Lebensmittelampel: Was der Nutriscore über unser Essen verrät

Die meisten Deutschen haben Übergewicht. Gesunde Ernährung tut Not. Nur: Woran erkennst du ein wirklich gutes Lebensmittel? Der Nutriscore soll eine Orientierung geben.

Symbolbild Nutri-Score 1 min
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MDR JUMP Do 10.12.2020 10:45Uhr 01:02 min

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Das ist der Nutriscore

Seit 6. November ist der Nutriscore als vereinfachte Lebensmittelkennzeichnung auch bei uns in Kraft. „Verbraucher sollen so beim Einkaufen relativ schnell und sicher erkennen, ob ein Produkt ihnen hilft, sich ausgewogen zu ernähren oder nicht“, sagt Sophie Phillip, Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung von der Verbraucherzentrale Sachsen. Deshalb muss er auch auf der Vorderseite der Verpackung aufgedruckt sein. Dort siehst du eine fünfstufige Farbskala mit den Buchstaben A bis E. Dabei steht das grüne "A" für ein ausgewogenes Lebensmittel, das rote "E" für eine ziemlich ungünstige Zusammensetzung der Zutaten. Wichtig: Der Nutriscore steht nur auf verarbeiteten, also zusammengesetzten Lebensmitteln, nicht aber auf Monoprodukten wie Obst, Fleisch oder Gemüse.

Was du auf einen Blick siehst - und was nicht

Bisher müssen auf Lebensmittelprodukten die Zutaten und Nährwerte angegeben sein. Was ist drin und wie viele Kalorien, Fett, Zucker, Eiweiß usw. pro 100 Gramm enthält es? Daraus kannst du viel ablesen aber: „Kaum einer hat ja beim Einkaufen die Zeit, das alles genau durchzurechnen. Und bisherige Nährwertkennzeichnungen wie das MRI-Model sind auf den ersten Blick auch nicht wirklich verständlich“, bemängelt unsere Expertin. Die fünfstufige Ampeldarstellung des Nutriscores soll dir auf einen Blick zeigen: das ist ein gesundes Lebensmittel. Wie viel Aroma-, Farb, und andere Zusatzstoffe das Produkt enthält, siehst du leider nicht.

So wird der Score berechnet

Auf den ersten Blick ziemlich kompliziert: Die Mengen der verschiedenen Inhaltsstoffe pro 100 Gramm werden erfasst. Je nachdem, wieviel im Produkt stecken, gibt es negative Punkte für zum Beispiel Fett oder Zucker. Positive Punkte gibt es für reichlich Eiweiß und Ballaststoffe. Nun werden die positiven von den negativen Punkten abgezogen. Je kleiner am Ende die Summe, desto gesünder das Produkt, umso näher am A.

Nicht alle Produkte werden gleich berechnet

Da Lebensmittelgruppen wie Käse, Fette und Öle völlig unterschiedliche Eigenschaften haben und auch in verschiedenen Mengen bei unserer Ernährung zum Einsatz kommen, werden sie unterschiedlich berechnet. Dazu Sophie Phillip von der Verbraucherzentrale: “Wenn Fett als Inhaltsstoff eher negative Punkte bekommt, dann müssten ja alle Buttersorten und ähnlich Produkte durchweg schlecht bewertet werden." Butter hat aber von der Menge her einen ganz anderen Stellenwert als zum Beispiel ein Frostspinat. 

Bei Mineralwasser, Säften, Milch usw. wird nochmal anders gerechnet als bei festen Lebensmitteln. Das führt zu einigen Verzerrungen: „ Nur Wasser bekommt grundsätzlich eine Bewertung A, alle anderen Getränke werden schlechter bewertet. Milch und Produkte wie Kefir oder Trinkjoghurt werden gar nicht zu den Getränken gezählt.“ so unsere Expertin.

Cola-Light ein Top gesundes Produkt - wo der Score Grenzen hat

Kinder mit vollem Einkaufswagen in einer Lebensmittelabteilung
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Dass nicht alle Inhaltsstoffe bei der Berechnung berücksichtigt werden, führt zu seltsamen Ergebnissen. "Dass zum Beispiel eine Cola Light enorm gut bewertet wird obwohl sie aus unserer Sicht viele Aromen und Zuckeraustauschstoffe enthält“, bemängelt Sophie Phillip. Auf der anderen Seite würde Honig einen extrem schlechten Score bekommen, da er fast nur aus Zucker besteht.

Du brauchst also trotz gutem Score noch deinen gesunden Menschenverstand beim Einkaufen.   

So können die Hersteller (noch) schummeln

Er ist aktuell nicht verpflichtend. Das heißt, die Hersteller können wählen, ob sie ihrem Produkt einen Nutriscore verpassen oder nicht. Deshalb findest du vor allem viele Produkte mit einem Nutriscore A oder B und kaum schlechter. Dazu unsere Expertin: „Die Hersteller nutzen natürlich diese Lücke und lassen Produkte von denen sie wissen, dass sie relativ ungesund sind, erst gar nicht bewerten.“ Das ist zwar so erlaubt aber: Wenn ein Hersteller ein Müsli bewerten lässt, muss er ein eigenes vergleichbares Müsli ebenfalls bewerten lassen. Sich die Rosinen raus zu picken, geht nicht.

Wer den Score ermittelt und vergibt

Das passiert interessanterweise in Frankreich. Von dort kommt die Idee und dort wird er auch schon seit 2017 flächendeckend verwendet. Wenn sich ein europäischer Lebensmittelhersteller den Score also aufdrucken möchte, dann muss er sich in Frankreich melden.

Fazit

Der Nutriscore ist eine gute Möglichkeit, Lebensmittel zu kennzeichnen. Verbraucher können so relativ schnell sehen, ob sie sich etwas Gesundes in den Einkaufskorb legen oder nicht. Er hat Schwächen und ist vor allem nur freiwillig.

„Es wäre schön, wen er schnell verpflichtend für alle verarbeitete Lebensmittel eingeführt wird. Dann haben die Verbraucher die Möglichkeit wirklich zwischen allen Produkten zu vergleichen und entsprechend zu wählen“, so die Ernährungsexpertin Sophie Phillip.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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