Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

Ein Milliardengeschäft: Schon in normalen Zeiten geben wir Unsummen für Zink, Vitamine und Omega-3-Fettsäuren als vermeintlich wichtige Nahrungsergänzung aus. Ist das im Moment noch wichtiger? Was die Mittel wirklich können, erfährst du jetzt.

Tabletten in den Farben gelb, rot und weiß sind farblich in Schichten getrennt zu einem Dreieck gelegt. 1 min
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MDR JUMP Mo 11.05.2020 10:45Uhr 01:11 min

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Was sind Nahrungsergänzungsmittel (NEM)?

Sie werden in drei große Gruppen eingeteilt: Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine. Diese Mikronährstoffe helfen deinem Körper, normal zu funktionieren. Sie regulieren Stoffwechsel- und Verdauungsvorgänge, lassen das Nervensystem optimal arbeiten, halten Gefäße elastisch, Knochen stabil und vieles mehr. Im Normalfall nehmen wir Mikronährstoffe über die Nahrung zu uns, manche bildet der Körper auch selber. Funktioniert das nicht, dann kommen eben Nahrungsergänzungsmittel ins Spiel. Wohlgemerkt: NEM sind keine Medikamente sondern Lebensmittel. Sie können aber schon in kleinen Mengen eine enorm starke Wirkung auf deinen Körper haben. Das macht es schwierig, sie richtig zu dossieren.

Wer braucht sie?

Wenn du dich ausgewogen ernährst und keine gesundheitlichen Probleme hast, dann brauchst du keine NEM. Denn in unserer normalen Nahrung ist ausreichend von den Mikronährstoffen vorhanden. Die Ärztin und Spezialistin für Naturheilkunde Dr. med. Anke Görgner sieht aber immer mehr Menschen mit einer Unterversorgung:

Aus meiner Erfahrung heraus sind gerade mal zwei Prozent meiner Patienten optimal mit Nährstoffen versorgt. Das heißt nicht, dass die anderen immer gleich riesen Probleme haben. Es ist aber schon mit zunehmendem Alter wichtig, sich um einen ausgeglichenen Haushalt der Mikronährstoffe zu kümmern.

Besonders chronisch Kranke, Schwangere oder Menschen, die an einer Magen-Darmkrankheit leiden, können einen Nährstoffmangel haben. Oft fehlen ihnen lebenswichtige Vitamine.

Und auch Menschen, die viele Tabletten nehmen, haben oft Probleme, über den Darm genügend Mikronährstoffe aufzunehmen. Da wären dann gezielte Infusionen viel wirkungsvoller, als irgendwelche Pillen und Pülverchen einzunehmen.

Dr. med. Anke Görgner

NEM vorbeugend gegen eine etwaige Corona-Infektion zu nehmen, ist Unsinn!

Wann solltest du NEM nehmen?

Die Antwort ist einfach: Wenn du sie brauchst. Wann das soweit ist, bekommst du aber ganz sicher nur mit einem Spezialisten, also zum Beispiel einem gute Hausarzt raus. Zu dem solltest du gehen, wenn du dich körperlich oder/und nervlich nicht wohlfühlst. Wenn du ständig müde bist, nicht schlafen kannst, keine Power mehr hast und dich nicht mehr richtig konzentrieren kannst. Das alles kann verschiedenste Ursachen haben, weshalb du nicht selbst rumdoktern solltest. Dazu unsere Expertin:

Es macht überhaupt keinen Sinn, alles Mögliche in sich hinein zu stopfen, wenn Sie keine klare Analyse haben, wie Ihr Nährstoffspiegel aussieht und wo es unter Umständen einen Mangel gibt.

Dr. med. Anke Görgner

Wie bekommst du raus, was dir fehlt

So eine Analyse erfolgt in der Regel über eine Blutuntersuchung. Über das sogenannte große oder/und kleine Blutbild kann dein Arzt zum Beispiel rausfinden, ob du unter einem Eisenmangel leidest, dir Jod und Folsäuren oder verschiedene Vitamine fehlen. Das Blutbild ist in der Regel kostenlos. Gehst du zum Naturmediziner oder in eine Privatpraxis können für so eine Untersuchung gerne mal 100 Euro fällig werden, dafür gibt es dann noch genauere Analyseangebote.

Wie kannst du dich gefährden?

In der Eigentherapie können Sie sehr viel falsch machen. Nahrungsergänzungsmittel können ja die Wirkung von Medikamenten entscheidend beeinflussen und sie wirken auch in unterschiedlichen Stadien einer Krankheit ganz verschieden. 

Dr. med. Anke Görgner

Vitamin D zum Beispiel ist gut für dein Wohlbefinden, für die Knochengesundheit usw. Wir bilden es hauptsächlich selbst durch die Aufnahme von Sonnenlicht über die Haut. Im Winter ist Sonne Mangelware. Gerade am Ende der Winterzeit wird deshalb häufig damit geworben, Vitamin D-Produkte zum Wohlbefinden einzunehmen.

Das ist aber Unsinn, weil die Tabletten erst nach Monaten eine Wirkung zeigen. Dann bildet dein Körper das Vitamin aber schon wieder ausreichend selbst. Nimmst du nun zusätzlich noch Pillen ein, könnten sich laut einiger Studien Nierensteine bilden.

So kommst du in den Teufelskreis

Ein weiteres Beispiel ist Kalium, wichtig für einen guten Herzrhythmus. Zuwenig ist schlecht, zu viel aber auch. Nimmst du einfach vorsorglich Kalium und davon zu viel, kannst du Herzrhythmusstörungen bekommen. Das macht Angst und das verursacht einen hohen Blutdruck. Gehst du mit diesen Symptomen zu einem schlechten Hausarzt, verschreibt der dir Beta-Blocker. Das beruhigt, reguliert das Herz und senkt den Blutdruck. Problem: Beta-Blocker können Depressionen auslösen. Das macht wieder Angst und stört den Schlaf.

So können immer mehr Medikament und Problem zusammenkommen, ohne dass du wirklich einen Nährstoffmangel hattest.

Wann wirst du über den Tisch gezogen?

Da NEM hierzulande nicht als Medikamente gelten, werden sie auch nicht entsprechend streng bis gar nicht geprüft. Verbraucherschützer kritisieren das. Trotzdem sind immer wieder Mittel auf dem Markt, die dir das Blaue vom Himmel versprechen. Du solltest immer aufmerksam werden, wenn von wunderbaren, schnellen Wirkungen die Rede ist. Ganz besonders wertvolles Korallenkalzium, Meerrettichpulver oder gar Himalaya-Salz, das alles ist Mumpitz, den du teuer bezahlst, ohne dass es speziell wirkt.

Wie versorgst du deinen Körper optimal?

Einfach im nächsten Supermarkt das Röhrchen mit Multivitamin-Brausetabletten zu kaufen, können Sie sich wirklich sparen. Im besten Falle schadet es nicht aber einen Zusatznutzen haben Sie davon auch nicht.

Dr. med. Anke Görgner

Besser ist eine vollwertige Mischkost, die immer auch das enthalten sollte, was dir wirklich schmeckt. Denn: Spaß und Genuss beim Essen sind ganz wichtig für eine optimale Verwertung. Ernähre dich frisch und abwechslungsreich und stress dich besonders in der jetzigen Zeit nicht über die Maßen. Das ist ein besserer Schutz gegen Corona, als jedes unnötige Pülverchen und Pillchen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Mai 2020 | 10:45 Uhr

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