Neue Energie-Labels an vielen Haushaltsgeräten ab März

Wer Kühlschrank, Wäschetrockner oder Fernseher kauft, schaut meist auch auf das Energie-Label. Das zeigt an, wie viel Strom oder Wasser Elektrogeräte brauchen und ordnet die in Klassen ein. Sehr viele Geräte landeten aber zuletzt in den besten Klassen wie A+++ oder A++. Das machte den Vergleich extrem mühsam. Neue Energie-Labels sollen das Problem lösen.

Ein Mann füllt eine Waschmaschine 1 min
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MDR JUMP Mo 08.03.2021 10:45Uhr 01:26 min

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Warum gibt es neue Energielabels?

Verbraucher sollen beim Kauf schneller als bisher sehen können, ob ein Gerät viel oder wenig Strom braucht oder wie sparsam es mit Wasser umgeht. Lorenz Bücklein ist Energiereferent der Verbraucherzentrale Sachsen und sagte:

Lorenz Bücklein von der Verbraucherzentrale Sachsen
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Der deutliche Unterschied ist die Skala: Bei den neuen Label sehe ich kein A+ oder A++ mehr. Es gibt nur noch die Skala von A bis G.

Ein Kühlschrank in der Klasse B ist also sparsamer als ein Gerät in der Klasse C oder D.

Man wollte bei den Klassen für die neuen Energielabels auch eine Art Marktanreiz mit einbringen: Die Bedingungen für die neuen Klassen A und B sind halt so hoch angesetzt, dass da absichtlich noch Luft nach oben ist.

Laut den Verbraucherzentralen werden sehr viele der heutigen der heutigen A+++-Kühlschränke für die neuen Labels unter D eingeordnet. Nur wenige sparsame Geräte schaffen heute schon die Klasse C. Es wird also voraussichtlich noch einige Zeit dauern, bis die Hersteller Strom- und Wasserbrauch ihrer Geräte weiter bis auf das Klasse-A-Niveau der neuen Labels senken können.

Tragen alle Elektrogeräte die neuen Labels?

Nein, die sind ab März nur für Spülmaschinen, Waschmaschinen und Trockner, Kühl- und Gefriergeräte, Fernseher und Monitore verpflichtend. Im September folgen die neuen Energie-Labels für Beleuchtung. Für Heizungen sind sie erst 2026 Pflicht, so Lorenz Bücklein.

Was ist der Unterschied zum alten Label?

Der ist auf den ersten Blick nicht so groß. Beim neuen und beim alten Label wird mit den Farbbalken von grün bis rot und mit Buchstaben gearbeitet. Da wurden die Klassen neu geordnet und die Pluszeichen abgeschafft. Das Prinzip blieb aber gleich. Neu dagegen ist ein QR-Code in der rechten oberen Ecke des Labels. Wer den mit der Handykamera scannt, kann darüber zusätzliche Informationen zum Produkt abrufen. Michael Büttner vom Online-Magazin inside digital sagte:

Altes vs. neues Energielabel
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Der QR-Code ist tatsächlich brandneu: Man kommt damit zu einer Datenbank mit den normierten technischen Daten der Produkte. Geplant ist, dass auch Hersteller oder Verbände den Zugang zur Datenbank bekommen. Man kann dann über das Smartphone sehen, wie zum Beispiel ein Verband dieses Produkt bewertet. Das wird aber im Moment noch aufgebaut.

Beim Vergleich von alten und neuen Labels sieht man erst auf den zweiten Blick, dass offenbar auch die Messmethoden für die Geräte etwas geändert wurden. Der Wasserverbrauch wird etwa bei Waschmaschinen nicht mehr pro Jahr angegeben sondern pro Waschprogramm. Der Stromverbrauch für Spülmaschinen oder Trockner wird jetzt für 100 Durchgänge aufgelistet. Früher stand dort eine kWh-Zahl "pro annum" (auf deutsch: "pro Jahr"). Dafür liefen beispielsweise Spülmaschinen im Test 280mal. Diese Angabe war offensichtlich nicht sehr praxisnah. Michael Büttner sagte:

Michael Büttner
Bildrechte: inside digital

Jetzt sieht man den Energieverbrauch pro hundert Durchgänge und kann sich daran eben besser orientieren. Eine vierköpfige Familie kann überschlagen, wieviel Durchgänge sie im Jahr hat und daraus dann den Jahresverbrauch ermitteln.

