Nässeschutz für Jacken und Schuhe: Trocken durch den Regen kommen

28.11.2019 | 02:10 Uhr

Zwei junge Frauen laufen im Winter im Wald. 1 min
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MDR JUMP Do 28.11.2019 02:10Uhr 01:13 min

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Warum imprägnieren und wie oft?

Egal, ob Jacken oder Schuhe: Dringt Nässe ins Material, quillt dieses auf und verhindert die Atmungsfähigkeit. Schweiß kann nicht mehr entweichen und es bildet sich ein feuchter Film. Zudem liegt das vollgesogene Material schwer auf der Haut, was beim Träger ein unangenehmes Kältegefühl verursacht. Neue Schuhe sollten grundsätzlich vor dem ersten Tragen imprägniert werden. Auch bei bereits getragenen Schuhen muss der Imprägnierschutz  regelmäßig erneuert werden. Wie oft, hängt von der Beanspruchung ab. Spätestens aber, wenn sich das Material mit Feuchtigkeit vollsaugt bzw. Feuchtigkeit durchlässt.

Schuhe vorher reinigen

Schuhe mit Schuhputzzeug.
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Ohne vorherige gründliche Reinigung hilft das beste Imprägniermittel nicht. Lederschuhe können bei normaler Verschmutzung mit einer milden Reinigungslösung abgewischt werden. Bei Salzrändern und starkem Schmutz empfiehlt sich die Verwendung einer speziellen Lederseife aus dem Fachhandel. Die wirkt gleichzeitig rückfettend. Zum Schutz der Lederschuhe werden dann Wachs oder Schuhcreme aufgetragen. Die halten das Leder geschmeidig und verhindern ein Austrocknen. Bei Rauh- oder Velourleder wird zur Reinigung eine spezielle Bürste oder ein Schwamm aus Moosgummi benutzt. Hartnäckige Verschmutzungen entfernt man mit einem Tuch, auf das Reinigungsschaum aufgetragen wird.

Material entscheidet über Imprägniermittel

Fall es keine konkreten Herstellerhinweise zur Imprägnierung gibt, entscheidet das Material. Je nach Obermaterial des Schuhs wählt man zwischen Spray und Wachs. Bei beiden Varianten muss regelmäßig nachgearbeitet werden - bei regelmäßigem Gebrauch der Schuhe alle ein bis zwei Monate, bei starkem Regen immer. Wichtig nach jeder Imprägnierung: Bis das Mittel ins Material eingezogen ist und richtig wirkt, dauert es in der Regel 24 Stunden.

Ein Finger drückt auf den Sprühkopf einer schwarzen Kosmetikspraydose, aus der Sprühnebel entweicht.
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Spray
Spray ist der Klassiker zum Imprägnieren und eignet sich besonders für Rauhleder und synthetische Materialien. Auch für Schuhe, die mit Membranen ausgestattet sind, wie beispielsweise Gore-Tex-Schuhe, ist Spray geeignet, weil es die Poren der Membran nicht verstopft. Weil solch ein Spray nicht eingeatmet werden darf, sollte unbedingt im Freien gearbeitet werden. Dazu das Spray im Abstand von 30 bis 50 Zentimeter gleichmäßig auf die gereinigten Schuhe aufbringen und eventuell mit einem Tuch verteilen. Dabei ist weniger mehr, denn mehrere dünne Schichten versiegeln besser als eine dicke. Ist das Spray nach circa 15 Minuten eingezogen, kann der Vorgang bis zu drei Mal wiederholt werden. Dann bleibt es im Schuh schön trocken. Vorteil dieser Variante: Es ist leicht und man kommt kinderleicht an jede Stelle. Nachteil: Die Treibgase in der Dose sind schädlich für Mensch und Umwelt. Alternativ gibt es druckluftbetriebene Spraydosen oder Pumpzerstäuber, die ohne Gase auskommen.

Wachs
Bei Glattleder verwendet man zur Imprägnierung am besten Schuhwachs auf Bienenwachs- oder pflanzlicher Basis. Es pflegt das Leder und schützt gleichzeitig vor Nässe. Lederschuhe imprägniert man direkt nach der Reinigung im noch feuchten Zustand, denn dann sind die Poren weit geöffnet und nehmen das Wachs gut auf. Dafür das Wachs mit einem Tuch und leichtem Druck auf das Leder auftragen und auch Nahtstellen nicht vergessen. Nach etwa 20 Minuten kann überschüssiges Wachs mit einem trockenen Tuch oder einer Bürste entfernt werden. Bei Bedarf wiederholt man den Vorgang. Um sicherzustellen, dass absolut keine Nässe eindringt, kann die Wachsbehandlung mit einem Imprägnierspray ergänzt werden. Normalerweise reicht aber eine Form der Imprägnierung aus.

