Tipps für die Steuererklärung

06.06.2019 | 02:10 Uhr

Geldscheine und Münzen auf einem Steuerbescheid 1 min
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MDR JUMP Do 06.06.2019 02:10Uhr 01:05 min

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Für wen sich eine Steuererklärung lohnt

Als festangestellter Arbeitnehmer kannst du dich theoretisch ganz auf deinen Arbeitgeber verlassen. Der führt alle erforderlichen Leistungen von deinem Bruttogehalt direkt an das Finanzamt ab. Für dich ist damit eigentlich alles erledigt.

In vielen Fällen lohnt es sich, trotzdem eine Steuererklärung zu machen, denn die Chancen auf eine Erstattung stehen gut: Durchschnittlich bis zu 974 Euro gab es in den vergangenen Jahren vom Finanzamt zurück.

Schon wenn Sie mehr als 15 Kilometer Arbeitsweg haben oder viel Geld für eine nötige Brille oder Zahnersatz ausgegeben mussten kommen Sie über bestimmte Pauschalen.

Gunar Meisel, Steuerberater Leipzig

Außerdem kann es sich lohnen oder auch nötig sein, wenn Sie neben Ihrem Gehalt noch andere Einkünfte haben, etwa aus Vermietung, Verpachtung oder Kapitalanlagen.

Wenn du selbstständig bist, musst du ohnehin eine Steuererklärung machen.

Berufsbedingte Ausgaben und Werbungskosten absetzen

Modellauto auf einem Antrag auf Pendlerpauschale
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Darunter zählen alle Ausgaben, die du im Zusammenhang mit deinem Beruf hast, zum Beispiel Fahrtkosten oder Arbeitssachen. Bei Berufstätigen geht das Finanzamt schon mal vorab von 1000 Euro diesbezüglicher Kosten aus und setzt diesen Betrag als Pauschbetrag bei der Steuerberechnung an. Allerdings kannst du auch mehr ansetzen, nämlich dann wenn du etwa, wie oben beschrieben, einen Arbeitsweg von mehr als 15 Kilometern an fünf Tagen pro Woche zurücklegen musst. Da kommst du mit der Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer nämlich schon auf 1035 Euro. Dabei ist es übrigens egal, ob du mit Auto, Bahn oder Bus zur Arbeit fährst.

Es gilt allerdings immer nur eine Strecke pro Tag. Anders ist das bei Dienstreisen, da können Sie Hin- und Rückreise anrechnen und natürlich Pauschalen für Verpflegung und Unterbringung.

Gunar Meisel

Aktuell unterstützt das Finanzamt auch Ausgaben für eine besonders ökologische Art, zur Arbeit zu kommen. Elektrofahrzeuge aber auch ganz einfache Fahrräder, können in einer Steuererklärung angesetzt werden. Und wenn der Arbeitgeber dir diese Fahrzeuge stellt, musst du sie nicht als sogenannten geldwerten Vorteil anrechnen.

Was Festangestellte außerdem ansetzen können

Ein Mann schaut in die Trommel eine Waschmaschine
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Alle Ausgaben, die du in Zusammenhang mit einer Weiterbildung hast, kannst du in der Steuererklärung geltend machen. Hinzu kommen Ausgaben für ein Arbeitszimmer, Computer und andere Büromittel. Wichtig: Du musst diese Dinge wenigstens teilweise auch wirklich für deinen Job nutzen. Hast du im vergangenen Jahr Ausgaben für Handwerker oder Hausmeisterkosten gehabt, kannst du diese ebenfalls mit anrechnen.

Auch Kosten für Gärtner, Putzkräfte, Babysitter und andere sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen kannst du so absetzen. Wichtig: Bezahle diese Leute nie bar sondern per Überweisung, so hast du entsprechende Nachweise.

Bist du im vergangenen Jahr für deinen Job umgezogen, kannst du auch das geltend machen.

Dafür ist aber wichtig, dass Sie wirklich näher zum Arbeitsplatz gezogen sind. Bei einem Umzug von Berlin nach Dresden, ist das sicher nicht die Frage, aber zum Beispiel innerhalb von Leipzig, müssen Sie schon Ihren Arbeitsweg klar verkürzen, damit Sie so einen Umzug geltend machen können.

Gunar Meisel

Haben Kinder wegen des Umzugs Schwierigkeiten in der Schule und müssen Nachhilfestunden nehmen, kannst du auch diese Kosten von der Steuer absetzen. Für die Betreuung deines Kindes, ob Kita, Tagesmutti oder Hort, kannst du die  Kosten ebenfalls anrechnen. Solltest du Schulgeld für das Kind zahlen, dann auch das. Hinzu kommen noch Kosten für teure medizinische Behandlungen, Aufwendungen für Spenden und Kirchensteuer.

