Nachhaltigkeit - Was du ohne Mühe für kommende Generationen tun kannst

Nachhaltigkeit ist gut, Nachhaltigkeit ist wichtig. Nur warum und was ist das eigentlich? Das klären wir und zeigen dir an fünf konkreten Beispielen, wie du mit wenig Aufwand das Thema Nachhaltigkeit in dein Leben integrieren kannst.

Was ist eigentlich „nachhaltig“?

Die Idee ist über 300 Jahre alt. Sie geht auf einen Herrn Carl von Carlowitz zurück. Der warb seinerzeit dafür, in der Forstwirtschaft jeweils nur so viel Wald zu fällen, wie im gleichen Zeitraum nachwachsen kann. Übersetzt auf heute bedeutet das, dass wir nur so viele Ressourcen verbrauchen, wie die Erde nachschieben kann oder dass wir unseren Bedarf an Energie und Rohstoffen so umstellen und einschränken, dass nicht eines Tages plötzlich alles aufgebraucht ist. Das bedeutet den Einsatz von alternativen Energien, Rohstoffrecycling und vor allem ein bewusst sparsames Leben. Zurück zu von Carlowitz und dem Wald: Was passiert, wenn man damit nicht nachhaltig wirtschaftet, kann man sich eindrucksvoll in Schottland anschauen, das von England mehrfach komplett abgeholzt wurde und heute traumhaft schön aber ökologisch ziemlich zerstört ist.

Warum wir umdenken müssen

Einmal im Jahr zum sogenannten Erdüberlastungstag bekommen wir die Rechnung aufgemacht. Genau an dem Tag nämlich haben wir alle Ressourcen für das laufende Jahr aufgebraucht, wenn wir die Erde ökologisch und wirtschaftlich nicht überlasten wollen. Dieses Jahr war das der 5. Mai. Da hatten wir in Deutschland so viele Bodenschätze, Energieträger wie Öl und Kohle verbraucht und Treibhausgase in die Umwelt abgegeben, dass es eigentlich für das Jahr reicht. Wir arbeiten also ins Minus. Das geht auf Dauer nicht gut: Klimaerwärmung, Armut, Überbevölkerung und die Suche von Menschen nach einem Ort, wo sie mal mindestens überleben können nehmen stetig zu. Am Großen und Ganzen kann jeder Einzelne nur einen kleinen Teil ändern, aber das ist schon mal was und deswegen schauen wir jetzt mal konkret:

So kannst du einfach nachhaltig leben

Es muss nicht immer gleich die ganz große Aktion sein. Auch Kleinigkeiten im Alltag können helfen und sogar noch Spaß für die Familie bringen. Christian Kunz, Landesgeschäftsführer vom BUND Sachsen-Anhalt e.V. rät zum Beispiel: „Nehmen Sie doch beim nächsten Spaziergang mit ihren Kindern einen kleinen Beutel mit und sammeln sie nebenbei Müll in Wald und Park ein. Da können Sie einen Wettbewerb draus machen und helfen so spielerisch der Umwelt.“ Und so ähnlich kannst du in deinem Alltag an vielen Stellen ganz einfach nachhaltig sein.

Ein Energielabel mit Ausweisung der Energieeffizienklassen, 2014
Bildrechte: dpa

Dein Stromverbrauch - Natürlich gilt es, den möglichst niedrig zu halten. Das ist ob der vielen Geräte, die uns heute das Leben erleichtern sollen, nicht immer ganz einfach. Aber man muss ja nicht jeden Trend mitmachen. Elektrische Rollos an den Fenstern könntest du auch mit der Hand bedienen. Viele Smarthome-Lösungen sind reine Spielerei und kosten in der Anschaffung und Bedienung oft Geld und Nerven. Da gilt es, genau zu schauen, was am Ende Strom und Zeit spart. Achtung: Intelligente Stromzähler machen es dir möglich, exakt abzulesen, was du im Moment verbrauchst. So findest du unter Umständen Stromfresser in der Wohnung. Wichtig: Wechselst du zu einem Ökostromtarif, kostet dich das ein paar Euro im Jahr mehr. Du sorgst aber dafür, dass der Anteil an erneuerbaren Energien steigt.

