersehen. Das große Problem für deinen Geldbeutel sind die Abos, die dir entweder offen angeboten werden, in die du aber auch einfach so reinrutschen kannst. Willst du schließlich aus dem Vertrag aussteigen, kommen oft Forderungen nach Bezahlung des ganzen Abozeitraumes auf dich zu. Lass dich davon nicht unter Druck setzen: "Je unseriöser die Firma, desto unentschlossener ist die Rechtsdurchsetzung. Sie sollten im Zweifel also nicht sofort zahlen. Am besten lassen Sie sich rechtlich beraten. Der Europäische Gerichtshof hat die Verbraucher da gestärkt. Aber die Partnerbörsen und Datingportale passen ihr AGB´s und Verträge auch immer wieder an, sodass dort reichlich Schlupflöcher bleiben", so unsere Expertin. Gut zu wissen: neben den Verbraucherzentralen bieten auch spezialisierte Anwälte Hilfe gegen Abzock-Portale an.

Wie du Probleme mit dem Vertrag vermeidest

Die ganz großen Player, wie Elite-Partner oder auch Paarship scheinen Konkurrenten zu sein, sind sie aber nicht. Sie gehören einer großen Mediengruppe. Entsprechende Werbung und positive Berichterstattung müssen da also kein Zufall sein. Das ist soweit okay, problematisch ist mitunter das Verhalten der Portale, so Claudia Neumerkel: "Auch über die ganz großen Portale bekommen wir oft Beschwerden. Da taucht nach einer Vertrags-kündigung oft ein zweiter Vertrag auf, den die ehemaligen Kunden dann weiter bezahlen sollen. Das ist erlebte Praxis." Hinzu kommt, dass viele Portale nach einer kurzfristigen Kündigung (Und innerhalb von 14 Tagen hast du auch hier ein Widerrufsrecht!) einen sogenannten Wertersatz fordern.

Das können schnell mal 300 bis 400 Euro für drei Tage Mitgliedschaft sein. Begründung: Man hätte dir ja dein Profil eingerichtet usw. also schon Arbeit gehabt. Das musst du nach einem ganz aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofes nicht zahlen. Wichtig: Bevor du einen Vertrag eingehst, lies dir die Bedingungen ganz genau durch, kündige immer fristgerecht, schriftlich per Einschreiben und zahle möglichst nie Geld im Voraus.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei Arbeit | 12. Februar 2021 | 10:45 Uhr

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