So machst du die Steuererklärung

Zwei Formen sind möglich: Du holst dir bei deinem zuständigen Finanzamt die entsprechenden Formulare, füllst sie aus und schickst sie ein. Das geht ohne große Kenntnisse und in der vereinfachten Steuererklärung musst du dabei gerade mal zwei Seiten ausfüllen.

Die Homepage des Elster-Portals
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Du kannst aber auch online arbeiten, entweder direkt mit dem ELSTER-Formular der Finanzämter oder mit einer Steuersoftware für ca. 20 bis 40 Euro. Dort wird dir alles Stück für Stück und bei den meisten Produkten sehr ausführlich und leicht verständlich erklärt. Den entsprechenden Ausdruck schickst du dann später ans Finanzamt.

Bist du angestellt, verheiratet und hast noch Kinder, die zu Hause wohnen und unter 18 sind, dann macht das Ausfüllen der Steuererklärung eigentlich keine großen Problem. Schwieriger wird es da schon, wenn deine Kinder über 18 Jahre alt sind und immer noch teilweise zu Hause wohnen.

Schon dieser geänderte Sachverhalt kann eine Steuererklärung so kompliziert machen, dass Sie lieber einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein konsultieren sollten.

Unterstützung durch Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein

Trotz der Ausgaben für diese Fachleute lohnt es sich in den allermeisten Fällen, eine Steuererklärung abzugeben.

Die Kosten beim Steuerberater richten sich dabei nach der Steuerberatergebührenordnung. Innerhalb dessen wird dann das Jahreseinkommen/-umsatz (=Gegenstandswert) als Berechnungsgrundlage genommen.

Bei einem Lohnsteuerhilfeverein wirst du für wenige Euro Aufnahmegebühr Mitglied. Danach richtet sich der Jahresbeitrag in der Regel nach dem Einkommen und dem daraus folgenden Aufwand für die Steuererklärung. Du wirst auch bei einem Lohsteuerhilfeverein das ganze Jahr über beraten und gegenüber dem Finanzamt vertreten. Achtung: Der Lohnsteuerhilfeverein kann nur Angestellten, Rentnern oder auch Beamten helfen, Selbstständige können hier nicht beraten werden.

Diese neuen Fristen musst du beachten

Steuererklärung mit Kalenderblatt vom 31. Juli
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Wenn du eine Steuererklärung abgeben musst, dann hast du dieses Jahr erstmals bis zum 31. Juli Zeit. Lässt du dich dabei von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein unterstützen, dann verlängert sich die Frist auf Antrag bis Ende Februar des nächsten Jahres, aktuell also bis 29. Februar 2020. Vorsicht: Wenn du diese Fristen nicht einhältst, berechnet dir das Finanzamt einen Verspätungszuschlag, der neuerdings sehr deftig ausfällt: Mindestens 25 Euro pro angefangenem Monat musst du einplanen. Je nach Steueraufkommen und Verspätung kann das Finanzamt aber auch bis zu 25.000 (!) Euro Gebühr berechnen.

Gibst du deine Steuererklärung freiwillig ab, hast du dafür vier Jahre Zeit. Dieses Jahr könntest du also noch die Erklärung für 2015 abgeben.

Diese Neuerungen gelten für die Steuererklärung für 2018

Gleich vorweg: Dieses Jahr ist es noch nicht der große Wurf, erst für die Steuer 2019 und 2020 kommen deutliche Entlastungen auf dich zu. Dennoch gibt es auch schon für 2018 einige Verbesserungen:

Der Grundfreibetrag, also das Geld, das du verdienen darfst, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen, ist auf 9.000 Euro erhöht wurden, für Ehepartner auf 18.000 Euro. Das sind immerhin 80 Euro beziehungsweise 160 Euro mehr pro Jahr.

Eine Frau arbeitet in einem Wohnzimmer an einem Laptop im Homeoffice.
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Zweite wesentliche Änderung ist die Höhe der Kosten für Arbeitsmittel, wie etwa einen Laptop, die du auf einmal von der Steuer absetzen kannst. Die Grenze lag bisher bei knapp 488 Euro, jetzt liegt sie bei 952 Euro. Bis dahin gilt dein Büromittel als sogenanntes geringwertiges Wirtschaftsgut und kann voll abgesetzt werden, vor allem auf einmal und nicht verteilt über mehrere Jahre.

Schließlich ist noch der Betrag für Kindesunterhalt, denn du steuerlich geltend machen kannst auf 9.000 Euro angehoben worden.

Fazit

Briefkasten Finanzamt
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Eine Steuererklärung lohnt sich auch für Festangestellte in den meisten Fällen. Du kannst die Erklärung leicht zu Hause machen. Gerade bei längeren Arbeitswegen oder anderen berufsbedingten Extraausgaben, kannst du unter Umständen etliche hundert Euro pro Jahr zurückholen. Informiere dich über die Abgabefristen und lass dir bei komplizierteren Sachverhalten von einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater helfen. Frage im Vorfeld nach den Gebühren!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 02:10 Uhr