Und auch Lorenz Bücklein meint:

Zusätzlich kommen noch Angaben dazu wie die Dauer des Eco-Sparprogramms, auf das sich die Verbrauchsangaben bei den Wasch- und Spülmaschinen bezieht. Das ist auf jeden Fall nochmal eine deutliche Verbesserung.

Gleich geblieben auf beiden Labels sind ein paar Zusatzangaben. So sehen Käufer, wie viele Kilogramm Wäsche pro Ladung in eine Maschine passen. Oder wie laut Spülmaschinen, Waschmaschinen, Wäschetrockner oder Kühlschränke im Betrieb sind. Diese Angabe in Dezibel (dB) lässt sich in der Praxis aber nur für den Vergleich von zwei Geräten nutzen, sagte Michael Büttner:

Da sehe ich, ob ein Gerät lauter ist als das andere, wenn ich die beiden Werte gegenüberstelle. Wie laut sie aber dann bei mir im Alltag tatsächlich sind, ist auch von anderen Bedingungen abhängig: Wo und wie stehen die Geräte? Eine Waschmaschine kann beispielsweise auch rütteln. Und das wird bei den Tests im Labor nicht mit abgebildet.

Was haben Verbraucher von der Umstellung?

Aus Sicht von Verbraucherschützern sind die neuen Energie-Labels ein Schritt in die richtige Richtung: Käufer können Elektrogeräte besser vergleichen und auch genauer einschätzen, welche Folgekosten bei Strom und Wasser anfallen. Michael Büttner sieht noch etwas Positives bei den neuen Labels:

Man hat in der Verordnung für die Labels verboten, dass Hardware oder Software so gestaltet wird, dass sie einen Test erkennen. Ähnlich wie das VW bei der Abgasprüfung gemacht hat. Da hat man jetzt auch für Elektrogeräte einen Riegel vorgeschoben.

Aus seiner Sicht sei bei den neuen Energie-Labels aber eine Chance verpasst worden: Die zeigen einzig an, wie viel ein Gerät verbraucht. Es gibt allerdings keine Angaben dazu, wie viele Ressourcen bei der Produktion verbraucht wurden, ob ein Gerät gut repariert werden kann oder wie lange Waschmaschine oder Spülmaschine im Familienalltag durchhalten.

Dann hält vielleicht eine Maschine mit einem sehr niedrigen Energieverbrauch nur zwei Jahre durch und geht dann kaputt. Die muss ich nach zwei Jahren neu kaufen. Und eine andere Waschmaschine mit einem nicht ganz so guten Label hält zehn Jahre durch. Die muss aber dann eben auch nicht fünfmal produziert werden wie die andere.

Kleben dann zwei Labels auf einem Gerät?

Wer in den letzten Wochen online Waschmaschine, Fernseher und andere Elektrogeräte bestellt hat, fand im Karton manchmal beide Energie-Labels. Das ist aus Sicht der Verbraucherzentralen kein Problem: Die Hersteller hätten nicht wissen können, wann ihre Geräte in den Handel kommen und mussten vorsorgen. Im Geschäft dagegen dürfen Verbraucher nur ein Label sehen, sagt Lorenz Bücklein:

Auf einem Gerät dürfen auf keinen Fall beide Label gleichzeitig drauf gedruckt werden. Auch nicht in der Übergangszeit. Die gilt für den Handel und auch für den Onlinehandel und ist relativ kurz, zwischen dem 1. und dem 18. März. Ab dem 18. März müssen dann die neuen Labels genutzt werden. Bis zum 18. März dürfen die alten Label noch auftauchen. Aber eben nicht gleichzeitig, sonst wird’s unübersichtlich für Verbraucher.

Ab dem 18. März dürfen also nur noch Geräte mit dem neuen Energie-Label versehen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 08. März 2021 | 10:45 Uhr

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