Elektrogeräte - Beim Kauf sollen es dir die Energielabels ganz leicht machen: Sie zeigen nicht nur auf den ersten Blick an, ob ein Gerät wenig oder viel Strom und bei einer Waschmaschine beispielsweise Wasser verbraucht. Du kannst auch herausfinden, wie viel du im Jahr mit deiner Familie bei soundso vielen Waschgängen verbrauchen wirst. Aber: Sie zeigen dir nicht, wie lange ein Gerät hält und wie viele Ressourcen bei der Herstellung verbraucht wurden.
Tipp: Vergleiche bei Ökotest, Stiftung Warentest oder anderen Portalen, wie es um die Lebensdauer des Gerätes steht und rechne das in die Bilanz mit ein. Eine sparsame Waschmaschine bringt dir und der Umwelt wenig, wenn sie geplant nach zwei bis drei Jahren kaputt geht.

Lebensmittel - Es ist ganz einfach: Kauf erst wieder ein, wenn der Kühlschrank fast leer ist. Halte dich bei Lebensmitteln wie Fisch an das korrekte Verbrauchsdatum, beim Mindesthaltbarkeitsdatum kannst du immer ein paar Tage bis Wochen zugeben. Und im Kühlschrank und allen anderen Lagerplätzen für Lebensmittel solltest du immer mal wieder aufräumen und durchsortieren, damit möglichst nichts weggeschmissen wird.

Gärtnern - Dass du eigenes Obst und Gemüse anbaust, ist schon richtig gut. Dafür kannst du dich mal selbst loben, weil: Du sparst Transportkosten, Verpackung, Kühlung und Lagerfläche. Wenn du jetzt noch auf künstlichen Dünger, Pestizide und jede Menge laute Elektrokleingeräte verzichtest und stattdessen möglichst naturnah gärtnerst, indem du mit Regenwasser gießt, eigenen Kompost herstellst und in deinem Garten vielen Insekten und anderen Tieren Unterschlupf bietest, ist das ganz großes Kino! Und unser Experte rät allen Grundstücks- und damit Rasenflächenbesitzern: „Mähen Sie einfach mal ein paar Flächen nicht und lassen Sie das Gras wachsen. Sie werden staunen, wie schnell es blüht und bunt wird in ihrem Garten. Und Sie helfen dadurch auch Insekten und vielen kleinen Tieren.“

Urlaub machen auf dem Schiff?

Ja, so eine Schiffsreise ist toll – aber müssen es wirklich zwei, drei Kreuzfahrten im Jahr sein? Reden wir mal nicht von Corona- dann liegen wir Deutschen nach den Amerikanern und Chinesen auf Platz drei der jährlichen Kreuzfahrten. Und die meisten der Schiffe sind pure Dreckschleudern. Außerdem werden viele einstmals ruhige und naturbelassene Traumziele von der schieren Masse an Tagestouristen plattgemacht. Und die einheimische Wirtschaft hat oft nur sehr wenig davon. „Und da hilft es auch nicht, wenn Sie an irgendeine Organisation oder den Veranstalter selber eine Ausgleichsabgabe zahlen oder irgendwo einen Baum pflanzen. Das macht die Sache nicht besser“, so unser Experte.

Heimat neu entdecken

Deshalb: Es ist nachhaltiger, bei uns in den Urlaub zu fahren. „Da finden Sie spannende Orte im eigenen Land, sorgen für Umsatz bei den einheimischen Gastgebern und sparen natürlich Ressourcen“, sagt Christian Kunz vom BUND. Ins Ausland geht natürlich auch, dann aber am besten über sogenannte Öko-Reise-Portale. Die schauen nämlich vor Ort, ob das Hotel, der Transport und alle anderen Rahmenbedingungen tatsächlich nachhaltig sind. Da kannst du mit einem guten Gewissen auch Fernreisen machen. Und zu guter Letzt: Wer in der Natur frei und unabhängig unterwegs sein will, der sollte Zelten. Wohnmobil ist auch toll. Aber ganz ehrlich: Du fährst dabei im Urlaub mit einem kleinen Haus durch die Gegend und verbrauchst dabei gern mal 20 Liter auf 100 Kilometer.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Juni 2021 | 11:45 Uhr

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