Wann Du deine Sachen wirklich imprägnieren musst und womit

Kalte, feuchte Jahreszeit! Da will man wenigstens in trockenen, halbwegs warmen Klamotten stecken. Imprägnieren soll helfen, aber auch der Umwelt schaden. Fragt sich also, wieviel ist nötig und gut und was sind die Alternativen?

Darum musst du imprägnieren

Egal, ob Jacken oder Schuhe, dringt Nässe ins Material quillt das auf und verhindert die Atmungsfähigkeit. Schweiß kann nicht mehr entweichen und es bildet sich ein feuchter Film von innen. Außerdem liegt das vollgesogene Material schwer auf der Haut und kühlt ungewollt. Kommt die Nässe richtig durch Schuhe und Jacke, dann wird’s auf der großen Winterwanderung wirklich unangenehm.

Wann musst du imprägnieren – und wann nicht

Neue Schuhe sollten grundsätzlich vor dem ersten Tragen imprägniert werden. Sie halten dann wesentlich länger Nässe und Schmutz stand. Wichtig: Neue Jacken, die ohnehin gegen Wind und Wetter gedacht sind, haben von Hause aus eine gute Imprägnierung. Wenn du diese Jacken nicht ständig in Extremwetterlagen nutzt und etwa viermal im Jahr wäschst, hält ihre Imprägnierung über Jahre, ohne dass du nachbessern musst. Wichtig: Manchmal ist es nur nötig, die besonders stark genutzten Stellen einer Jacke nach zu imprägnieren. Das sind zum Beispiel die Schultern, die durch Rucksackgurte beansprucht werden. Du musst also nicht grundsätzlich vor dem Urlaub eine Flasche Imprägnierspray auf allen Klamotten verteilen. 

Woran du erkennst, dass du imprägnieren musst

Ob du zum Imprägniermittel greifen musst, kannst du ganz leicht an Schuhen oder Jacke testen. Mit einem Wäsche- oder Blumensprüher destilliertes Wasser aufsprühen. Perlt das Wasser nur mäßig ab, sollte die Imprägnierung erneuert werden. Manchmal reicht es aber auch, die Imprägnierung zu reaktivieren. Das geschieht durch Wärme. Entweder gibst du die Funktionsbekleidung bei mittlerer Temperatur für eine halbe Stunde in den Trockner, oder du legst ein Tuch auf und bügelt sie. Für beide Methoden gilt: Achte auf die Herstellerangabe zur Temperatur.

Viele Funktionsklamotten sind nicht zum Bügeln geeignet, man kann es aber abgedeckt ganz vorsichtig mit moderater Temperatur versuchen. Es geht schließlich nur ums Anwärmen.

Eine Fahrradfahrerin fährt über eine nasse Straße, während im Vordergrund ein Kirschbaum blüht.
Bildrechte: B. Kriemann/Future Image

Welches Mittel für welches Material?

Die Hersteller wissen am besten, was Schuhe und Jacken an Pflege brauchen. An ihre Angaben solltest du dich halten. Denn nur das passende Imprägniermittel sorgt für optimalen Schutz. Ein grober Überblick:

Imprägnierspray verwendest du vor allem bei Rauleder und synthetischen Materialien. Das gilt auch für Jacken. Das Spray bildet eine Art Netz, auf dem die Wassertropfen abperlen, das die Luft von innen aber durchlässt.

Wachs kommt für Schuhe mit Glattleder in Frage und wird in das Leder eingearbeitet.

Schaum hat im Wesentlichen die gleiche Wirkung wie Imprägnierspray und wird mit einem Schwamm vorsichtig aufgetragen und eingearbeitet.

Wash-In Produkte Im Fachhandel und im gut sortierten Drogeriemarkt werden Spezialwaschmittel angeboten, die neben dem Waschen auch Nachimprägnieren. Wer nicht so ein Waschmittel nutzen möchte, kann Funktionskleidung auch mit flüssigem Colorwaschmittel waschen.

Waschen oder Sprayen?

Zum Imprägnieren eignen sich Sprays besser als Spezial-Waschmittel, da nur die Oberseite des Stoffes behandelt wird und so die Kleidungsinnenseite atmungsaktiv bleibt. Beim Waschen gilt: Je weniger man Funktionsbekleidung wäscht, desto besser.

Vorm Imprägnieren immer wichtig: Reinigen

Bei einer schmutzigen Oberfläche, hilft das beste Imprägniermittel nicht. Jacken kannst du einfach waschen oder abwischen und trocknen lassen. Lederschuhe können bei normaler Verschmutzung abgebürstet oder mit einer milden Reinigungslösung abgewischt werden. Bei Salzrändern und starkem Schmutz nimmst du am besten eine spezielle Lederseife aus dem Fachhandel. Die wirkt gleichzeitig rückfettend. Zum Schutz der Lederschuhe werden dann Wachs oder Schuhcreme aufgetragen. Die halten das Leder geschmeidig und verhindern ein Austrocknen. Wichtig: Glattlederschuhe sollten beim Imprägnieren noch leicht feucht sein. Dann sind nämlich die Lederporen offener und nehmen mehr Pflegemittel auf. Bei Rau- oder Velourleder wird zur Reinigung eine spezielle Bürste oder ein Schwamm aus Moosgummi benutzt.

Viel hilft nicht viel – wie du richtig imprägnierst

Verwendest du Spray, dann grundsätzlich nur im Freien, niemals in der Wohnung. Denn: die versprühten Aerosole sollen eine wasser– und schmutzabweisende  Schicht aufbauen. Und das würden sie dann auch in deiner Lunge.

Du imprägnierst richtig, indem du aus ca. 40 bis 50 Zentimeter Abstand sprühst und die Imprägnierung in zwei bis drei Schichten aufträgst. Wichtig: Lass das Spray zwischendurch ein paar Minuten einwirken.

Eine Schuhleder-Imprägnierung lässt du mindestens 24 Stunden einwirken, bevor es wieder auf die Straße geht. Auch deine Kleidung sollte besprüht, aber nicht durchnässt werden. Wichtig: Jacken auch unter den Armen und an der Jackenunterkante besprühen. Bei manchen Produkten muss die Imprägnierung noch in den Stoff eingearbeitet werden. Das erfolgt genau wie beim Reaktivieren durch Wärme. Ob es notwendig ist, steht in der Gebrauchsanweisung des Mittels.

Ganz wichtig: Nur Mittel ohne PFC

Dieses PFC steht für per- und polyflourierte Chemikalien. Das tolle an ihnen ist: Sie sind schmutz- und wasserabweisend und halten gegen Hitze und UV- Strahlen stand. Ideal eigentlich für eine Imprägnierung.

Das Blöde: PFC-Verbindungen sind enorm langlebig und können nicht mal in einem guten Klärwerk aus dem Wasser gefiltert werden. Mittlerweile sind PFC- Verbindungen selbst in entferntesten Bergbächen und Seen nachweisbar.

Außerdem: PFC steht im Verdacht, das Erbgut (nicht nur bei uns Menschen) zu schädigen und krebserregend zu sein.

Das Problem hat die letzte Untersuchung von ÖKO-TEST deutlich gemacht: Mittel ohne PFC sind wesentlich umweltverträglicher, schützen aber nicht ganz so gut gegen Nässe und Schmutz. Trotzdem solltest du so ein Mittel verwenden und beim Kauf darauf achten, dass auch ausdrücklich darauf steht, dass es 100 Prozent PFC frei ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. November 2021 | 11:45 Uhr

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