Hausmittel
Experten raten von Hausmitteln wie Melkfett, Kerzenwachs oder Haarspray ab. Sie bieten keinen professionellen Nässeschutz und können die Oberfläche der Schuhe im schlimmsten Fall schädigen.

Jacken imprägnieren

Funktionskleidung, darunter auch Jacken, ist mit einer wasserabweisenden Schicht versehen. So ist sie atmungsaktiv und doch wasserdicht. Je nach Hersteller wird die Schicht mit unterschiedlichen Techniken auf den Stoff aufgebracht. Auch hier gilt: Keine Imprägnierung hält ewig, die Behandlung muss daher regelmäßig erneuert werden.

Vorher testen

Bevor man neu imprägniert, sollte man die Kleidung testen. Dazu sprüht man mit einem Wäsche- oder Blumensprüher destilliertes Wasser auf. Perlt es nur mäßig ab, sollte die Imprägnierung erneuert werden. Manchmal reicht es aber auch, die Imprägnierung zu reaktivieren. Das geschieht durch Wärme. Entweder gibt man die Funktionsbekleidung bei mittlerer Temperatur für eine halbe Stunde in den Trockner, oder man legt ein Tuch auf und bügelt sie. Bei beiden Methoden sollte man auf die Herstellerangabe zur Temperatur achten.

Waschen oder Sprayen?

Zum Imprägnieren eignen sich Sprays besser als Spezial-Waschmittel, da nur die Oberseite des Stoffes behandelt wird und so die Kleidungsinnenseite atmungsaktiv bleibt. Beim Waschen gilt: Je weniger man Funktionsbekleidung wäscht, desto besser. Je nachdem wofür man sich entscheidet, sollte folgendes beachtet werden:

Spray
Die Kleidung sollte besprüht, aber nicht durchnässt werden. Da Imprägniermittel nicht eingeatmet werden sollten, sprüht man die Kleidung im Abstand von 30 bis 50 Zentimetern draußen ein. Dabei ist darauf zu achten, Jacken auch unter den Armen und an der Jackenunterkante zu besprühen. Bei manchen Produkten muss die Imprägnierung noch in den Stoff eingearbeitet werden. Das erfolgt genau wie beim Reaktivieren durch Wärme. Ob dieser Schritt notwendig ist, steht in der Gebrauchsanweisung des Mittels.

Imprägnieren in der Waschmaschine

Drehknopf an Waschmaschine.
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Im Fachhandel und im gut sortierten Drogeriemarkt werden Spezialwaschmittel angeboten, die neben dem Waschen auch nachimprägnieren. Wer nicht so ein Waschmittel nutzen möchte, kann Funktionskleidung auch mit flüssigem Colorwaschmittel waschen. Wollwaschmittel oder Weichspüler würden aufgrund ihrer Inhaltsstoffe die Membran verstopfen. Gewaschen wird im Pflegeleicht- oder Feinwaschprogramm. Reiß- und Klettverschlüsse werden vorher geschlossen. Funktionskleidung wird nicht geschleudert oder ausgewrungen, sondern am besten tropfnass auf einem Bügel hängend getrocknet. Wer die Kleidung in den Trockner geben will, sollte dann nur die maximal zum Waschen empfohlene Temperatur zum Trocknen wählen.

Das Waschen in der Waschmaschine hat einen Vorteil: Mit einem Waschgang lassen sich mehrere Teile gleichzeitig imprägnieren. Der Nachteil: Auch die Innenseiten werden bei dieser Anwendung imprägniert. Diese sollen allerdings atmungsaktiv sein und Feuchtigkeit vom Körper aufnehmen. Durch eine Imprägnierung ist dies nicht mehr möglich. Zudem verschwindet ein Großteil des Mittels im Abfluss. Das ist nicht gut für die Umwelt.

Kosten

Egal ob Schule oder Funktionskleidung: Zum Imprägnieren reichen jeweils Universalmittel. Und die müssen laut Stiftung Warentest gar nicht teuer sein – bereits ab 75 Cent pro 100 Milliliter gibt es gute Imprägniersprays.

Imprägnieren und die Umwelt

Viele Imprägniersprays enthalten per- und polyfluorierte Chemikalien (kurz PFC). PFCs wirken zwar wasser-, fett- und schmutzabweisend, bergen aber Gefahren für Mensch und Umwelt. Da sie sehr langlebig sind, können sie in Kläranlagen nicht abgebaut werden. In Folge reichern sie sich im menschlichen Körper an und werden über die Muttermilch weiter gegeben. Einige PFCs gelten als krebserregend und fruchbarkeitsschädigend. Leider ist auf der Verpackung vieler Imprägniermittel nicht ersichtlich, ob PFCs erhalten sind. Deshalb der Tipp: Wähle umweltfreundliche Alternativen, also nur Mittel, die explizit als fluorfrei angeboten werden. Das sind beispielsweise Mittel mit den Wirkstoffen Polysiloxane oder Polyurethan.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2019, 02:10 Uhr